Der große von Menschenhand geschaffene Fluss Gaddafis: Was ist damit passiert?

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Oberst Gaddafi, ein Mann mit vielen Visionen, träumte davon, Libyen mit reichlich frischem Wasser zu versorgen, und er wollte, dass sein Heimatland eine stolze und freie Nation wird. 1953 führte die Suche nach schwarzem Gold in den riesigen Wüsten, die im südlichen Teil Libyens liegen, zur Entdeckung von Öl und fossilem Wasser. Die vierfach abgelagerten Wasserschichten, die in den 50er Jahren entdeckt wurden, hatten einen prognostizierten Umfang zwischen 4.500 bis 20.000 Kubikkilometern. Die Mehrheit dieses Wasservorrats sammelte sich vor ca. 15.000 bis 25.000 Jahren an, während man davon ausgeht, dass einige Wasserreservoirs nur wenige tausend Jahre alt sind.

Nach einem Machtkampf zwischen Gaddafi und Muhammad Idris bin Muhammad al-Mahdi as-Senussi, dem König von Libyen, kamen Gaddafi und seine Armee 1969 durch einen Putsch gegen Muhammad Idris an die Macht. Die neue Regierung, auch Libysch-Arabische Volks-Dschamahirija genannt, verstaatlichte die Ölfirmen und investierte einen Großteil der Ölprofite in die Leitung des Trinkwassers aus den Untergrund-Wasservorräten nach oben, indem er in ganz Libyen eine große Zahl an Brunnen bohren ließ. In der südlichen Region Libyens wurden große Farmen geschaffen, um Männer und Frauen dazu zu motivieren, in die Wüste umzusiedeln und an solchen Orten Landwirtschaft zu betreiben. Jedoch zogen es viele Leute in Libyen vor, in den nördlichen und an der Küste gelegenen Orten des Landes zu leben, weil es dort eine beständige und reichliche Wasserversorgung gibt.

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Bildquelle: Wikipedia – Schematische Zeichnung des Projekts. Man beachte, dass verschiedene Routen für die noch nicht implementierten Phasen vorgeschlagen wurden (gestrichelt). Tobruk kann zum Beispiel letzten Endes mit dem Brunnenfeld von Ajdabiya anstatt Jaghoub verbunden sein.

Dieser Fehlschlag veranlasste Gaddafis Regierung dazu, einen neuen Plan zu ersinnen: das Wasser zu den Leuten zu bringen. Die Jamahiriya-Regierung erstellte 1974 die vorläufigen Machbarkeitsgutachten. 1983 kam das Great-Man-Made-River-Projekt ins Rollen. Das Projekt, ein von der Jamahiriya-Regierung finanziertes Unternehmen sollte in fünf Schritten entwickelt werden. Alle fünf Stufen waren für sich alleine genommen völlig unterschiedliche Projekte, jedoch würden sie sich ineinander integrieren lassen, wenn der Bedarf dazu besteht.

Da Wasser im neu gebildeten Libyen als ein Menschenrecht für seine Bevölkerung betrachtet wurde, musste Gaddafi dies verwirklichen, um sein Volk zufriedenzustellen.

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Bildquelle: Wikipedia – Falschfarbenbild des Grand-Omar-Mukhtar-Reservoir-Projekts südlich von Benghazi. Wasser (dunkelblau) ist zweimal auf dem Foto vorhanden, in der oberen rechten Ecke und unten. Vegetation erscheint rot, städtische Strukturen so wie Gehwege und Gebäude erscheinen grau, blanker Boden erscheint hellbraun oder beige.

Zusätzlich bemerkte Gaddafi am Eröffnungstag der zweiten Phase des Man-Made-River-Projekts, dass dieses Projekt die großartigste Antwort auf die USA und all jene sind, die Libyen mit den Terroristen, oder irgendwelchen Aktivität in dieser Richtung in Verbindung bringen. Dieses Projekt sollte ein gutes Licht auf Libyen werfen, weil es dabei nur um Frieden und Fortschritt geht.

Die Einmischung der NATO

2011 attackierte die NATO Libyen, und während dieser Zeit wurde auch die dritte Phase des Projekts abgeschlossen.

