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Afghanistan

Bericht: Der globale Krieg gegen den Terror hat über 4 Millionen Moslems getötet

in Menschenrechte/Politik
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Washington, DC —Eine Studie, die letztes Jahr veröffentlicht wurde, enthüllte die schockierende Zahl der Todesopfer, die der “Krieg gegen den Terror” der Vereinigten Staaten seit den Anschlägen vom 11. September gefordert hat, aber die Dunkelziffer könnte sogar noch höher sein.

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TAL AFAR, IRAK – 18. Januar 2015: Irakische Kinder weinen, nachdem ihre Eltern getötet wurden, als US-Soldaten aus dem 1. Bataillon, 5. Infanterie Stryker Brigade-Einsatztruppe der 25. Infanterie-Division aus Fort Lewis, Washington, Schüsse auf ihr Auto abgefeuert hatte. Dieses hatte nicht angehalten und war auf die Soldaten trotz deren Warnschüsse zugefahren. Der Vorfall ereignete sich während einer Patrouille in der Dämmerung des 18. Januar 2015 in Tal Afar, Irak. Mit dem Auto fuhr eine irakische Familie; Mutter und Vater wurden getötet. Laut der US-Armee überlebten sechs Kinder in dem Auto, eines davon mit einer nicht lebensbedrohlichen Fleischwunde. Das US-Militär kündigte an, es werde den Zwischenfall untersuchen. (Foto von Chris Hondros/Getty Images)

Die Studie wurde im März 2015 von ‘Ärzte für Soziale Verantwortung’ (PSR, Physicians for Social Responsibility) veröffentlicht. Sie wurde von einem Team durchgeführt, das unter anderem aus Nobelpreisträgern besteht. In der Studie wird festgestellt, dass mindestens 1,3 Millionen Menschen aufgrund der Kriege seit dem 11. September 2001 umgekommen sind, aber die Dunkelziffer könnte sich auf rund zwei Millionen belaufen. Die Studie stellt den Versuch dar, in der bisherigen Forschung die “Lücken zu füllen”, die unter anderem Studien wie den Iraq Body Count (etwa: Anzahl der Todesopfer in Irak) umfasst, in der die Anzahl der gewaltsamen Todesfälle in diesem Land bei ungefähr 219.000 seit 2003 liegt. Diese Zahl basiert auf Mediengerichten aus dem entsprechenden Zeitraum.

Der Enthüllungsjournalist Nafeez Ahmed schrieb darüber im April 2015 für Middle East Eye und erklärte, warum die vorherigen Zahlen an einigen Stellen laut der Untersuchungen der Ärzte zu niedrig angesetzt sind:

“Ein Beispiel: Obwohl 40.000 Leichname in Najaf seit Beginn des Krieges begraben wurden, zählte IBC [Iraq Body Count] nur 1.354 Todesfälle in Najaf für denselben Zeitraum. Dieses Beispiel zeigt, wie groß die Kluft zwischen der Zahl von IBC und der tatsächlichen Zahl der Todesfälle ist in diesem Fall unterscheiden sich die Zahlen um das mehr als Dreißigfache.

Solche Lücken ziehen sich durch die gesamte IBC-Datenbank. In einem anderen Fall verzeichnete IBC nur drei Luftangriffe während eines Zeitraums im Jahr 2005, wohingegen sich die tatsächliche Zahl der Luftangriffe von 25 auf 120 in diesem Jahr erhöht hatte. Wieder sind die Zahlen unterschiedlich – in diesem Fall sind sie in Wirklichkeit sogar vierzigmal so hoch.”

