Putins Rache: Petro-Yuan beendet die Ära des Petrodollars

in Geopolitik/Wirtschaft

Von rt.com

Der Schlüssel zum kommenden Petro-Yuan liegt in Moskau. Und sollte es der chinesischen Währung schließlich tatsächlich gelingen, die Funktion des langjährigen Petrodollars an sich zu reißen, wird Washington selbst daran schuld sein.

Die Nachricht, dass China plant, bis Ende dieses Jahres einen auf Yuan lautenden Ölterminkontrakt auf den Markt zu bringen, überrascht viele Analysten. Russland-Experten sind jedoch nicht im Geringsten darüber verwundert. Vielmehr hatte sich dieser Schritt ankündigt, seit Moskau nach der Ukraine-Krise im Jahr 2014 seinen zuvor über ein Vierteljahrhundert andauernden Versuch aufgegeben hat, sich in den Westen zu integrieren. Eine Katastrophe, die, wie der Kreml den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union vorwirft, als Teil dessen entstanden ist, was er als Versuch betrachtet, den russischen Einfluss in dessen „nahem Ausland“ zu verringern.

Pekings ambitionierter Plan zielt darauf ab, den Handel mit dem „schwarzen Gold“ vom bislang auf dem Weltmarkt unangefochtenen Petrodollar auf den nun auf die Tagesordnung gelangten Petro-Yuan zu verlagern. Davon profitiert China, indem es seine Währung international attraktiver macht und für mehr Energiesicherheit sorgt. Die größten Gewinner werden aber wohl in Moskau sein. Denn jede Verschlechterung des Dollar-Status im globalen Maßstab schmälert Washingtons Fähigkeit erheblich, über Sanktionen einen Wirtschaftskrieg gegen Russland zu führen.

Arabische Ölländer als entscheidender Faktor für die Zeitenwende hin zum Yuan

Als größter Erdölproduzent der Welt ist Russland für das Projekt in Peking von entscheidender Bedeutung. Und andersherum ist China als größter Rohölimporteur der Welt und – gemessen an der Kaufkraftparität – das Land mit der größten Wirtschaft das einzige Land, das genug Gewicht hat, um die amerikanische Finanzhegemonie herauszufordern.

Natürlich können Wladimir Putin und Xi Jinping ihre Ziele nicht allein erreichen. Denn wenn der Petro-Yuan Erfolg haben soll, müssen andere führende Ölförderländer ebenfalls mit an Bord kommen. Und während Iran, Indonesien und Venezuela ihr Interesse an dem Projekt bereits bekundet haben, liegt der Schlüssel zum weiteren Durchbruch jetzt darin, auch die arabischen Staaten zum Handel in Yuan zu bewegen. Und das bedeutet im Wesentlichen, dass die Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien dafür maßgeblich ist.

Schließlich wurde der Petrodollar 1974 in Dschidda geboren, als der damalige US-Finanzminister William Simon die Saudis davon überzeugte, dass Amerika der sicherste Ort sei, um ihre Öleinnahmen zu parken. Und dieser Cashflow hat es den USA jahrzehntelang erlaubt, über ihre Verhältnisse zu leben. In den letzten Jahren haben sich jedoch die Beziehungen verschlechtert, da Washington seine eigene Frackingindustrie unterstützt, die die Erdölpreise in den Keller treibt und den Saudis schwere fiskalische Schmerzen bereitet hat. Der Hauptgrund für die sich zeitgleich entwickelnde Entspannung zwischen Riad und Russland ist demgegenüber ein gegenseitiges Bestreben gewesen, einen weiteren Rückgang der Energieerträge zu verhindern. Als Ergebnis dessen besuchte König Salman Anfang dieses Monats Moskau, wo sicherlich auch der Yuan-Plan auf der Tagesordnung stand.

„China wird Saudis ins Boot holen“

Informierte Analytiker beharren darauf, dass die Saudis an Bord kommen müssen: „Ich glaube, dass die Yuan-Verpreisung des Öls kommt und sobald die Saudis diese akzeptieren – und die Chinesen werden sie zwingen, das zu tun – dann wird sich der Rest des Ölmarktes mit ihnen bewegen“, erklärt Carl Weinberg, Chefvolkswirt und Geschäftsführer bei High-Frequency Economics, gegenüber CNBC.

