Die weltweit größte muslimische Gruppe widersetzt sich seit 90 Jahren dem radikalen Islamismus

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(ANTIMEDIA) Obwohl sich mehr als eine Milliarde Menschen weltweit zum islamischen Glauben bekennen, fordern die Amerikaner jedes Mal eine eindeutige Entschuldigung und Verurteilung von allen Angehörigen der Religion, wenn ein einzelner Moslem einen gewalttätigen und aufmerksamkeitsträchtigen Angriff auf den Westen durchführt. Es kümmert sie jedoch natürlich nicht, dass Nicht-Weiße bei genau den selben terrorristischen Metzeleien in weit entfernten Ländern umkommen.

Wieder und wieder verurteilen islamische Gruppen weltweit terroristische Anschläge und wiederholen gebetsmühlenartig, dass gewalttätige Radikale nicht wahrhaftig der Religion angehören. Trotzdem scheint das für die Fox-News-Hörigen niemals genug zu sein, die oftmals fälschlicherweise behaupten, dass die Moslems schweigen, weil sie unzivilisierte und gewalttätige Wilde sind. Sie bestehen darauf, dass ‘gute’ Moslems mehr tun müssen, um den Extremismus zu bekämpfen.

Diese Art de Rhetorik ist jedoch zunehmend und auffallend falsch. Eines der schlagkräftigsten Argumente gegen diese Mentalität kommt aus Indonesien, wo die größte unabhändige islamische Organisation der Welt die Taten des radikalen Islamismus nicht nur verurteilt, sondern auch eine großangelegte, weltweite Initiative gestartet hat, um der Ideologie etwas entgegenzusetzen, die diese hervorbringt.

Nahdlatul Ulama, oder NU, wurde 1926 gegründet und hat stolze 50 Millionen Mitglieder. Wie die Huffington Post erklärte, ist die Organisation “teils sunnitisches religiöses Institut, teils politische Partei und teils Wohltätigkeitsorganisation.” NU sagt, ihr Ziel bestünde darin, “die Nachricht eines toleranten Islam in den entsprechenden Ländern zu verbreiten, um dem Radikalismus, dem Extremismus und dem Terrorismus  Einhalt zu gebieten”, die der Organisation zufolge “oftmals aus einer Fehlinterpretation der islamischen Lehre hervorgehen.” Zu diesem Zweck initiierte die Gruppe letztes Jahr eine globale Anti-Extremismus-Kampagne.

Im Dezember 2014 begann NU mit dem Bau eines Zentrums in Winston-Salem, North Carolina, das als Stützpunkt für das internationale Projekt dienen sollte. NU plant ebenfalls “eine internationale Konferenz und ein kulturelles Event in Washington, D.C.”, das laut des NU-Generalsekretärs Yahya Cholil Staquf im Frühling 2016 stattfinden soll.

Weiterhin kollaborierte NU mit der Universität Wien, um das Vienna Observatory for Applied Research on Radicalism and Extremism (VORTEX) (Wiener Zentrum für angewandte Forschung zu Radikalismus und Extremismus, Anm. d. ÜS) zu gründen. Staquf sagt, es sei das Ziel dieses Projektes, “Gegenerzählungen wider radikale Ideen zu produzieren und sie global zu propagieren”. NU arbeitet ebenfalls an Initiativen mit der schwedischen und der britischen Regierung.

NU verurteilte die Angriffe auf Paris letzen Monat scharf und nahm nur Wochen danach am jährlichen Forum der International Conference of Islamic Scholars (Internationale Konferenz der Islamwissenschaftler, Anm. d. ÜS) teil, das die “Wichtigkeit der Bekanntmachtung eines friedlichen Islam zur Bekämpfung des weltweiten Radikalismus” thematisierte.

Die Gruppe glaubt ebenfalls daran, dass ihre Bemühungen “gleichermaßen den lokalen Radikalen” in Indonesien gelten sollten.

Indonesien beherberg eine der liberalsten muslimischen Bevölkerungen weltweit und seine Verfassung ermöglicht Religionsfreiheit. Obwohl die Regierung nur sechs Religionen anerkennt (und/oder Konfessionen) – Islam, Protestantismus, Hinduismus, Konfuzianismus, Katholizismus und Buddhismus – leben die religiösen Minderheiten allgemein harmonisch mit einander.

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Nichtsdestotrotz besteht die Bevölkerung Indonesiens zu 88% aus Muslimen – und konfessionsgebundene Konflikte halten sich hartnäckig.