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Bildquelle: Amusing Planet – Einige US-Bürger protestieren gegen die Einmischung ihres Landes in Libyen

Jedoch wurde die erste Phase offiziell Ende 1991 begonnen, wodurch täglich über eine Million Kubikmeter frisches Wasser durch die Pipeline flossen, die sich von Sirte nach Benghazi über 1.000 Kilometer erstreckt. Die zweite Phase lieferte eine Million Kubikmeter nach Tripolis. Und die dritte Phase besteht schließlich in der organisierten Entwicklung der Einrichtung der ersten Phase und beliefert Tobruk und andere Städte in Küstennähe mit neuem Wasser aus dem Untergrund.

Das Netztwerk aus Betonrohren, von denen jede einen Durchmesser von 4 Metern hat, erstreckt sich über 3.500 Kilometer. Diese Rohre sind in der Wildnis der Wüste versteckt, um eine Verdunstung des Wassers zu verhindern. Es gibt über 1.000 Brunnen, unzählige Abschnitte von Betonrohren und 250 Millionen Kubikmeter Baugruben. Alles, was für das Projekt benötigt wird, wurde in Libyen hergestellt; nichts wurde importiert.

great-man-made-river-164Bildquelle: Amusing Planet – Ein Bild zeigt eine große Tafel, die auf eine der vielen Pipelines zur Wasserversorgung quer durch Libyen hinweist.

Weiterhin erforderten die letzten zwei Stufen des menschengemachten Flusses die gemeinsame Ausdehnung des Versorgungssystems – was, wenn dies einmal erreicht ist, über 100.000 Hektar Fläche bewässern wird. Oder, wie Gaddafi beschrieb, das Unternehmen würde das Land so grün wie die Flagge der Libysch-Arabischen Volks-Dschamahirija machen.

Der Great Man-Made River erlangte internationale Anerkennung, die zur Akzeptanz der UNESCO von Libyens Angebot führte, den Great Man-Made River International Water Prize zu stiften, eine Auszeichnung, die herausragende wissenschaftliche Studien über Wasserverbrauch an wasserlosen Orten fördert.

Außerdem wurden aufgrund seiner internationalen Anerkennung viele Menschen aus anderen Nationen für viele Jahre in Libyen beschäftigt. Aber infolge des Beginns der “humanitären” Bombardierung Libyens durch die NATO im Sommer 2011 wurden dadurch eine große Anzahl ausländischer Arbeiter dazu veranlasst, das Land zu verlassen.

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Bildquelle: Amusing Planet – Eine lange Reihe von Schwerlastern, die Betonrohre durch die Wüste transportieren.

Im Juli 2011 bombardierte die NATO nicht nur das Wassersystem und die Pipelines des Great Man-Made River in der Nähe von Brega, sondern machten zusätzlich die Fabrik dem Erdboden gleich, die die Betonrohre herstellte, die als Ersatzteile für Reparaturen benutzt wurde. Sie rechtfertigten ihre Aktionen durch die Behauptung, dass die Pipeline-Fabrik als Lagerhalle für das Militär benutzt worden sei.

Außerdem sagten sie auch, dass diese Pipeline-Fabrik als Startrampe für Raketen benutzt wurde. Als die NATO-Streitkräfte diese Pipeline-Fabrik bombardierten, wurden fünf Sicherheitsbeamte eliminiert, die zusammen mit dem Wasserversorgungssystem der allgemeinen Öffentlichkeit Wasser für den persönlichen Bedarf und die Landwirtschaft bereit stellten – wodurch Libyens lebenswichtige Infrastruktur schwer getroffen wurde.

Die Entwicklung der letzten zwei Stufen des Flussprojekts sollte innerhalb der nächsten 20 Jahre beendet werden, aber dank des “humanitären” NATO-Krieges gegen Libyen ist die Zukunft des Projekts in großer Gefahr.

Der Kampf um Wasser

Sauberes, sprudelndes Wasser – ganz so, wie das Wasser, das den Libyern durch den Great Man-Made River zugänglich gemacht wurde – ist nicht nur eine lebenswichtige Quelle für Menschen, sondern alles Lebendige. Ohne Trinkwasser können wir einfach nicht auskommen.

