Investigativ & Unabhängig – Mit der Kraft des Internets

Ergreifende Fotos enthüllen, wie es in einem legalen Bordell in Bangladesch zugeht

in Menschenrechte

Die meisten Frauen, die Sexarbeiterinnen werden, kommen aus armen Familien oder sind, wie in manchen Fällen, Opfer illegalen Menschenhandels. An einem durchschnittlichen Tag verdient eine Arbeiterin zwischen 11 und 19 US-Dollar [ca. 10 bis 17 Euro].

Warnung: Die folgende Geschichte enthält ungeschönte Bilder, die für manche Leser bestürzend sein könnten.

Quelle: Sandra Hoyn

Es ist eines der ältesten Gewerbe der Welt. Und obwohl es in vielen Gesellschaften verpönt ist, seinen Körper zu verkaufen, wird es in Teilen von Bangladesch – einem der wenigen muslimischen Länder, in denen Prostitution weiterhin erlaubt ist – immer noch als Beruf betrachtet.

Im Bezirk Tangail ist das Bordell Kandapara zu finden, das älteste und zweitgrößte Bordell des Landes, wie The Independent berichtet. Das Areal und sein Zweck existieren bereits seit 200 Jahren. Jedoch wurde das Bordell Kandapara 2014 zerstört. Daher wussten viele Frauen nicht, wo sie hingehen sollten. Und so wurde es mithilfe örtlicher Nichtregierungsorganisationen wieder aufgebaut.

Kürzlich reiste die Fotojournalistin Sandra Hoyn ins „Bordellviertel“ und dokumentierte, wie es ist, innerhalb des von Mauern umgegebenen Bezirks zu leben. In den engen Straßen sind Imbissstände, Teestuben und Straßenverkäufer zu finden und die Stadt soll über ihre eigenen Regeln und Machthierarchien verfügen, die sich stark von der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden. Ein Beispiel, das Hoyn anführte, besteht darin, dass die Frauen sowohl schwach als auch mächtig sind.

Mädchen, die üblicherweise im Alter von 12 bis 14 damit anfangen, dem Gewerbe nachzugehen, werden als „gebunden“ bezeichnet. Die Frauen, die im legalen Gewerbe arbeiten, kommen oft aus armen Familien und sind manchmal Opfer von illegalem Menschenhandel. Sie haben keine Freiheiten oder Rechte – sie gehören einer „Madam“ [Zuhälterin]. Für (im Durchschnitt) mindestens die ersten fünf Jahre, ist es einem gebundenen Mädchen nicht erlaubt, nach draußen zu gehen und es erhält kein Geld für seine Arbeit. Wenn es seine Schulden bezahlt hat, kann es eine unabhängige Sexarbeiterin werden. Ab diesem Moment ist es ihr gestattet, Kunden abzuweisen und ihr eigenes Geld zu behalten. Weil die Frauen außerhalb des Bordellbezirks sozial stigmatisiert sind, entscheiden sich viele dazu, dort zu bleiben und ihre Familien, mit dem was sie verdienen, aus der Ferne zu unterstützen.

Hoyn erzählte NextShark:

Am Anfang war es schwierig, Zugang zu den Frauen und Kunden zu bekommen. Manche Kunden wollten nicht auf den Fotos sein, insbesondere diejenigen aus einer reichen Familie. Aber andere Kunden haben sich daraus überhaupt nichts gemacht. Manche sagten mir, dass sie im Bordell „ihr Gemüt erfrischen“ wollen, und dass daran nichts Falsches wäre – warum also sollten sie sich verstecken?

Manche Mädchen verstecken ihr Gesicht und wollten ihre Geschichte nicht erzählen; andere waren sehr offen und wollten alles über ihr Leben erzählen“, fügte sie hinzu.

Quelle: Sandra Hoyn

Der Preis für die Dienstleistung hängt sowohl vom Alter und der Schönheit jeden Mädchens ab als auch auch von der Qualität der Zimmer. Eine Sexarbeiterin im Kandapara kann täglich zwischen 1.000 und 2.000 Taka [10 bis 17 Euro] verdienen, was etwa 300 Taka [knapp 3 Euro] pro Kunde entspricht.

Die meisten Frauen träumen davon, im Bordell genug Geld zu verdienen, um sich davon draußen ihr eigenes Haus kaufen zu können, wenn sie alt sind, und sie wollen nicht von Männern abhängig sein. Sie wollen genug Geld verdienen, um ihren Kindern mindestens eine gute Schulausbildung zu ermöglichen. Sie wollen, dass sie eine bessere Zukunft haben, als sie selbst, erklärte Hoyn.

Viele Frauen haben ihre eigenen „Lebensgefährten“, oder regelmäßige Kunden, die sie bezahlen. Ich kenne eine Frau, die die Heiratsanträge ihres treusten Kundes abgelehnt hat, weil sie kein Vertrauen hatte, dass er sie ihr Geld behalten lassen würde. Sie wollte lieber ihre Unabhängigkeit als Sexarbeiterin behalten.