Die Zahl der Terrorangriffe in Indonesien hat in den letzten Jahren zugenommen und viele Gruppen setzen sich zur Bekämpfung des Problems in Bewegung. Die führende geistliche Institution des Landes, der indonesische Ulema-Konzil, der Gruppen wie NU mit einschließt, hat vor Kurzem eine Initiative lanciert, um “50.000 Prediger zu mobilisieren, die den moderaten, oder ‘Wasathiyah’-Islam innerhalb von Indonesien verbreiten sollen.” Er hat ebenfalls ein Trainingszentrum im Land eröffnet, um arabischsprechenden Studenten beizubringen, was sie extremistischer Rheotrik und Ideologie entgegensetzen können.

Innenpolitisch und global verfolgt NU eine proaktive Herangehensweise, um der starken Vermehrung des islamischen Extremismus Einhalt zu gebieten. Am wichtigsten für ihre Ziele ist jedoch die Verurteilung des Wahhabismus; eine islamische Sekte, deren Wurzeln sich in Saudi-Arabien befinden. Wie NU stammt der Wahhabismus von der sunnitischen Glaubensrichtung des Islam, aber ihre Vorgehensweisen könnten nicht unterschiedlicher sein. So fasste die Huffington Post zusammen:

“Der Wahhabismus ist die ultra-konservative Reformbewegung aus Saudi-Arabien, die für puritanische Gesetze aus den Zeiten der Usprungs des Islam eintritt. Er lehtn die moderne Bedeutung von ‘Religion als eine rein private Angelegenheit‘ und die Trennung von Kirche und Staat ab. Der Islamische Staat fühlt sich den wahhabistischen Prinzipien äußerst verpflichtet, verwendet deren religiöse Lehrbücher und bezieht die kompromisslose Tradition der Tötung Ungläubiger mit ein.”

Aufgrund des Wahhabismus ist Saudi-Arabien direkt mit dem Islamischen Staat verbunden, obwohl es den Vereinigten Staaten nicht gelang, diese Beziehung aufzuzeigen, geschweige denn die vielen Verstöße gegen die Menschenrechte, die der monarchische Verbündete verübt. In der Tat wusste NU von den Gefahren des Wahhabismus, als die Organisation gegründet wurde – mit der unmittelbaren Absicht, die Ideologie mit Verbindung nach Saudi-Arabien zu bekämpfen.

Im Angesicht diese Fakten scheint die westliche Antwort auf den radikalen Islam beklagenswert unzulänglich. Während NU offensichtlich die Wurzel des weltweit radikalsten islamischen Glaubensrichtung bekämpfen will, stellen sich die Vereinigten Staaten und ihre westlichen Verbündeten hinter den Versorger und Ideengeber für den IS. Hochrangige Beamte haben dargelegt, dass das US-amerikanische Militär direkt zum Aufstieg der Terrorgruppe beteiligt war – aber alldieweil verurteilen die westlichen Bevölkerungen die Muslime dafür, ‘nicht genug’ zu tun, um diese Ideologie zu bekämpfen.

Die Aktionen der NU geraten in direkten Konflikt mit dieser wiederholt widerlegten Auffassung. A. Mustofa Bisri, der geistige Anführer der Organisation, sagte:

“Die Verbreitung oberflächlicher Kenntnisse des Islam lässt die Situation bedrohlich werden, da lautstarke Elemente innerhalb der muslemischen Bevölkerung insgesamt – Extremistengruppen – ihr harsches und oft grausames Verhalten dadurch rechtfertigen, dass sie behaupten, in Übereinstimmung mit den Befehlen Gottes zu handeln, obwohl sie einem schwerwiegenden Irrtum unterliegen.”

“Gemäß der sunnitischen Sicht des Islam”, fügte er hinzu, “sollte jeder Aspekt und jeder Ausdruck der Religion von Liebe und Mitgefühl inspiriert sein und die Perfektion der menschlichen Natur fördern.”

Übersetzt aus dem Englischen von theAntiMedia.org.

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2 Comments

  1. Nach Wikipedia hat diese gute Organisation aber nur eine geschätzte Mitgliedschaft von über 30 Millionen Menschen. Zu wenig um etwas auszurichten.

  2. Moderater Islam in Indonesien? Da habe ich vor Ort aber anderes erlebt. Da werden Frauen ausgepeitscht öffentlich und es herrscht auch dort die Meinung der Islam müsse in der Welt verbreitet werden. Notfalls durch Gewalt. Also macht das Grüppchen von 30 Millionen auch wohl nur einen Furz.

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