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Eine Journalistin fand gerade den tatsächlichen Preis der „kostenlosen“ Singlebörse Tinder heraus – und er ist erschreckend hoch

in Onlinewelt/Welt

Im Rahmen eines Artikels, der sich aus persönlicher Sicht mit dem Leben im modernen Zeitalter auseinandersetzt, machte die französische Journalistin Judith Duportail für The Guardian gerade detaillierte Angaben darüber, was passierte, nachdem sie die Singelbörse Tinder darum bat, ihr all ihre persönlichen Daten zu schicken.

Mit der Hilfe eines Aktivisten für Privatsphäre und eines Anwalts für Menschenrechte, kam Tinder ihrer Bitte nach. Aber sie sagt, dass der schiere Umfang an Informationen, die sie erhielt, „viel mehr“ war „als als sie sich erhofft hatte“. Dazu ein Auszug aus ihrem Artikel, der am Dienstag veröffentlicht wurde:

Es kamen etwa 800 Seiten zurück, die Informationen wie meine Facebook-„Likes“ beinhalteten, meine Fotos von Instagram (selbst nachdem ich das damit verknüpfte Konto gelöscht hatte), meine Ausbildung, den Altersbereich der Männer, an denen ich interessiert war, wieviele Male ich eine Verbindung hergestellt hatte, wann und wo jede Online-Konversation mit jeder einzelnen meiner Übereinstimmungen stattgefunden hatte…die Liste geht noch weiter.

Die Journalistin erzählt, dass als sie sich die Daten ansah, „erstaunt darüber gewesen“ sei, „wieviele Informationen [sie] freiwillig preisgegeben hatte: über Örtlichkeiten, Interessen und Jobs, bis hin zu Bildern, Musikgeschmack und was [sie] gerne isst“.

Bezüglich der Frage, warum die Singlebörse so viele persönliche Daten über die Nutzer speichern will, notiert Duportail, dass Tinder nichts unternimmt, um die Tatsache zu verbergen, dass alle Kontoinformationen – selbst private Unterhaltungen – Freiwild sind, wenn es darum geht, was den Werbekunden verkauft werden soll.

„Persönliche Daten kurbeln die Wirtschaft an“, sagte Allesandro Acquesti, Professor für Informationstechnologie an der Carnegie Mellon University, zu Duportail. „Die Daten von Endkunden werden zu Werbezwecken gehandelt und weitergegeben.“

Paul-Olivier Dehaye, der Aktivist, der Duportail bei ihrer Auseinandersetzung mit Tinder behilflich war, sagt, dass der Befund der Journalistin eine Gesellschaft widerspiegele, die sich zunehmend darauf verlege, die persönlichen Daten von Einzelpersonen – abgesehen von der Werbeindustrie – zunehmend dazu zu verwenden, um ihre Zukunft zu beeinflussen:

Wir entwickeln uns zu einer immer undurchsichtigeren Gesellschaft, hin zu einer immer ungreifbarerern Welt, in der Daten, die über uns gesammelt werden, immer größere Bereiche unseres Lebens bestimmen. Letzten Endes wird unsere ganze Existenz davon beeinflusst werden.

Verweise:

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