Investigativ & Unabhängig – Mit der Kraft des Internets

Warum ist Marihuana verboten? Die wahren Gründe sind schlimmer als man denkt

in Gesundheit

Überall auf der Welt fragen immer mehr Leute: Warum ist Marihuana verboten? Warum kommen immer noch Leute für seinen Gebrauch oder Verkauf ins Gefängnis?

Die meisten von uns nehmen an, dass es daran liegt, weil sich irgendjemand, irgendwo an einen wissenschaftlichen Beweis gemacht und herausgefunden hat, dass Cannabis schädlicher ist als andere Drogen, die wir die ganze Zeit nutzen – wie Alkohol und Zigaretten.

Irgendjemand hat es zu unserem Besten herausgefunden

Aber als ich damit begann, mich durch die offiziellen Archive zu wühlen – während ich für mein Buch Chasing The Scream: The First and Last Days of the War on Drugs recherchierte – um herauszufinden, warum Cannabis in den 1930ern verboten wurde, entdeckte ich, dass das nicht passiert ist.

Ganz und gar nicht.

1929 wurde ein Mann namens Harry Anslinger vom Department of Prohibition in Washington DC angeklagt. Aber das Alkoholverbot war ein Desaster. Die Gangster hatten ganze Stadtviertel unter ihre Kontrolle gebracht. Alkohol wurde – von Kriminellen kontrolliert – sogar noch schädlicher.

Und so endete schließlich das Alkoholverbot – und Harry Anslinger war besorgt. Denn er war für eine riesige Regierungsabteilung verantwortlich, die nichts zu tun hatte. Bis dahin hatte er gesagt, dass Cannabis kein Problem sei. Es schadet den Leuten nicht, erklärte er, und „es gibt keinen absurderen Denkfehler“, als die Idee, dass es die Leute gewalttätig mache.

Aber dann verkündete er plötzlich – als seine Abteilung eine neue Aufgabe brauchte -, dass er seine Meinung geändert habe.

Er erklärte der Öffentlichkeit, was passiert, wenn man Cannabis raucht.

Erstens wird man in einen „delirierenden Wahnsinn“ geraten. Dann wird man von „Träumen…von einer erotischen Art“ erfasst. Anschließend wird man „die Fähigkeit zusammenhängenden Denkens verlieren“. Schließlich wird man den unausweichlichen Endpunkt erreichen: „Geistesstörung“.

Marihuana verwandelt einen Menschen in eine wilde Bestie. Anslinger warnte, dass wenn Marihuana auf der Treppe Frankensteins Monster begegnet, das Monster vor Schreck tot umfallen würde.

licata

Bildtext: „Das abscheulichste Verbrechen von 1933: Victor Licata, Tampa, Florida, ermordete am 17. Oktober 1933 unter dem Einfluss von Marihuana seine Mutter, seinen Vater, seine Schwester und zwei Brüder während sie schliefen MIT EINER AXT .“

Harry Anslinger wurde besonders von einem Fall geradezu besessen. In Florida erschlug ein Junge namens Victor Licata seine Familie mit einer Axt. Anslinger erklärte gegenüber Amerika: Das passiert, wenn man „das dämonische Kraut“ raucht. Der Fall wurde allgemein bekannt. Die Eltern in den USA waren entsetzt.

Aber welchen Beweis hatte Harry Anslinger? Es stellt sich heraus, dass er zu dieser Zeit an die 30 führende Wissenschaftler zu diesem Thema anschrieb, indem er fragte, ob Cannabis gefährlich sei und ob es verboten werden sollte.

29 schrieben zurück und sagten „nein“.

Anslinger griff den einzigen heraus, der „ja“ sagte und präsentierte ihn der Welt. Die Presse – die von Victor Licatas Axt besessen war – feuerte sie an.

In einer Panik, die von Amerika Besitz ergriff, wurde Marihuana verboten. Die USA sagten zu anderen Ländern, dass sie dasselbe tun müssten. Viele Länder sagten, dass es eine dumme Idee sei und weigerten sich, es zu tun. Zum Beispiel entschied Mexiko, dass ihre Drogenpolitik von Ärzten geleitet werden sollte.