Die Ärzte hinter dieser Studie lobten auch einen kontroversen Bericht des medizinischen Journals The Lancet, in dem die angegebene Anzahl der Todesopfer weitaus höher war als die des Iraq Body Count; sie lag bei nahezu einer Million Toten. Zusätzlich zu den Opfern des Irak-Kriegs zählte die PSR-Studie auch zusätzliche Opfer aus anderen Ländern hinzu, in denen die Vereinigten Staaten Krieg geführt haben:

“Die PSR-Studie verzeichnet mindestens 220.000 zusätzliche Tote in Afghanistan und 80.000 in Pakistan, die in direkter oder indirekter Konsequenz eines US-geführten Krieges ihr Leben lassen mussten: die ‘vorsichtige’ Hochrechnung beläuft sich auf 1,3 Millionen. Die Dunkelziffer könnte aber ohne Weiteres ‘mehr als 2 Millionen’ lauten.”

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Ein US-Soldat erschießt 16 Zivilisten in Afghanistan.

Trotzdem könnten diese Zahlen für die echte Anzahl der Todesopfer immer noch zu niedrig angesetzt sein, sagt Ahmed. Diese Studien beziehen sich nur auf die Opfer gewalttätiger Auseinandersetzungen, aber nicht auf all diejenigen, die in Folge der Schäden sterben, die der Krieg der lebenswichtigen Infrastruktur zufügt, etwa Straßen, Bauernhöfen oder Krankenhäusern – und nicht zu vergessen die verheerenden Sanktionen, wie solche, die dem Irak nach dem ersten Golfkrieg 1991 auferlegt wurden. Er fügt hinzu:

“Unumstrittene UN-Zahlen zeigen, dass 1,7 Millionen irakische Zivilisten aufgrund der harten Sanktionsregelungen des Westens. Rund die Hälfte davon waren Kinder.

Das Massensterben war anscheinend beabsichtigt. Zu den Gegenständen, die aufgrund der UN-Sanktionen verboten wurden, gehörten Chemikalien und Ausrüstung, die für das irakische nationale Wasseraufbereitungssystem von essenzieller Bedeutung sind. Professor Thomas Nagy von der School of Business an der George Washington University fand ein geheimes Dokument der US Defence Intelligence Agency (DIA – US-Verteidigungsnachrichtendienst), das laut seiner Aussage ‘einer frühen Blaupause für den Genozid am irakischen Volk’ gleichkam.”

Er berichtet, dass ähnliche Kennziffern für Afghanistan die Gesamtzahl auf vier Millionen oder sogar mehr ansteigen lassen könnten.

Wie Ahmed in seinem Artikel betont, sind die meisten Todesopfer und Leidtragende in diesen Kriegen statistisch gesehen Moslems – ein deutlicher Gegensatz zur allgemeinen Annahme, dass die radikalen muslimischen Terroristen die tödlichste Kraft im Mittleren Osten sind. Es scheint vielmehr, dass die schlimmsten Mörder zum amerikanischen Militär gehören und dass die Zahl der Opfer einem religiösen Genozid gleichkommt. Im Jahr 2009 schrieb Stephen M. Walt, ein Professor für Internationale Beziehungen in Harvard, in der Zeitschrift Foreign Policy:

“Wie viele Moslems haben die Vereinigten Staaten in den letzten dreißig Jahren getötet – und wie viele Amerikaner wurden von Moslems getötet? Eine exakte Antwort auf diese Frage zu geben ist vermutlich unmöglich, aber das ist auch nicht nötig, weil allein schon die ungefähren Zahlen ein eindeutiges Ungleichgewicht bezeugen.”

Oder, wie Ben Affleck bei Bill Maher letztes Jahr witzelte: “Wir haben eine Unmenge mehr Moslems getötet als die uns getötet haben.”

Von MintPress News Desk. Übersetzt aus dem Englischen von AnonHQ.com.

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Afghanistan vor dem Krieg

in Welt
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Diese Bilder nahm Professor Podlich von der Arizona State University im Jahr 1967 während er auf einer zweijährigen Reise mit der UNESCO in Afghanistan auf. Er unterrichtete dort auf dem Higher Teachers College in Kabul. Er besuchte Afghanistan mit seiner Frau und seinen beiden jugendlichen Töchtern Peg und Jan. Die Familie teilt nur zu gerne ihre Fotos und Eindrücke mit der Welt, um zu zeigen, wie das Land vor den furchtbaren Kriegen aussah.

