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Atombombe

Die USA haben letzten Monat 2 Dummy-Atombomben in Nevada hochgehen lassen

in Geopolitik
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Mit Größenwahnsinnigen kann man nicht verhandeln. In diese Richtung bewegen sich die Vereinigten Staaten und beharren auf ihrem Standpunkt im Sand mitten im Nirgendwo in Nevada, während sie zwei Dummy-Atombomben in der Wüste testen.

Berichten zufolge wurden die beiden Atombomben „Anfang des Monats“ von genau den U.S. B-2-Bombern abgeworfen, die in Richtung Südchinesisches Meer abgeflogen sind. Wenn das kein Wink mit dem Zaunpfahl ist – was ist es dann sonst?

Die Nationale Verwaltung für nukleare Sicherheit der Vereinigten Staaten (NNSA, National Nuclear Security Administration) hat am 6. Oktober diese jämmerliche Entschuldigung für die Übung in der Wüste von Nevada veröffentlicht:

„Das hauptsächliche Ziel der Flugtests ist die Gewinnung von Daten zur Verlässlichkeit, Genauigkeit und Leistung unter operational repräsentativen Bedingungen. Solche Tests sind Teil des Qualifizierungsprozesses der aktuellen Programme für Veränderungen und für die Erhöhung der Nutzungsdauer von Waffensystemen. Forscher und Ingenieure am NNSA verwenden Daten aus diesen Tests in Computersimulationen, die von Sandia National Laboratories entwickelt wurden, um die Verlässlichkeit der Waffensysteme zu evaluieren und um zu verifizieren, dass sie wie geplant funktionieren.“

Sie haben in ihrer Pressemitteilung weiterhin dargestellt, inwiefern die Demonstration zur B61-Atombombe ein „kritisches Element der US-amerikanischen nuklearen Triade und der erweiterten Abschreckungskampagne“. So lautet die Erklärung des Brigadegenerals Michael Lutton. Allerdings hat er nicht erklärt, wer genau damit abgeschreckt werden soll.

So viel zum Thema Abrüstungsprogramme und dass die Vereinigten Staaten Geld für die zugesagten Zwecke verwenden wollen… Können sie sich wirklich jetzt noch als Friedenswächter bezeichnen?

Obwohl man darüber streiten kann, dass Russland sich in den letzten beiden Wochen keinen Deut besser verhalten hat, erinnere ich mich nicht daran, dass die Rede davon war, dass sie Dummy-Nuklearwaffen in Sibirien testen. Die Vereinigten Staaten sind einen Schritt weitergegangen – sie haben als Erste gehandelt.

Ich könnte mich täuschen, aber wenn Russland das getan hätte, dann würde die NATO nicht bloß die Grenzen des weitläufigen Landes verstärken – außer, wenn sich die Tests ein Zeichen in Richtung von Kims Nordkorea gewesen wären… aber das ist sehr unwahrscheinlich.

Während die NATO also die Ostflanke von Polen – und andere Staaten – mit weiteren Truppen und westlichen Zielen unterstützt, hat Russland seine eigenen Kräfte in einem Außenposten in Kaliningrad stationiert. Der Angriffsradius beträgt 500-700 Kilometer, damit bleiben Tür und Tor für einen Angriff auf Berlin weit offen. Aber an dieser Stelle ist es wichtig, zwei Dinge anzumerken:

Russland hat genau dasselbe im Jahr 2015 schon einmal getan – aber zur Fortbildung seiner Streitkräfte. Daraufhin ist nichts vorgefallen, außer… nun, militärisches Training auf Russlands eigenem Boden. Als ich mich das letzte Mal dazu schlau gemacht habe, war das noch kein Verbrechen.

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Es ist an dieser Stelle ebenfalls wichtig anzumerken, dass diese russische Truppenbewegung am 9. Oktober durchgeführt wurde – drei Tage NACHDEM die Vereinigten Staaten die Tests in der Wüste von Nevada durchgeführt haben. Könnte es also sein, dass Russland den US-Angriffen zuvorkommen will und nicht andersherum? Könnte da tatsächlich ein Körnchen Wahrheit in der Paranoia schlummern? Oder ist es nur Paranoia?