Ihr medizinischer Rat war, dass Cannabis diese Probleme nicht auslöste und sie weigerten sich, es zu verbieten. Die USA tobten. Anslinger wies sie an, dass sie der vorgegebenen Linie Folge zu leisten hätten. Die Mexikaner hielten zunächst durch – bis die USA letztendlich den Nachschub aller legalen Schmerzmittel nach Mexiko unterbrachen. Die Leute begannen in ihren Krankenhäusern qualvoll zu sterben. Und so entließ Mexiko mit Bedauern seine Ärzte – und startete seinen eigenen Drogenkrieg.

Aber zuhause wurden Fragen gestellt. Ein führender amerikanischer Arzt namens Michael Ball schrieb verwirrt an Harry Anslinger. Er erklärte, er hätte als Medizinstudent Cannabis benutzt, und es hätte ihn nur schläfrig gemacht. Vielleicht treibt Cannabis eine kleine Anzahl von Leuten in den Wahnsinn, sagte er – aber wir müssen einige wissenschaftliche Studien finanzieren, um es herauszufinden.

Anslinger schrieb standhaft zurück: „Das Marihuana-Übel kann nicht länger aufgeschoben werden“, erklärte er, und er würde keine unabhängige Wissenschaft finanzieren. Weder jetzt noch zu einem anderen Zeitpunkt.

Jahrelang kamen Ärzte auf ihn mit Beweisen zu, dass er falsch lag, und er begann sie anzublaffen, indem er zu ihnen sagte, sie würden „ein gefährliches Terrain betreten“ und sie sollten ihre Zunge im Zaum halten.

Heute lebt der größte Teil der Welt immer noch unter dem Cannabis-Verbot, das Harry Anslinger im Zuge der landesweiten Panik eingführt hat, die Victor Licatas Blutrausch gefolgt ist.

Aber die Sache hat einen Haken. Jahre später schaute sich jemand die psychiatrischen Akten von Victor Licata an.

Es stellte sich heraus, dass es keine Beweis dafür gibt, dass er je Cannabis genommen hatte.

Es gab in seiner Familie eine Menge Geisteskrankheiten. Es wurde ihnen ein Jahr vorher gesagt, dass er in eine Anstalt eingewiesen werden müsse – aber sie weigerten sich. Seine Psychiater erwähnten in Zusammenhang mit ihm nie Marihuana.

Also macht Cannabis die Leute verrückt?

Der frühere Chefberater in Drogenangelegenheiten der britischen Regierung, David Nutt, erklärt – wenn Cannabis auf direktem Weg Psychosen verursachen würde, dann würde es sich leicht feststellen lassen.

Wenn der Cannabis-Konsum steigt, würden auch Psychosen zunehmen. Und wenn der Cannabis-Gebrauch sinkt, dann würden Psychosen abnehmen.

Ist das also passiert? Wir haben eine Menge Daten aus vielen Ländern. Und es zeigt sich, dass das nicht der Fall ist. Zum Beispiel hat in Großbritannien der Cannabis-Gebrauch seit den 1960ern um den Faktor 40 zugenommen. Und die Psychose-Raten? Sie sind stabil geblieben.

Tatsächlich legt der wissenschaftliche Beweis nahe, dass Cannabis sicherer als Alkohol ist. Alkohol tötet jedes Jahr 40.000 Menschen in den USA. Cannabis bringt niemanden um – obwohl Willie Nelson sagt, dass einer seiner Freunde starb, als ein Cannabis-Bündel auf seinen Kopf fiel.

Darum forderte 2006 ein junger Mann in Colorado namens Mason Tvert den damaligen Bürgermeister von Denver und späteren Gouverneur, John Hickenlooper, heraus. Hickenlooper besaß eine Kleinbrauerei mit Schenke, die im ganzen Staat Alkohol verkaufte, und sie machte ihn reich. Aber er sagte, Cannabis sei gefährlich und müsse verboten werden. Und so forderte Mason ihn heraus – zu einem Duell. „Du bringst einen Kasten Bier mit. Ich bringe eine Packung Joints mit. Für jedes Bier, das Du trinkst, rauche ich einen Joint. Wir werden sehen, wer zuerst stirbt.“

Es war das ultimative High Noon

Mason machte sich daran, in seinem Staat eine Kampagne zur Legalisierung von Cannabis zu führen. Seine Mitbürger stimmten mit 55% dafür. Nun können Erwachsene in zugelassenen Geschäften legal Cannabis kaufen, wo sie besteuert werden – und das Geld wird dafür benutzt, um Schulen zu bauen. Nach eineinhalb Jahren, seitdem sein System umgesetzt wurde, stieg die Zustimmung für die Legalisierung auf 69%. Und sogar Gouverneur Hickenlooper hat damit begonnen, es als „gesunden Menschenverstand“ zu bezeichnen.