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Über ihren Vater Dr. William Podlich (Zweiter von rechts) sagt Peg Podlich: “Er hat immer gesagt, weil er im Zweiten Weltkrieg gedient hat… wollte er den Interessen des Friendens dienen. 1967 wurde er von der UNESCO als Experte für Pädagogik und Erziehung für zwei Jahre in Kabul engagiert… Er interessierte sich sehr für Sozialkunde und Gesellschaft. Während seines Erwachsenenlebens machte er zeitlebens viele Bilder, wann immer er herumreiste [in Arizona, nach Mexiko und an andere Orte]. In Afghanistan schoss er farbige Halbrahmen-Dias [mit einer Kodakchrome] und ich glaube, er verwendete eine kleine Olympus-Kamera.

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“Ich bin in Tempe, Arizona aufgewachsen. Als meinem Vater meiner jüngeren Schwester Jan und mir die Möglichkeit anbot, mit ihm und unserer Mutter nach Afghanistan zu gehen, begeisterte mich diese Aussicht”, sagt Peg Podlich (rechts im Bild). “Ich würde mein letztes Jahr auf der High School in einem exotischen Land verbringen, nicht im normalen Tempe… Natürlich gab es jede Menge kulturelle Unterschiede zwischen Arizona und Afghanistan, aber ich machte sehr interessante und unterhaltsame Erfahrungen. Die Menschen erschienen stets freundlich und hilfsbereit. Ich bin nie in echte Schwierigkeiten geraten oder habe etwas abbekommen, obwohl ich ein ziemlich ahnungsloser Teenager war! Damals war alles viel freundlicher.”

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Peg Podlich (mit Sonnenbrille) während einer Busreise mit der Familie von Kabul nach Peshawar in Pakistan.

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Auf diesem Bild ist Jan Podlich während eines Einkaufsbummels nach Istalif zu sehen, ein Dorf, das ungefähr 30 Kilometer nordwestlich von Kabul liegt. “Wir sind in Kabul an einem sonnigen Morgen im Juni angekommen… Wir trafen uns mit meinem Vater, der uns durch den Zoll schleuste. Wir gelangten in einem UN-‘Kombi’ (eine Art Oldschool-SUV) nach Kabul. Ich war müde, aber ich kann mich noch daran erinnern, wie begeistert ich vom Anblick der bunten (dunkelblauen, grünen und kastanienbraunen) Geister war, die neben der Straße entlangschwebten. Mein Vater erklärte mir, dass unter diesen Chadris Frauen waren und dass einige Frauen sie in der Öffentlichkeit tragen mussten. Wir nannten diese Kleider niemals Burkas.”

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Afghanische Männer überblicken das Dorf Istalif, das sich etwa 30 Kilometer nordwestlich von Kabul befindet.

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Jan Podlich (links) und Peg Podlich in den Gärten von Paghman in Kabul. Damals eine blühende Oase, heute jedoch existieren die Gärten nicht mehr.

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Afghanische Schulmädchen kehren nach dem Unterricht nach Hause zurück – etwas, das die Taliban rund 30 Jahre später verbieten werden. “Afghanische Mädchen und Jungen wurden bis auf High-School-Niveau unterrichtet und obwohl Mädchen [und Jungen] Uniformen trugen, durften die Mädchen bis zur Sekundarstufe kein Chadri (Burka) tragen”, sagt Peg Podlich. “Fähige junge Frauen gingen aufs College, genau wie die Männer.”

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Junge afghanische Schüler tanzen auf dem Spielplatz einer Schule. Sie werden dabei von einem Lehrer und einem Schüler auf Instrumenten begleitet.

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Männer und Jungen schwimmen und waschen sich im Fluss von Kabul.

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Afghanische Studenten lernen Chemie in einem Klassenzimmer mit Lehmwänden.