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Bildquelle: Amusing Planet – Eine andere Ansicht der Schwerlaster, die Betonrohre durch die Wüste transportieren.

Derzeit haben mehr als 39% der Menschheit sehr wenig oder gar keinen Zugang zu sicherem, gesundem und sauberem Wasser – eine Zahl, die wahrscheinlich innerhalb weniger Jahre die 50-Prozent-Marke überschreitet. Und laut des Entwicklungsprogramms der UNO steigt der Wasserverbrauch kontinuierlich an, während sich gleichzeitig die Mehrheit der großen Wüsten der Welt immer mehr ausdehnen, und der Umfang intakten Farmlandes schrumpft.

Doch das ist noch nicht alles, was die “humanitären” NATO-Bombardements des Great Man-Made River Projekts betrifft. 2007 erwähnte das UNO-Umweltprogramm, dass es allen Ernstes das Wasser als Einnahmequelle betrachte und die Wasserversorgung privatisieren will. Und andererseits entwickelte die Weltbank eine Strategie zur Trinkwasserprivatisierung.

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Bildquelle: Amusing Planet – Ein Bild aus dem Inneren der Betonrohr, das ihren Durchmesser zeigt.

“Die Kriege des 21. Jahrhunderts werden um Wasser geführt”, sagt Ismail Serageldin, der Gründungsdirektor von Bibliotheca Alexandrina und früherer Direktor der Weltbank.

In die Tat umgesetzt bedeutet dies, dass sowohl die Weltbank als auch die UNO an den Wasserquellen  festhalten wollen, was es ihnen erlaubt, sie als Machtinstrument einzusetzen. Und wenn sie einmal diese Mittel kontrollieren, werden sie zu finanziellen Vermögenswerten, nur um sie mit einem Preisschild versehen zurück an die “freien” Länder zu verkaufen. Und natürlich werden die Preise für das frei erhältliche Produkt steigen, indem der Bedarf zunimmt und die Wasservorräte verknappen.

Jedoch kann das, was im Sommer 2011 mit dem Great Man-Made River passiert ist, am besten anhand der dialektischen Methode erklärt werden (um zu verstehen, wie das “Problem”, die “Reaktion” darauf, und die “Lösung” miteinander zusammenhängen). Wenn Sie gerne mehr über die dialektische Methode lesen möchten, klicken Sie bitte hier.

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Bildquelle: Amusing Planet – Ein Bild, das den Vorgang zeigt, wie der Graben für den Great Man-Made River ausgehoben wird.

Im Falle Libyens schuf die Bombardierung des Wasserversorgungssystems ein “Problem”. Als Folge davon wurde eine “Reaktion” in Form einer sofort überhandnehmenden Not ausgelöst. Mehr als 60% der Bevölkerung des Landes sind abhängig von der Wasserversorgung durch den Great Man-Made River, über 50% Libyens hatten kein fließendes Wasser. Letztendlich wurde eine etablierte “Lösung” erzwungen – indem die Menschen der kriegsgebeutelten Nation von einer einzigen Wasserquelle abhängig sind – und als Folge davon, die Menschen an ihre neue “demokratische” Regierung gebunden wurden.

Quellen: Amusing Technology, Water Technology, United Nations, Al-Jazeera, Citizen, Seragaldin, Amusing Planet, Human Rights Investigation, Britannica, BBC, PERC, MEED, Wikipedia

Übersetzt aus dem Englischen von AnonHQ.com

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3 Comments

  1. Es ist so demprimierend. Ich wünsche mir, dass die Strukturen der Verbrecher in Washington D.C. zusammenbrechen und der US-Dollar seine Funktion als Leitwährung vollständig einbüßt. Das Staatsgebiet der USA ist groß genug für alle US-Soldaten und alle US-Geheimdienste.

    Krebsgeschwulst Umverteilungsbürokratie: Der Sozialstaat frisst seine Kinder
    http://www.dzig.de/Krebsgeschwulst-Umverteilungsbuerokratie-Der-Sozialstaat-frisst-seine-Kinder

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