Oh – und Colorado war bis jetzt nicht voll von Leuten, die ihre Familien totschlagen.

Ist es nicht an der Zeit, dass wir auf die Wissenschaft hören – und endlich Victor Licatas Axt beiseite legen?

Über den Autor

Johann Hari ist ein britischer Journalist und Autor. Dieser Artikel ist adaptiert von seinem New York Times-Bestseller Chasing The Scream: The First and Last Days of the War on Drugs. Klicken Sie hier, um herauszufinden, warum Glenn Greenwald, Noam Chomsky, Bill Maher, Naomi Klein und Elton John es gelobt haben.

Übersetzt aus dem Englischen von AnonHQ.com


Ihr wollt uns unterstützen? Dann klickt einfach HIER

Loading...

13 Comments

  1. 14.10.1916

    „Das amerikanische Landwirtschaftsministerium veröffentlicht ein Bulletin über „Hanfwerg als Material zur Papierherstellung“ zuhanden von „Personen, die an einer ökonomischen Papierherstellung interessiert sind, besonders print and book manufactures“. Im Bulletin (Nr. 404) wird unter anderem festgehalten, dass dank moderner Fasergewinnungstechnik aus einem Hektar Hanf dieselbe Papiermenge hergestellt werden kann, wie aus 4.1 Hektar Wald (und das – im Gegensatz zur Holzbewirtschaftung – erst noch Jahr für Jahr).

    Rückblickend darf vermutet werden, dass dieses Bulletin einer der Hauptgründe war, dass sich ein finanzstarkes Trio, bestehend aus Randolph Hearst, der Firma „Du Pont“, sowie Andrew Mellon für das Kraut zu interessieren begannen und wenige Jahre später einen gewaltigen und schonungslosen Feldzug gegen Hanf führten.

    Hearst war Eigentümer der damals grössten „Paper Manufacturing Company“, Wald- und Papierfabrikenbesitzer, sowie Zeitungsmagnat. Der Chemieriese Du Pont wird nicht nur im Textilfaserbereich vom Hanf konkurrenziert, sondern ist auch Lieferant der Sulfide für die Papierherstellung aus Holz (und steht somit in florierender Geschäftsbeziehung zu Hearst) Der Bankier Mellon, zweitreichster Mann der USA, Finanzminister und Hauptfinancier der Firma Du Pont ist nebenbei auch noch Onkel der Ehefrau eines gewissen Harry Anslinger…
    Bei genauerer Betrachtung der Entstehung des weltweiten Cannabis-Verbots ist deutlich erkennbar, daß die USA eine wichtige, wenn nicht entscheidende Rolle bei der Durchsetzung und Umsetzung spielten. Zwar sorgten die Anträge von Ägypten und der Türkei dafür, daß Cannabis 1925 auf der dritten Opiumkonferrenz in Genf unter Drogenkontrolle gestellt wurde [1], jedoch war es vor allem das treibende Engagement des „US-Federal bureau of narcotics and dangerous drugs“ (FBNDD), daß das weltweite Ansehen von Cannabis über seine Kampagnen und Gesetze bis in die Gremien der Vereinten Nationen prägte. Dabei ging es bei dem Verbot von Cannabis nicht lediglich um eine Droge, auch wirtschaftliche Interessen, Rassismus und persönlicher Ehrgeiz spielten eine wichtige Rolle. Denn daß es sich bei Cannabis ursprünglich auch unter anderem um eine wirtschaftlich bedeutsame Nutzpflanze handelt, welche u.a. der aufstrebenden
    Kunstfaserindustrie Anfang des Jahrhunderts als Konkurrentin im Wege stand, wird häufig übersehen, bzw. bewußt ignoriert. „

    • @ Edit……Perfekt aufgelistet ! Danke.
      Du Pont hat in den 30 jahren das Polyamid NYLON erfunden und das ist einer der Hauptgründe warum Cannabis/Maryhuana „vom Acker verschwinden musste“….
      Nicht Medizinische Überlegungen waren das Hauptargument sondern >>>>>>>>>>>>>>>Die WIRTSCHAFTLICHKEIT<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    • Das wäre ja ein Hammer, wenn tatsächlich die ganze Zeit lang Wälder dran glauben mussten, obwohl man nur hätte Hanf anzupflanzen brauchen…das ist ein Skandal noch und nöcher….