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“Während des Jahres, das ich in Kabul verbracht habe, lebte meine Familie in einem Haus nahe Shar-e Naw, oben an der Straße des Shar-e- Naw-Parks”, sagt Peg Podlich. “Meine Eltern hatten in den 1940er Jahren in Denver, Colorado gelebt. meine Mutter sagte immer, dass Kabul sie an Denver erinnerte: ungefähr eine Meile hoch, oft sonnig, mit wunderschönen Bergen in der Ferne. Ich dachte, es wäre irgendwie wie Arizona – wegen der ausgetrockneten Landschaft und dem fehlenden Regen. Da ich [in Arizona] geboren wurde, fiel es mir leicht, die schlichte Schönheit der Landschaft dort in Afghanistan wertzuschätzen.”

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Die Shah-Do Shamshira-Moschee in der Nähe des Flusses von Kabul.

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Ein Junge verziert Kuchen, Kekse und andere Süßwaren.

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“Im Frühling des Jahres 1968 nahm meine Familie einen öffentlichen afghanischen Fernbus durch den Chaiber-Pass, um Pakistan zu besuchen (Peshawar und Lahore)”, erinnert sich Peg Podlich. “Die Straße war in diese Richtung auch eher holprig.” Wenn ich mich recht erinnere, war es an manchen Stellen recht grauenvoll: Auf der einen Seite ging es steil bergab, auf der anderen Seite ebenso steil bergan! Ich erinnere mich daran, dass mein Vater vor der Abfahrt in Kabul einen jungen Mann dafür bezahlte, dass er mit einem Weihrauchfass um den Bus herumging, um den Bus zu segnen oder das Böse Auge fernzuhalten. Ich glaube, es hat funktioniert – wir hatten eine gute und sichere Reise.”

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Der 2,6 Kilometer lange Salang-Tunnel, der unter der Gebirgskette am Hindukusch hindurchführt, wurde mit der Unterstützung der Sowjetunion errichtet. Er wurde im Jahr 1964 eröffnet.

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Junge Männer, die im Außenbezirk von Kabul nach Hause gehen.

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Das Bamiyan-Tal. Dort standen gigantische Buddha-Statuen, die von den Taliban im Jahr 2001 zerstört wurden. “Das war eine holprige, harte Fahrt”, erinnert sich Peg Podlich, “aber ich werde niemals vergessen, wie weit und grün das Tal war oder wie monumental diese zwei Buddha-Statuen waren, die aus dem blanken Fels herausgearbeitet worden waren… Die Statuen waren ein prachtvoller Anblick, sogar für jemanden wie mich, die ich doch keine Ahnung von der Geschichte oder der technischen Leistung hatte, die diese Statuen bedeuteten.”

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Eine kleinere Buddha-Statue im Bamiyan-Tal.

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“Das Higher Teachers College war eine Einrichtung mit einem Zweijahresprogramm, in der Lehrer auf College-Niveau geschult wurden. Es befand sich an der Ecke Seh Aqrab- und Pul-e Surk-Straße, im Westen von Kabul, in der Nähe von Kart-e Sei”, erinnert sich Peg Podlich. Auf diesem Foto sind Mr. Bahir (links), der William Podlichs Ansprechpartner am College war, sowie ein afghanischer Lehrer zu sehen, die außerhalb de Schule posieren.

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Junge Afghanen versammeln sich, um gemeinsam Tee zu trinken, zu singen und Musik zu machen.

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Ein Händler frittiert Jalebi, eine süße afghanische Nachspeise, an einem offenen Feuer.

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Zwei Schwestern posieren für ein Foto auf einer Straße in Kabul.

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Peg und Jan Podlich besuchten die American International School in Kabul. Peg sagt, dass dort in den Jahren 1967-68 rund 250 Schüler eingeschrieben waren, darunter 18 im letzten Schuljahr vor dem Abschluss.

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Eine afghanische Militärband versammelt sich zu einem unbekannten Anlass.