Was ich damit sagen will, ist Folgendes… Dass es unerlässlich und überaus wichtig ist, die Fakten gegeneinander aufzuwiegen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Die Ankündigung von letzter Woche von den Vereinigten Staaten, dass ein WK III „unausweichlich“ sein könnte – die erfolgte, kurz nachdem sie ihre Atomtests wiederaufgenommen hatten – sollten wir in den nächsten Monaten stets im Gedächtnis behalten. Die Veröffentlichung dieses PR-Albtraums ähnelt einer Pandora, die sich weigert, in ihre Büchse zurückzukehren. War das Absicht? Natürlich war es das und die Unternehmensmedien haben sich daran festgesaugt wie ein Baby an einem Schnuller. Die Frage lautet: Warum?

Es ist an dieser Stelle ebenfalls sehr wichtig, auf die Kommentare von Frankreichs Präsident Hollande über Russland neulich hinzuweisen. Darin sagt er, dass Russland keine Bedrohung ist, sondern – wie der Guardian berichtete – von den Franzosen als Partner gesehen werden.

Russland „war immer offen für den Dialog [mit der NATO]“, sagt Putins Sprecher Dimitry Peskov. „Russland ist nicht auf der Suche [nach einem Feind], aber es nimmt wahr, wie genau das passiert“, fügte Peskov hinzu. „Wenn die NATO-Soldaten entlang unserer Grenze marschieren und NATO-Jets vorbeifliegen, dann sind nicht wir diejenigen, die näher an die NATO-Grenze heranrücken.“

Ein berechtigtes Argument, Peskov. Ein berechtigtes Argument.

Der Kalte Krieg ist unglücklicherweise aufgetaut. Er hat unglücklicherweise jetzt auch China erfasst. Es ist bekannt, dass China und Russland Verbündete sind. Ökonomisch gesehen kann der Westen China nicht übertreffen. Die Militärmacht wird ebenfalls versagen. Das ist kein Krieg, den die Vereinigten Staaten gewinnen können.

Napoleon Bonaparte, dem es nicht gelungen war, eine erfolgreiche Invasion Russlands anzuleiten, sagte einmal – vielleicht als er in Richtung China geblickt hat: „Lasst China schlafen, denn wenn der Drache erwacht, dann wird die Welt aus den Fugen geraten.“

Ich frage mich, was er wohl denken würde, wenn er wüsste, dass diese beiden gewaltigen Nationen sich jetzt verbündet haben?

Es ist an der Zeit, dass alle Nationen eine Lehre aus der Geschichte ziehen und verstehen, dass es in einer Krise wie dieser einfach keinen Gewinner geben kann.

 

Übersetzt aus dem Englischen von AnonHQ.com.

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Atomare Aufrüstung in Deutschland – Ist es wieder soweit?

in Politik/Welt
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In letzter Zeit driftet die veröffentlichte Meinung immer mehr in den Tenor ab, dass sich Ost und West wieder auf einen neuen Kalten Krieg zubewegen. Manche bezeichnen die aktuelle Lage bereits als diesen. Andere, wie beispielsweise der NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg, verneinen dies. Offene oder schwelende Konflikte wie Syrien und die Ukraine werden als Stellvertreterkriege bezeichnet. Russland stockt seine Interkontinentalraketen auf. Die NATO bereitet sich auf einen Krieg im Baltikum vor. Das typische Zeigen mit dem Finger auf den anderen hat wieder begonnen. So behauptet jede Seite, dass die andere offensiv handelt, man selbst aber stets nur defensiv und reaktiv. (…) Man rufe sich an dieser Stelle die Weisung Gustav Heinemanns ins Gedächtnis: “Wer mit dem Zeigefinger auf andere Leute zeigt, sollte nie vergessen, dass drei Finger seiner Hand auf ihn selbst zeigen”. Wenn aber schon die politische (und vor allem militärische!) Führungsschicht keinen kühlen Kopf bewahren kann, so sollte dies doch in jedem Fall die Bevölkerung versuchen.