  2. Ich find´s eine Frechheit als Raucher bezeichnet zu werden.
    meine persönliche Meinung ist,das Raucher unwertes Leben sind-und ich bin Christiane Rieckmann,die die nicht raucht, nicht trinkt,keine Schmerztabletten nimmt,und gegen Milch und Brot ist.
    Ich werde jetzt Hanf anbauen,Papier draus machen und es verkaufen.
    Und mich höllisch darüber echauffieren,dass ich als Arschloch sprich Raucher tituliert werde, und ich will 800 Euro auf mein Konto für versuchten Rufmord und Verleudmung.
    Ich bin in der tollen Lage sogar beweisen zu können-ich rauche nicht.
    Ich kann es nicht. Ich bin allergisch und meine Hustenanfälle beim Grillen und im Internetcafe sind legendär.
    Ich kann nur aus dem Grund keine Hollywoodschauspielerin werden,da ich
    keine Zigarette rauchen kann – huste sofort und falle blau um.
    Alles nette Versuche….schade ,das für uns Frauen die Verschleierung nicht eingeführt wurde, hätte gern mit meinen Freundinnen einige unerkannt verhauen, um dann unerkannt schnell wieder zum Stricken nach Hause zu gehen……man hätte so einiges still und effizient erledigen können ….aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt…

    Christiane Rieckmann

    Christiane Rieckmann

  3. Leider etwas einseitig dargestellt. Leider können viele Menschen die Dosis nicht sinnvoll kontrollieren, wie auch bei allen anderen Genussmitteln. Die Dosis macht das Gift. Sinnvollerweise sollten wir als Kind lernen zu dosieren. Bzw. resilient zu werden.

  4. Nur weil ein typ unter wirkung von Gras seine Famielie umgebracht hat heist es ja ned das es daran lag dass er bekifft wahr der hatte einfach gewaltig ein schuss und wahr geistlich nich zurechnungsfähig (nicht wegen Gras) ich rauche auch und muss sagen es zerstört dein kurz und langzeitgedächniss. Aber es schadet nicht im gegenteil seit 5 Jahren wahr ich nocht mehr krank woran ligts ich rauch seit 5 jahren regelmäsig

  5. Es ist eine Lüge das Kranke Hanf wollen und es auch brauchen.
    Ich war so krebskrank ich konnte nicht mal eine Marlboro rauchen ohne einen schlimmen Hustenanfall zu bekommen.
    Hanf hätte mir da auch nichts genutzt und geholfen. Alles Alles Lüge !!!!!!!!
    Wenn Menschen einen Joint rauchen sterbe ich immer noch vor Husten !!!!!

    Alles alles nur JeanshosenausHanfsollenverhindertwerden Kampagnen !!!

    Rieckmann

    • Bitte verlassen Sie diese Diskussion. Offensichtlich verstehen sie nicht worum es geht und wie es sich um das gesamte Thema verhält. Cannabis KANN Krebskranken helfen. Wenn sie sich ordentlich informiert hätten, bevor man es einfach pauschal verteufelt und es mit Tabak () vergleicht, dann würde man wissen das man auch Öl, Kapseln oder anderes einnehmen kann.
      Cannabis Rauchen ist eine Gute und schnell wirkende Möglichkeit für Leute mit Tourette, Spasmen oder Parkinson. Desweiteren hat das US-Gesundheitsministerium ebenfalls bereits zu gegeben das Cannabis Krebszellen zerstört. Und wenn sie nur den Großen Medien glauben, ich schätze sie nämlich so ein, dann können sie das auch gerne beim Spiegel oder Focus nachlesen.

  6. Ich bin überzeugt, dass dieses Zeug bei meiner Tochter die Psychose ausgelöst hat. Es wirkt ja auch nicht bei jedem gleich. Es hat ihr Leben zerstört und ich hoffe, dass es nicht legalisiert wird, sondern strengstens verboten wird, damit sich nicht noch mehr Menschen zerstören

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

Die Neuesten von Gesundheit

Gehe zu Top