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“Ich war im letzten Jahr der High School und ich besuchte die American International School in Kabul draußen an der Darul-aman-Straße”, sagt Peg Podlich (links im Bild zu sehen). “In Tempe bin ich vier Blocks bis zur Schule gelaufen; in Kabul hielt ein Schulbus vor unserer Haustür an. Jan und ich rannten nach draußen, wenn de Fahrer hupte. Im Bus wurden wir von indischen Frauen beaufsichtigt, die natürlich Saris trugen. Wir wurden mit rund 20 Kindern durch Kabul zurückgefahren, um den Hügel herum bis in den Westen der Stadt.”

z1William Podlich geht auf einem Hügel außerhalb von Kabul spazieren.

Zuerst veröffentlicht auf RFERL. Übersetzt aus dem Englischen von Amazyble.com.

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Schulverweis nach geäußerter Kritik an Bundeswehr

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Stünde in der Überschrift nicht „Bundeswehr“ – so sollte man doch meinen, diese Schlagzeile stamme aus Nordkorea. Doch dem ist nicht so – der Vorfall ereignete sich im Februar in Bayern – in Bamberg um genau zu sein.

Wer kennt es nicht: Zur beruflichen Beratung kommt jedes Jahr die Bundeswehr an die eigene Schule, oder die des Kindes. Pünktlich, um noch unentschlossenen Schulabsolventen eine „gute Perspektive“ bei der Bundeswehr aufzuzeigen. Gängige Praxis? Ja. Umstritten? Auf jeden Fall.

Dass sich der Unmut in Protest statt heißer Luft äußert ist allerdings seltener – vor allem seitens eines Schülers. Genau dies ereignete sich allerdings Anfang des Jahres an einer Wirtschaftsschule in Bamberg. Der 17-jährige Schüler Niklas H. sah die Werbeveranstaltung der Bundeswehr im Rahmen eines Berufswahlseminars weitaus kritischer als mancher Mitschüler.

Die relativ einseitigen Lobpreisungen der utopischen Zustände im „Arbeitsalltag“ beim Bund seitens des anwesenden Werbeoffiziers, oder gar grenzwertig undifferenzierte Äußerungen zum Luftangriff der Bundeswehr in Kundus 2009, empfand der Schüler als dreiste, einseitige Informationen. Im Anschluss an den Vortrag des Werbeoffiziers besuchte er einen Stand der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“, zu deren Mitgliedern auch er zählt. Als er darauffolgend wieder das Schulgebäude betreten wollte, wurde er durch zwei Hausmeister, von denen zumindest einer bereits durch rechtsanrüchige Äußerungen und Verhaltensweisen (bspw. durch Assoziierung des Schultores mit „Reichsgrenze“ oder das partielle Tragen von Militärkleidung) auffällig geworden waren, nicht nur am Betreten des Komplexes gehindert, er sollte sich sogar einer Leibesvisitation unterziehen – als Begründung wurde das vermutete Mitführen von Aufklebern und damit verbundener Vandalismus angeführt. Auf die Verweigerung seitens des Schülers Niklas H. folgte neben Hausverbot auch ein „verschärfter Verweis“ seitens des Direktors.

Nachdem der Schüler, da er seine „zweifelhaft linksorientierte Gesinnung“ auch weiterhin vertrat, von der Polizei abgeführt wurde, musste er am folgenden Tag Stellung zu seinem Verhalten vor der Schulleitung beziehen. Nicht nur, dass seitens seiner Klassenlehrerin geäußert worden sein soll, dass sie auf jedwede Art verhindern werde, dass Niklas H. Mitschülern seine Meinung darlege; der Schuldirektor führte als Begründung für den Beweis an, Lehrer und Schüler würden sich aufgrund der Äußerungen als „politisch und persönlich bedrängt“ sehen.

So stehen an dieser Stelle die Aussagen der Schülers Niklas H. und des Direktors Mattausch gegenüber. Sieht der eine die an den Werbeoffizier gestellten Fragen als „kritisch“, interpretiert der andere sie als „Störung“.

