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Fotograf beweist durch umwerfende Fotos, dass das Ende der Privatsphäre gekommen ist

in Onlinewelt

Privatsphäre ist was für Pädos. Google weiß, wonach du suchst. Facebook weiß, was dir gefällt. Die CIA weiß, wie sie dein TV/Smartphone benutzt, um dich auszuspionieren. Deine Kommunikation wird rund um die Uhr überwacht. Und du denkst immer noch, dass du Privatsphäre hast? Dann schau dir diese Fotos an…

Wie anonym bist du? Privatsphäre ist für Pädos. Google weiß, wonach du suchst. Facebook weiß, was dir gefällt. Die CIA weiß, wie sie dein TV/Smartphone benutzt, um dich auszuspionieren. Deine Kommunikation wird rund um die Uhr überwacht. Du wirst rund um die Uhr manipuliert. Du wirst rund um die aufgespürt. Um den britischen Autor Alex Preston zu zitieren: „Wir sind am Ende der Privatsphäre angelangt.“ Oder, um den früheren Boulevard-Journalisten Paul McMullan zu zitieren: „Privatsphäre ist was für Pädos.“

Wenn du immer noch denkst, dass du Privatsphäre hast, wird dich der 21-jährige russische Fotograf Jegor Zwetkow vom Gegenteil überzeugen.

Bei einem zum Nachdenken anregenden sozialen Experiment für sein Kunstprojekt mit dem Titel Your Face Is Big Data [dt. etwa: Dein Gesicht ist eine große Datenmenge], das letztes Jahr durchgeführt wurde, verbrachte Zwetkow sechs Wochen damit, Fotos von 100 Fremden in der St. Petersburger U-Bahn zu machen, bevor er mihilfe von FindFace (einer Gesichtserkennungs-App) ihre Profile unter den 55 Millionen Nutzern auf VKontakte (der größten russischen Internetseite für soziale Netzwerke) aufspürte.

Laut Russia Beyond the Headlines war Zwetkow in der Lage, ungefähr 70% der Passanten, die er fotografiert hatte, ohne ihr Wissen zu identifizieren:

Die Idee für dieses Projekt kam mir, als ich zum ersten Mal von der App FindFace gehört habe. Ich dachte sofort daran, dass ich den Leuten vermitteln wollte, wie diese Sache funktioniert. Die Leute haben überhaupt nicht reagiert, obwohl ich ganz offensichtlich dabei war, sie zu fotografieren. Mein Projekt ist eine deutliche Veranschaulichung dessen, was uns in Zukunft erwartet, wenn wir weiter im Internet so viel über uns preisgeben, wie es derzeit der Fall ist.

Zwetkow erzählte The Guardian, dass das Projekt darauf abzielen soll, sowohl das Ende der Privatsphäre unter Beweis zu stellen als auch den Unterschied des Aussehens einer Person im wahren Leben und dem Bild zu betonen, das sie im Internet zu sein vorgeben:

Niemand bemerkte, dass ich sie fotografierte, aber ich benutzte eine einfache Kamera und ich versuchte nicht, sie zu verstecken. Ein Mädchen, das Teil des Projekts war, schrieb mir nach der Veröffentlichung eine SMS und sagte, es sei ein schlechtes Gefühl gewesen, als sie sich selbst sah, aber sie habe vollstes Verständnis für meine Idee.

Zwetkows Kunstprojekt enthüllte nicht nur, wieviele Informationen Fremde über uns mithilfe von Gesichtserkennungs-Software zusammentragen können, sondern es enthüllte auch, wie wir unsere wahre Identität in Gefahr bringen, indem wir im Internet unsere Anonymität aufgeben:

Die Leute sind an unterschiedliche Verhaltensmuster in der Gesellschaft bzw. in sozialen Netzwerken gewohnt, und erlauben Fremden zu sehen, was ihrer Meinung nach die besten, erfolgreichsten Momente ihres Lebens sind. Solcher digitaler Narzissmus ist das Produkt einer Kultur freier Entfaltung, die die Grenzen zwischen Privatem und Öffentlichem in unserer Zeit definiert.

Laut Stanislaw Koslowski, einem Assistenzprofessor an der Staatlichen Universität Moskau, ist der Unterschied zwischen den beiden Bildern nicht überraschend:

In einem sozialen Netzwerk tendieren die Leute dazu, sich so zu präsentieren, wie sie gerne in den Augen von anderen Leuten wahrgenommen werden wollen, und was oft von dem abweicht, wie sie wirklich im alltäglichen Leben aussehen, wie zum Beispiel in der Metro oder auf ihrem Weg zur Arbeit. Aus einer psychologischen Perspektive betrachtet, ist dies ziemlich verständlich.

Während der Unterschied zwischen der realen und der digitalen Identität nicht so schockierend sein mag, ist das, was jedoch wirklich schockierend ist, die Tatsache, das Zwetkow durch zufällig entstandene Fotos an öffentlichen Plätzen mühelos zeigen konnte, wie leicht es ist, vollkommen fremde Personen zu identifizieren und aufzuspüren.

Ich lernte eine Menge über das Leben einer Person ohne direkten Kontakt. Ich fühlte mich dabei etwas unwohl. Ich fotografierte Leute, die direkt vor mir in der U-Bahn saßen und suchte sie dann in sozialen Netzwerken durch die Verwendung quelloffener Software. Ich fühlte mich unheimlich, denn wenn man eine Menge über private Informationen einer Person erfährt, wie Familie, Arbeit oder Haustiere, dann betrachtet man sie mit anderen Augen.

Zwetkows soziales Experiment erinnert uns auf schmerzliche Weise daran, dass es in der modernen Welt keine Privatsphäre mehr gibt. Christopher Weatherhead, ein Techniker für Privacy International, sagte zu The Telegraph:

Dieses Experiment unterstreicht, wie weit die Vorstellung von Einzelpersonen, dass sie persönliche Informationen und Bilder nur mit Freunden, der Familie und Kollegen teilen, von der Wirklichkeit entfernt ist, in der solche Informationen praktisch öffentlich sind. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir die Kontrolle über die Information behalten sollten, die wir ins Netz stellen.

Jemanden mithilfe von Gesichtserkennungstechnologie zu identifizieren, ist nicht länger nur ein Privileg von Geheimdiensten und Polizeibehörden – jeder kann sich wie ein Internet-Stalker benehmen. Zu den potenziellen Schattenseiten der Technologie wurden – abgesehen von denjenigen Dingen, die die Privatsphäre betreffen – auch rassistische Vorurteile gezählt.

Beth Givens, verantwortliche Direktorin von Privacy Rights Clearinghouse, sagte zu PC World: „Das Festhalten von Gesichtsmerkmalen kann für diejenigen Personen, deren Gesichter eingefangen werden, vollkommen unaufdringlich erfolgen. Es gibt keine Möglichkeit, wie sie davon Kenntnis erlangen können, dass es geschehen ist.“

Verweise:

Übersetzt aus dem Englischen von http://anonhq.com/photographer-proves-end-of-privacy-is-here-through-photos-that-will-blow-your-mind/


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