Die Wurzeln des Petro-Yuan liegen in einer Reihe von „Farbrevolutionen“ auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR, die Moskau davon überzeugt haben, dass der Westen die Russische Föderation nie als gleichberechtigten Partner behandeln würde.

Den Höhepunkt dieser Entwicklung bildete eine Rede im März 2014 im majestätischen Großen Kremlpalast, in der Wladimir Putin vor über 1.000 russischen Würdenträgern sprach. Und das war keine gewöhnliche Grundsatzrede. Denn die Spannungen zwischen Russland und dem Westen waren auf einem Niveau, das seit dem Kalten Krieg nicht mehr zu beobachten war.

Nur wenige Wochen zuvor war die ukrainische Regierung gewaltsam abgesetzt worden, und Moskau hatte inmitten des Chaos hastig seine „verlorene Provinz“ auf der Krim resorbiert – eine strategisch wichtige Halbinsel, die 1954 in einem umstrittenen Schritt an Kiew übergeben worden war, als die beiden einen Unionsstaat gründeten. Gleichzeitig tobten in den ostukrainischen Städten Donezk und Lugansk bereits pro-russische Proteste.

Damals sagte ein ernster Putin den denkwürdigen Satz: „Wenn man die Feder bis an ihr Limit zusammendrückt, wird sie hart zurückschnappen. Daran muss man immer denken.“

Seitdem die Vereinigten Staaten erstmals gegen Russland Sanktionen verhängt haben, zunächst im Jahr 2012, angeblich wegen des Todes eines Anwalts namens Sergei Magnitski, und die Europäische Union im Jahr 2014 als Reaktion auf die Krise in der Ukraine nachzog, hat Moskau nach Wegen gesucht, um diese Zwangsmaßnahmen zurückzudrängen.

Putins Erbe: Das Ende der Dollardominanz

Die Gegenmaßnahmen gegen die EU waren relativ unkompliziert: ein Verbot der Einfuhr von Nahrungsmitteln, was den positiven Nebeneffekt hatte, dass die einheimische russische Agrarindustrie, nachdem sie anfänglich zur Inflation beigetragen hatte, einen deutlichen Zuwachs an eigener Kraft erfuhr. Aufgrund der weitaus geringeren Handelsabhängigkeit ist es jedoch schwieriger, Washington mit gleicher Münze zurückzuzahlen. Und das ist bis jetzt so geblieben.

Es besteht kein Zweifel daran, dass Moskau darauf hofft, eine US-Wirtschaftskrise inszenieren zu können, um seinen ewigen Feind dauerhaft zu schwächen. Tatsächlich verhält es sich so, wie auch CNBC feststellt: „Russland und China haben versucht, in einem Nicht-Dollar-Umfeld zu arbeiten, was den Handel mit Öl betrifft. Beide Länder haben auch ihre Anstrengungen erhöht, Gold abzubauen und physisches Gold zu erwerben, wenn oder falls der Dollar kollabiert.“

Wenn die Saudis nicht mitspielen, riskieren sie, weitere Marktanteile zu verlieren – insbesondere nach der Inbetriebnahme neuer Gas- und Ölpipelines von Russland nach China im nächsten Jahr. Und es besteht auch die Aussicht, dass chinesische Investoren im nächsten Jahr den Börsengang des Staatsriesen Saudi Aramco boykottieren könnten.

Mittlerweile gibt es hohe Erwartungen an den Petro-Yuan. Denn alles, was die Fähigkeit der Amerikaner, einen Wirtschaftskrieg zu führen und den eurasischen Raum zu destabilisieren, schwächt, ist ein großer Sieg für den Kreml. Darüber hinaus könnte Putin auch das Ende der Dollardominanz als wichtigen Teil seines künftigen Vermächtnisses betrachten, da er sich auf seine wahrscheinlich letzte Periode als russischer Präsident vorbereitet.

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2 Comments

  1. Angesichts seines Ausscheidens als Finanzminister warnte Schäuble vor einigen Tagen in der „Financial Times Deutschland” sogar vor einer neuen Finanzkrise in der Eurozone. Er selbst sei „darüber auch sehr besorgt”. Zu seinem letzten Auftritt auf europäischem Finanzparkett reiste Schäuble vergangene Woche deshalb mit deutlichen Worten und Reformplänen im Gepäck.

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