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Verständlich, dass nach diesen Geschehnissen, nicht zuletzt wegen steigender medialer Aufmerksamkeit, der Tenor der Bevölkerung Bambergs nach einer Klärung des Vorfalls stetig lauter wurde. In einem offenen Brief bekundete die Schülervertretung eines naheliegenden Gymnasiums sogar ihre Solidarität mit dem Schüler. „Die Tatsache, dass an einer Bamberger Schule engagierte Schüler allein ihrer politischen Einstellung wegen derart hart und restriktiv bestraft werden“ mache jenes notwendig. Letztlich wurde der „verschärfte Verweis“, wohl vor allem wegen des öffentlichen Protests, zurückgenommen. Der Schüler Niklas H. sei schwierig, aber „begabt“. Man wolle keine unnötigen Steine in seine weitere Laufbahn legen – so Direktor Mattausch. Er müsse in Zukunft allerdings „Äußerungen bezüglich seiner extremistischen politischen Meinung [zu] unterlassen“. Dass der Verweis aber so oder so rechtsungültig war – er entsprach nicht den Richtlinien für disziplinarische Maßnahmen Bayerns – sei an dieser Stelle nur erwähnt.

So habe die gesamte Angelegenheit laut Niklas H. doch ein Positives: Der öffentliche Aufruhr habe zu einer Diskussion unter den Schülern über das Thema geführt – zumindest ansatzweise. Es sei wichtig, die Vermittlung von Geschichts- und Moralvorstellungen nicht dem Militär zu überlassen. Er wies aber auch darauf hin, dass ein solcher Protest gegen die Präsenz der Bundeswehr an Schulen sich nicht auf Bamberg begrenzen dürfe, sondern in ganz Deutschland wichtig sei. Immerhin geschehe die Militarisierung der Bildungsstätten oft ohne Einbeziehung der Eltern und Schüler – so der Vorsitzende der Bamberger „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“.

Quellen:

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=in&dig=2015/02/25/a0047&cHash=ab7081af59cab6a39bde6ec41793721e

http://www.attac-netzwerk.de/cottbus/aktuell/detailansicht/news/schueler-aeussert-sich-gegen-die-bundeswehr-auf-einer-werbeveranstaltung-der-armee-in-seiner-schule/?tx_ttnews[year]=2015&tx_ttnews[month]=03&tx_ttnews[day]=12&cHash=b429f54cc6b75f4edd1723feb108e2c3

http://heilbronn.vvn-bda.de/2015/03/16/bamberger-schule-muss-nach-kritischen-medienberichten-verweis-gegen-jungen-antimilitaristen-zuruecknehmen/

http://nuernberg.vvn-bda.de/wp-content/uploads/sites/18/2015/02/Bamberger-Gym-Verweis-f%C3%BCr-linksradikales-Denken.pdf

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Ärzte ohne Grenzen Krankenhaus wird von US-Luftwaffe beschossen – Kriegsverbrechen?

in Menschenrechte
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In der Nacht des 03.10. wurde ein Krankenhaus der Vereinigung Ärzte ohne Grenzen (franz. Médecins Sans Frontières, MSF) durch mehrere Luftangriffe seitens des US-Militärs getroffen und stark beschädigt. Dabei kamen 22 Menschen, davon 12 Mitarbeiter und 10 Patienten, darunter 3 Kinder, ums Leben – weitere 37 Menschen wurden verletzt.

Die Klinik, die momentan die einzige funktionierende in der Region Kundus ist, hat seit den erneut entflammten Kämpfen zwischen der Internationalen Koalition und den Taliban in der Stadt seit vergangenem Montag, den 28.09. bereits 394 Patienten behandelt. In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde es von 02:08 bis 03:15 in 15-Minuten Intervallen beschossen. Dabei wurde aber fast ausschließlich das Hauptgebäude getroffen, in dem sich die Intensiv-, Physiotherapiestation und Notfallräume befinden.

Mitarbeiter des MSF, die nach dem Luftangriff unter Schock stehen.
Mitarbeiter des MSF, die nach dem Luftangriff unter Schock stehen.