Sonderlich beruhigend wirkt da die Meldung, dass nun auch in Deutschland Atomwaffen aufgerüstet bzw. “erneuert” werden sollen, nicht. Als Begründung wird wie schon im Kalten Krieg die Gegenseite ins Feld geführt. So absurd kann das Verweisen auf “die Anderen” sein:

Bekanntlich ist Reden ja Silber und Handeln Gold. Warum warnt Herr Dr. Schäfer im Hinblick auf die militärische und auch atomare Aufrüstung Russlands dann davor, in eine beschleunigte Eskalationsspirale einzutreten, befürwortet auf der anderen Seite aber die Aufstockung und Modernisierung der Atomwaffen in Deutschland? Bezeichnet das russische Verhalten als politisch, das eigene als technisch? Letztlich bewirkte ja eben diese Praxis das stetig wachsende Aufrüsten und Verhärten der Fronten im Kalten Krieg.

Die Atomwaffen, von denen die Rede ist, lagern momentan im Fliegerhorst Büchel, Rheinland-Pfalz. Bisher waren dort etwa 20 Atombomben vom Typ B-61 gelagert worden. Dabei ist die Sprengkraft jeder einzelnen so hoch wie die von etwa 13 Hiroshima Bomben. Im Rahmen der “Nuklearen Teilhabe” sollen deutsche Tornado-Piloten im Ernstfall diese Atomsprengkörper in vorgegebene Ziele befördern. Dies wird bisher mit Attrappen geübt. Allerdings scheint dies in Widerspruch mit dem deutschen Atomwaffensperrvertrag und der Dienstanweisung für deutsche Soldaten zu stehen, in denen festgeschrieben ist, dass jene nicht mit atomaren Waffen zu agieren haben.

Bereits 2009 hielten CDU und FDP im Koalitionsvertrag fest, dass die Atomwaffen aus Deutschland abgezogen werden sollten. Allerdings scheint sich dieses Versprechen, wie in der Politik so oft, in Luft aufgelöst zu haben. So stellte Merkel erst kürzlich klar, dass sie gegen eine atomare Abrüstung Deutschlands sei.

Meine Haltung im Koalitionsvertrag 2009 war immer schon so, dass wir aufpassen müssen, was an Folgewirkungen ist. Denn wir müssen gucken, wenn an anderer Stelle dann Atomwaffen stationiert werden und in Deutschland keine mehr sind – muss man sich fragen: Ist dann eigentlich der Balance und der Sicherheit mehr gedient?

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Das Novum, dass zuletzt medial für Furore sorgte ist, dass die bereits vorhandenen B-61 Bomben um eine verbesserte Variante aufgestockt werden sollen – die B-61-12. Wesentlicher Unterschied ist, dass diese über eine wesentlich genauere Zielerfassung verfügen sollen , wodurch man sie sie nun präzise ins Ziel lenken könne. Militärisch gesehen wird so die Grenze zwischen taktischen und strategischen Atomwaffen verwischt. Gerade dies beinhaltet in Anbetracht mit der sich zuspitzenden Beziehung zu Russland reichlich außenpolitischen Zündstoff. Fraglich bleibt, inwiefern auf eine verdeckte atomare Aufrüstung in Deutschland seitens Russlands reagiert werden könnte. Die Befürchtung liegt nahe, dass ein erneutes atomares Aufrüsten, ganz im Stile des “ersten” kalten Kriegs provoziert werden kann.

b-61-12


Doch was kann man als Individuum in den aktuellen Geschehnissen, einer erneuten Zeit des “Säbelrasselns”, unternehmen? In einer Zeit, in der das Farbspektrum der Medien und Politiker sich auf Schwarz und Weiß begrenzt? In einer Zeit, in der wirtschaftlicher Egoismus und Neoliberalismus als alternativlos kommuniziert werden? In einer Zeit, in der Zweifel und Kritik an der veröffentlichten Meinung wieder drohen, als unpatriotisch, opportunistisch oder feige bezeichnet zu werden? Nichts? Weit gefehlt.

