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Großbritannien eröffnet ersten Supermarkt mit Lebensmittelresten

in Umwelt/Wirtschaft

In Leeds wurde Großbritanniens erster Supermarkt eröffnet, der der örtlichen Gemeinde Zugang zu landwirtschaftlichen Erzeugnissen ermöglicht, die andernfalls auf Mülldeponien landen würden. Der als Warehouse (Lagerhaus) bezeichnete Supermarkt wurde von Aktivisten des Real Junk Food Project gegen Lebensmittelverschwendung ins Leben gerufen und ist der letzte Schritt der Organisation auf dem Weg zu einer langfristigen Reduzierung der 10 Millionen Tonnen an Lebensmittelabfällen, die jedes Jahr in Großbritannien anfallen.

Der Preis basiert auf der Zahlungsbereitschaft der Kunden, was den Familien vor Ort hilft, sich bei der Ernährung ihrer Kinder finanziell über Wasser zu halten. Kirsty Rhodes, eine ortsansässige Mutter von drei Kindern, teilte The Independent mit, wie sehr der Lebensmittelreste-Supermarkt ihrer Familie geholfen habe, seitdem sie unter chronischen Schmerzen leide.

„Das Lagerhaus war in den letzten paar Monaten unsere absolute Rettung“, sagte Kirsty Rhodes zu The Independent. „Mit drei kleinen Kindern und zwei Erwachsenen hatten wir schon immer Schwierigkeiten, alle satt zu bekommen. Zum Glück hatten wir den Schritt gewagt, ins Lagerhaus zu kommen, und es war großartig!“, sagte Kirsty.

Die Lebensmittel werden sowohl von verschiedenen größeren Supermarktketten als auch Cafés, Restaurants und Essensausgaben gespendet. Anfang des Jahres gab der Lebensmittelhändler Ocado bekannt, dass er dem Projekt von Kunden stornierte Bestellungen spendet.

Die Entscheidung, den Supermarkt zu eröffenen, hatt das Real Junk Food Project – das täglich durchschnittlich zwischen zwei und zehn Tonnen Lebensmittel in sein Lagerhaus bekommt – nur aus einer Laune heraus getroffen, nachdem die Organisation einen Überschuss an Lebensmitteln hatte.

„Normalerweise spenden wir sie [die übrig gebliebenen Lebensmittel] an Schulen in der Umgebung, aber im Sommer hatten wir schließlich so viel Überschuss, dass wir uns fragten, wie wir ihn loswerden könnten“, sagte Adam Smith, der Gründer des Real Junk Food Project. „Wir transportierten es in einen Teil des Lagerhauses, hinterließen eine Nachricht auf sozialen Medien, indem wir die Leute baten, es abzuholen, und es war der Wahnsinn.“

Im Laufe der letzten Jahre hat das Real Junk Food Project daran gearbeitet, ein Netzwerk von „Pay-As-You-Feel-Cafés“ überall in Großbritannien, Europa und Australien einzurichten. Wie es den Anschein hat, verfolgt das letzte Projekt dieselbe Strategie wie Folkekirkens Nødhjælp, eine humanitäre Nichtregierungsorganisation in Dänemark, die Anfang dieses Jahres Dänemarks ersten Supermarkt mit Lebensmittelresten eröffnete.

Codex Humanus

Annähernd ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel für den menschlichen Bedarf – ungefähr 1,3 Milliarden Tonnen – gehen laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen jährlich entweder verloren oder werden verschwendet. Dies beläuft sich auf ungefähr 680 Milliarden US-Dollar in Industrieländern und 310 Milliarden US-Dollar in Entwicklungsländern.

Glücklicherweise hat dieses ethische und ökonomische Problem in den letzten Jahren durch die Medien, Unterstützung von Prominenten, Essensausgaben und gemeinnützige Organisationen größere Aufmerksamkeit erfahren, etwas dagegen zu unternehmen. Wie im Bericht Estimates of European food waste level von EU FUSION bekannt gemacht wurde, wurde 2014 entweder durch Essensausgaben oder gemeinnützige Organisationen die Gesamtzahl von 411.000 Tonnen Lebensmitteln umverteilt.

„Es ist lächerlich, dass Lebensmittel einfach weggeworfen werden, oder vergammeln“, sagte die dänische Ministerin für Umwelt und Ernährung. „Es ist schlecht für die Umwelt und rausgeworfenes Geld.“

Durch den Erfolg des Supermarktes inspiriert, hofft Smith die Mission von The Real Junk Food durch die Eröffnung ähnlicher „Supermärkte“ in weiteren Städten ganz Großbritanniens fortsetzen zu können, wie die BBC berichtet. “ Wir sind dabei, in Sheffield und Bradford anzufangen“, sagte er. „Jede Stadt wird nun ein zentrales Lager bekommen und sowohl den Volkssupermarkt als auch Fuel for School betreiben.“

Fuel for School ist eine durch The Real Junk Food Project ins Leben gerufene Initiative, um den Hunger als Barriere für das Lernen zu beseitigen, indem Schulen Überschüsse an Brot, Obst, Gemüse und Milchprodukten aus Supermärkten erhalten.

„Wir brauchen Freiwillige“, sagt Adam über den neuen Supermarkt mit Lebensmittelresten. „Fahren, wiegen, sortieren, Regale befüllen, saubermachen und viel viel mehr. Es bieten sich viele Möglichkeiten für die Leute, sich zu beteiligen und etwas zurückzugeben.“

Bild: Flickr, Timo Kuusela (CC BY 2.0)

Übersetzt aus dem Englischen von AnonHQ.com

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1 Comment

  1. …sad that such an unneccessary situation of need exists at all but great to make the best of it that way…

    …traurig das solch eine unnötige Bedarfssituation überhaupt existiert, aber großartig auf diese Weise das Beste daraus zu machen…

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