Greenpeace-Studie: Gefährliche Chemie in Kleidung von Primark und Burberry

in Gesundheit

Das Mädchen guckt geradezu empört: „In meinem Kleiderschrank sind kleine Monster.“ Auf der Kleidung des Mädchens bewegen sich mutierte Wesen, die wie lila Skorpione oder böse Pokemons aussehen.

Dieses Foto, abgebildet in einer neuen Greenpeace-Studie, soll die Botschaft auf den Punkt bringen: Die Umweltschutzorganisation konnte stichprobenartig in 82 Kleidungsstücken für Kinder zahlreiche schädliche Chemikalien nachweisen. Teure Klamotten, so ein Ergebnis der Studie, sind dabei keineswegs sauberer produziert als billige: Sowohl bei Billig-Badeanzügen von Primark als auch bei Edeltextilien von Burberry wurden Weichmacher (Phthalate) und andere hormonell wirksame Substanzen sowie als krebserregend geltende Stoffe gefunden.

In den gemessenen Konzentrationen seien sie für den Verbraucher zwar nicht gesundheitsgefährdend. Problematisch für die Umwelt sei aber die Produktion: Flüsse und Trinkwasser in den Herstellungsländern würden verunreinigt.

„Die Grenzwerte für Gummi-Entchen sind stärker geregelt“

„Bei allen zwölf Marken haben wir verunreinigte Kleidung gefunden“, sagte Greenpeace-Sprecherin Carolin Wahnbaeck. Greenpeace hatte für die Analyse im Mai und Juni 2013 in rund zwei Dutzend Ländern Textilprodukte erworben, sechs davon in Deutschland. Die Ergebnisse bestätigten die Befürchtung, dass der Einsatz schädlicher Chemikalien bei der Fertigung von Kinderkleidung noch immer weit verbreitet ist.

Ein T-Shirt von Primark enthielt beispielsweise elf Prozent Weichmacher. „Die Grenzwerte für ein Gummi-Entchen sind stärker geregelt als die in Kleidung. Aber Kleinkinder können auch ihre Pullover in den Mund nehmen“, warnt Greenpeace-Chemieexperte Manfred Santen im Gespräch mit der Huffington Post.

Primark will „umweltfreundlicher“ werden

Primark erklärt auf Anfrage der Huffington Post, dass die chemischen Stoffe, die eingesetzt würden, einem Regelwerk unterliegen, „das in jeder Hinsicht mit den EU-Richtlinien übereinstimmt“. Primark habe „längst erkannt, dass die Fertigung kontinuierlich umweltfreundlicher werden muss – hieran arbeiten wir.“

Quelle: Greenpeace

Greenpeace wies bei den Analysen der Stichproben auch bei mindestens einem Produkt jeder Marke Nonylphenolethoxylate (NPE) nach. In jedem Artikel wurde zudem mindestens eine per-/polyfluorierte Verbindung (PFC) entdeckt. Mit solchen Substanzen wird Kleidung wasser- und schmutzabweisend gemacht – doch die Stoffe gelten als besonders besorgniserregend. „NPE beispielsweise dürfen bei der Kleidungsproduktion in Europa de facto nicht verwendet werden“, sagte Umweltbundesamts-Expertin Brigitte Zietlow.

H&M hat PFC nach eigenen Angaben seit dem 1. Januar 2013 innerhalb der gesamten Produktion verboten. „Tests, die wir seitdem durchgeführt haben, belegen, dass Produkte nach Januar 2013 PFC-frei waren“, sagte eine Sprecherin der Huffington Post. Greenpeace erklärt, dass die analysierte Kleidung möglicherweise vor diesem Datum produziert worden sein könnte.

Detox-Kampagne: Primark hat noch keine Selbstverpflichtung unterschrieben

Hoffentlich – denn einige PFC können nach Greenpeace-Angaben das Immunsystem und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und zu Schilddrüsenerkrankungen führen. Zudem seien viele der Substanzen sehr langlebig. „Wir finden PFC mittlerweile überall, sie wurden in der Muttermilch, aber auch in Pinguinen in der Antarktis nachgewiesen“, so Wahnbaeck.

In einem Badeanzug von Adidas wurde die als krebserregend geltende Perfluoroctansäure (PFOA) in einer Konzentration gefunden, die den vom Hersteller selbst gesetzten Grenzwert um das Fünfzehnfache überschritt. „Problematisch ist, dass es für Textilien so gut wie keine Höchstgrenzen gibt“, sagte Santen.

Greenpeace hatte 2011 die Kampagne Detox initiiert, bei der Modemarken aufgefordert werden, Schadstoffe durch ungefährliche Substanzen zu ersetzen. Nach Angaben der Organisation haben sich bisher 18 Hersteller dazu verpflichtet.

Primark geht davon aus, „letztendlich der Detox-Lösung von Greenpeace zu entsprechen“. Das mag sein. Aber eine Selbstverpflichtung, bis 2020 gefährliche Chemikalien aus der Produktion zu verbannen, hat das Unternehmen gegenüber Greenpeace noch nicht abgegeben.

Wie kann ich als Verbraucher sicher sein, schadstofffreie Kleidung zu kaufen?Die Industrie sei dabei zu handeln, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels, Jürgen Dax. „Made in“-Bezeichnungen seien wenig hilfreich. Unter Umständen könne „Made in Italy“ draufstehen, die Kleidung aber trotzdem unter schlimmen Bedingungen in China produziert worden sein. Greenpeace rät, auf Textil-Siegel beispielsweise vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft IVN oder von GOTS zu achten.

 

 
(Mit Material von dpa)

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