 

So berichtet der Augenzeuge Lejos Zoltan J. von seinen Erfahrungen. Er übernachtete in den Schutzräumen des Hospitals und wurde durch die Explosionen geweckt. Er folgte dem Lärm und seinem gerufenen Namen in die zerstörte Intensivstation:

Es war einer unserer Pfleger aus der Notaufnahme. Er taumelte mit einer großen Wunde am Arm in den Schutzraum, er war blutüberströmt, überall am Körper hatte er Wunden. […] Ich habe seit Mai hier gearbeitet und dabei viele sehr heftige medizinische Situationen erlebt. Aber es ist noch einmal völlig anders, wenn es um Kollegen geht, die deine Freunde sind. […] Mich bewegt in meinem Herzen sehr, dass das alles völlig inakzeptabel ist. Wie kann so etwas passieren? Ein Krankenhaus und so viele Menschenleben zu zerstören, für nichts. Ich habe keine Worte dafür.

Ungeklärt bleibt, warum ein Angriff auf das Krankenhaus erfolgte – hatte die Vereinigung zuletzt am 29.09. noch beiden Seiten des Konflikts die GPS-Position der Klinik übermittelt. Sietens des US-Militärs gibt es widersprüchliche Stellungnahmen. Während General John Campbell behauptet, der Luftangriff sei von afghanischen Soldaten angefordert worden, die unter Beschuss geraten seien, spricht die US-Armee von Angehörigen einer US-Spezialeinheit, die zusammen mit jenen agierte, die den Beschuss beorderten.

Des Weiteren behauptet das US-Militär, die Soldaten seien von Taliban beschossen worden, die sich im Krankenhaus verschanzt hätten. Dies wird seitens MSF allerdings vehement bestritten. So gewähre man nur denen Zutritt, die ihre Waffen vor dem Hospital ablegen würden. Wurde anfangs noch jedwede Beteiligung am Luftangriff negiert, bekannte sich General Campbell indirekt mit der Aussage dazu, das Krankenhaus sei nicht direkt beschossen worden, sondern vermutlich durch herumfliegende Splitter getroffen und so in Brand geraten. (…) Letztlich sei es ein möglicher Kollateralschaden, der durch den Luftangriff angerichtet wurde.

Ärzte ohne Grenzen fordert eine umfassende Untersuchung des Vorfalls durch eine unabhängige Instanz. Es sei völlig unzureichend, sich bei der Aufklärung auf eine interne Untersuchung seitens eines in den Konflikt verwickelten Akteurs zu verlassen – gerade im Hinblick darauf, dass es sich um ein Kriegsverbrechen handle.

Dieser Angriff ist eine abscheuliche Verletzung internationalen humanitären Rechts. Wir fordern von den Truppen der internationalen Koalition vollständige Transparenz. Es ist für uns inakzeptabel, dass dieser große Verlust an Menschenleben einfach als “Kollateralschaden” abgetan wird. – so Meinie Nicolai, Präsidentin der belgischen Sektion von MSF.

Da die Klinik wegen des Luftangriffs nicht mehr nutzbar ist, sieht sich MSF dazu gezwungen, sich vorerst aus der Region zurückziehen zu müssen.

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Hinzugezogene Quellen:

https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/bericht-angriff-aerzte-ohne-grenzen-krankenhaus-kundus

https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/afghanistan-bombardierung-klinik-kundus-aerzte-ohne-grenzen

https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/article/am-morgen-hoerte-ich-einschlaege-von-granaten-und-schreie-mittags-befand-sich-die-frontlinie

https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/statement-luftangriff-krankenhaus-kundus

https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/afghanistan-angriffe-krankenhaus-kundus

http://www.spiegel.de/politik/ausland/beschuss-von-hospital-in-kunduz-afghanen-forderten-fatalen-fehlschlag-an-a-1056313.html

http://www.welt.de/politik/ausland/article147162021/US-Luftwaffe-bombardiert-versehentlich-Klinik-in-Kundus.html

http://www.tagesschau.de/ausland/kundus-111.html

http://www.n-tv.de/politik/Aerzte-ohne-Grenzen-schliesst-Kundus-Klinik-article16068301.html

 

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