Kunden versammeln sich innerhalb des Bordells. Quelle: Sandra Hoyn

„Das Bordell ist wie ein eigener Mikrokosmos, es ist eine Stadt innerhalb einer Stadt.“

Meghla (23) mit einem Kunden im Kandapara-Bordell in Tangail. Sie begann für eine Bekleidungsfabrik zu arbeiten, als sie 12 Jahre alt war. Dort traf sie einen Mann, der ihr einen besseren Job mit mehr Geld versprach. Er verkaufte sie an ein Bordell. Quelle: Sandra Hoyn

„Offiziell müssen [Sexarbeiterinnen] 18 Jahre alt sein, aber die meisten von ihnen sind minderjährig.“

Asma (14) mit einem Kunden. Sie wurde im Kandapara-Bordell in Tangail geboren. Quelle: Sandra Hoyn

Sumaiya wird von Titu ins Gesicht geschlagen. Sie streiten oft miteinander, weil Titu sie heiraten will, aber sie weigert sich. Sie befürchtet, dass er ihr nach der Heirat ihr ganzes Geld wegnehmen wird. Er ist eifersüchtig, weil sie mit vielen seiner Freunde Sex hat. Sumiya ist eifersüchtig, weil er Sex mit anderen Sexarbeiterinnen im Bordell hat. Quelle: Sandra Hoyn

„Manche von ihnen nehmen Steroide wie Oradexon, eine Droge, die von Bauern dazu benutzt wird, um Vieh zu mästen, damit es älter und gesünder aussieht.“

Asma hörte mit dem Besuch der Schule auf, als sie die Schüler hänselten, weil ihre Mutter als eine Sexarbeiterin im Bordell arbeitete. Sie fing im Alter von 14 Jahren als Sexarbeiterin an. Davor tanzte sie vor Kunden. Quelle: Sandra Hoyn

„Die verletzlichste Phase ist, wenn eine junge Sexarbeiterin am Anfang als ein gebundenes Mädchen ins Bordell kommt, normalerweise zwischen 12 und 14 Jahren.“

Ein Kunde versucht, Priya (19) auf die Wange zu küssen. Sie fing mit 17 an, im Kandapara-Bordell zu arbeiten. Quelle: Sandra Hoyn

Pakhi (15) mit einem Kunden in ihrem Zimmer im Kandapara-Bordell. Sie lebt im Bordell seit sie 14 ist. Sie wurde mit 12 verheiratet und lief kurz danach weg. Ein Mann brachte sie von der Straße weg und verkaufte sie an ein Bordell. Quelle: Sandra Hoyn

„Die meisten von ihnen haben traurige Erlebnisse – aber sie sind wirklich stark, zumindest nach außen. Ich bewundere, dass sie unter diesen Umständen ihr Leben bewältigen und nicht aufgeben.“

Kajol mit ihrem sechs Monate alten Baby Mehedi und einem Kunden auf ihrem Bett. Sie glaubt, dass sie 17 ist, aber sie kennt ihr genaues Alter nicht. Sie wurde im Alter von 9 Jahren verheiratet. Ihre Tante verkaufte sie an das Kandapara-Bordell. Zwei Wochen nach der Geburt wurde sie dazu gezwungen, wieder mit Kunden Sex zu haben. Wegen des Babys läuft ihr Geschäft nicht so gut. Quelle: Sandra Hoyn

Sumiya (17) mit ihrem Freund und regelmäßigen Kunden Titu (23) im Kandapara-Bordell in Tangail. Er ist aus Dhaka und besucht sie jeden Monat eine Woche lang. Quelle: Sandra Hoyn

„Sie sind nicht nur Überlebende oder Opfer, sie kämpfen um ihr Leben und genießen es auf ihre eigene Weise.“

Bonna (27), eine Sexarbeiterin im Kandapara-Bordell lacht, während sie ein Kondom in ihrer Hand hält. Als sie 7 Jahre alt war, wurde sie von ihrem Stiefvater vergewaltigt. Sie lief mit 10 von zuhause weg und ein Mann brachte sie von der Straße weg und verkaufte sie an ein Bordell. Sie hat zwei regelmäßige Kunden. Durchschnittlich verdient sie 1.500 Taka [17 Euro] pro Tag. Quelle: Sandra Hoyn

Papia (18) mit zwei Kunden auf dem Bett im Kandapara-Bordell. Ihre Eltern starben, als sie noch ein Kind war, und sie wurde jung verheiratet. Sie und ihr Mann begannen Heroin zu nehmen, bis sie ins Gefängnis kam. Sie sagt, das Gefängis sei der beste Ort gewesen, wo sie je war, weil sie dort niemand geschlagen hat. Im Gefängnis lernte sie eine Frau kennen, die sie später in das Bordell brachte. Quelle: Sandra Hoyn

„Wenn die Frauen frei haben, tanzen und lachen sie zusammen.“

Priya (19), wird von einen Freund geärgert, den sie zu schlagen versucht, aber nicht ernsthaft. Quelle: Sandra Hoyn

„Sie machen zusammen Späße und veralbern die Kunden.“

Benutzte Kondome außerhalb des Kandapara-Bordells in Tangail. Quelle: Sandra Hoyn

„Die Mädchen sind sehr lebhaft und lebensfroh. Sie vergessen oft ihre Traurigkeit. Sie haben immer noch ihre Träume.“

Dipa (26) weint. Sie ist im sechsten Monat schwanger von einem Kunden im Kandapara-Bordell in Tangail. Quelle: Sandra Hoyn

Was denkt Ihr darüber? Bitte kommentiert weiter unten und teilte diese Bilderserie!

Verweise:

Übersetzt aus dem Englischen von http://anonhq.com/spine-tingling-photos-reveal-life-like-legal-bangladeshi-brothel-read-httpwww-trueactivist-comspine-tingling-photos-reveal-life-like-legal-bangladeshi-brothel/

2 Comments

  1. Finde es mal eine etwas andere Sichtweise. Was mich traurig stimmt ist das sogar die Kinder von kleinauf alles erleben und es ja fast schon normal für sie.
    Viele der „Frauen“ sind ja selber noch Kinder.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

Die Neuesten von Menschenrechte

Gehe zu Top