Informiert euch tiefgreifend und breitgefächert. Ein medienkritisches Bewusstsein zeichnet sich nicht dadurch aus, dass man nur die Nachrichten konsumiert und zitiert, die die eigene Meinung wiederspiegeln. Das ist eher das Gegenteil. Medienkritik bedeutet, möglichst viele Perspektiven und Meinungen  zu sichten, reflektieren und daraufhin selbst zu urteilen. Hinterfragt – nicht nur nach dem Grundsatz “Cui bono” (Wem nützt es?), sondern auch nach “Wem nützt es nichts?”, oder “Was verfolgt der Autor?”. Vertauscht die Perspektiven und Rollen – projeziert die Geschehnisse im Nahen Osten auf Europa oder die USA. Versucht, die “andere Seite” zu verstehen. Befasst euch nicht nur mit gemäßigter, sondern auch mit linker und rechter Presse. Beschränkt euch nicht auf Deutschland, sondern erforscht, wie über Themen wie  Ukraine, Syrien oder TTIP und TiSA in den USA, Russland, China oder gar in Indien, der Schweiz oder Afrika berichtet wird.

Und nachdem ihr euch einen breiten Überblick verschafft habt, tretet in Dialoge, Diskussionen – Redet! Streitet! Startet Unterhaltungen im Kreis der Kollegen, Mitschüler, Nachbarn oder Freunde. Legt eure Meinungen dar, lasst euch die Meinungen der anderen darlegen. Informiert und ergänzt euch gegenseitig. Bleibt sachlich und respektvoll.

Zeigt auch Präsenz auf der Straße – macht von eurem Demonstrationsrecht Gebrauch und verschafft euch durch gewaltlose und objektive (!) Kundgebungen Gehör. Zieht die Aufmerksamkeit der Politiker und der Öffentlichkeit auf Themen, die eurer Meinung nach zu wenig Berücksichtigung erfahren. Lasst euch dabei aber nicht durch euer Bauchgefühl leiten, sondern durch reflektierte Fakten. Hütet euch vor Fremdenfeindlichkeit. Xenophobe und rechtslastige Bewegungen wie Pegida sind nicht die Lösung, sondern nur Indiz für eine fehlgeschlagene Informationsgesellschaft, die die Schuld lieber im Fremden, statt bei sich selbst sucht. Bedenkt: Die Freiheit des Einzelnen hört dort auf, wo die des Anderen beginnt!

Haltet euch immer vor Augen – zum Triumph des Bösen genügt es, dass das Gute schweigt und untätig bleibt. Fördert das politische Bewusstsein eures Umfeldes – stellt klar, dass Gewalt nie eine Lösung ist – Appelliert an Vernunft und Gewaltlosigkeit. Denn am Ende des Tages spielt es keine Rolle, welcher Nationalität, Religion, Hautfarbe, Weltanschauung oder sozialer Herkunft wir sind – wir alle sind nur Gäste dieser Erde. Und nach einem globalen atomaren Konflikt spielt es keine Rolle mehr, wer zuerst den Knopf gedrückt hat, wer offensiv, wer defensiv war, wer die besseren Ansichten hatte – was bleibt ist die Zerstörung und Unbewohnbarkeit unseres Planeten. Wir alle haben eine Verantwortung – fangen wir an, politisch mündig zu werden und Politik, Wirtschaft und dem Militär zu signalisieren, dass diese Welt von Konsenz, nicht von Konkurrenz geprägt sein soll – durch das Miteinander, nicht Gegeneinander.


Feature Image (C) John D. Clare – “OK Mr. President, Let’s Talk”

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