„Fokus liegt auf Russland“ – US-Marine reaktiviert ihre Zweite Flotte wegen „Bedrohung aus Moskau“

in Geopolitik
Codex Humanus

Von rt.com – Titelbild: Die USS Nimitz, USS Kitty Hawk und USS John C. Stennis Carrier Strike Groups während während des Manövers „Valiant Shield“

Vor wenigen Jahren mit der Begründung deaktiviert, Russland stelle keine militärische Bedrohung mehr dar, soll die Flotte, die dafür vorgesehen war, im Einsatzfall US-Panzer und Soldaten schnell nach Europa zu verlegen, wieder in Betrieb genommen werden.

Während Russland seine Militärausgaben um 20 Prozent senkt, kündigt das Pentagon an, die Zweite US-Flotte wieder in Betrieb zu nehmen und verweist auf eine angebliche neue Bedrohungslage durch Russland. Allerdings ist Russland im angedachten Einsatzbereich der Zweiten Flotte, dem Nord-Atlantik, bis auf den heutigen Tag kaum präsent.

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Doch dessen ungeachtet argumentiert der Stabschef der US-Marine, US-Admiral John M. Richardson, dass die Welt „in eine neue Ära des Wettbewerbs zwischen den Großmächten“ eingetreten sei.

Um auf diese Veränderungen – speziell im Nordatlantik – vorbereitet zu sein, stellen wir die Zweite Flotte heute neu auf“, verkündete Richardson symbolträchtig am 5. Mai an Bord des Flugzeugträgers USS George H. W. Bush.

Der Flugzeugträger USS George H.W. Bush

Die USA hatten erst vor sieben Jahren die Zweite Flotte mit der Begründung deaktiviert, dass Russland keine militärische Bedrohung mehr darstelle.

Als Hauptquartier des Verbands soll nach derzeitigen Informationen der US-Marinestützpunkt Norfolk im US-Bundesstaat Virginia rund 230 Kilometer südlich von Washington, D.C. dienen. Dort hatte die Zweite Flotte bereits bis 2011 ihren Hauptsitz. Vor ihrer zeitweiligen Desaktivierung umfasste die Zweite Flotte 126 Kriegsschiffe, 4.500 Flugzeuge und 90.000 Marine-Soldaten.

Der britische Militäranalyst Jonathan Marcus schreibt in einem Beitrag für die BBC über die Reaktivierung der Zweiten US-Flotte:

In diesem Fall liegt der Fokus auf Russland – eine Antwort auf die verstärkten Marinetätigkeiten der letzten Jahre. Das bestehende Muster der US-Marineoperationen wird sich ebenfalls deutlich verändern. US-Verteidigungsminister James Mattis besteht darauf, dass er weniger vorhersehbare Einsätze von kürzerer Dauer wünscht. Experten gehen zudem davon aus, dass eine US-Flugzeugträgerkampfgruppe der Flotte nun häufiger in europäischen Gewässern eingesetzt wird.

Ein Blick auf die Geschichte und Einsatzorte der Zweiten Flotte lässt nichts Gutes für den fragilen Weltfrieden erahnen:

1. Verlegung von Kriegsgerät und US-Soldaten nach Europa als Hauptaufgabe

Eine der Aufgaben der Zweiten US-Flotte war es während des Kalten Krieges, die schnelle Verlegung von US-Panzern und Soldaten nach Europa zu gewährleisten. Dazu war der Verband mit speziellen Landungsschiffen für schweres Kampfgerät wie Kampfpanzer und Haubitzen ausgerüstet. US-Admiral Richardson zufolge soll die reaktivierte Zweite Flotte diese „Tradition“ wiederaufnehmen und verstärkt „amphibische Kräfte“ zugewiesen bekommen.

2. Angriff der Zweiten Flotte auf sowjetisches U-Boot

Im Rahmen der Kubakrise im Jahr 1962 wurde die operative Kontrolle der sogenannten Quarantäneeinheit dem Kommandanten der Zweiten Flotte, Vizeadmiral Alfred G. Ward, übertragen, der zu diesem Zweck die Task Force 136 organisierte. In dem Zusammenhang kam es zu einer bisher kaum bekannten direkten Konfrontationzwischen einem US-amerikanischen U-Bootjäger und einem sowjetischen U-Boot. Am 27. Oktober 1962 griff ein amerikanischer Zerstörer der Zweiten Flotte ein sowjetisches U-Boot B-59 vor Kuba mit Wasserbomben an, um es an die Oberfläche zu zwingen, ohne zu wissen, dass dieses über nukleare Torpedos verfügte.

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Wadim Orlow, ein Mitglied der damaligen U-Boot-Besatzung, erläuterte bei einer Fach-Konferenz 2002 zur Kubakrise in Havanna, dass das U-Boot befugt war, zu feuern, wenn die drei leitenden Offiziere zustimmten. Die Offiziere begannen eine heftige Debatte darüber, ob sie den US-Kreuzer versenken sollten. Zwei von ihnen sagten Ja und einer Nein.

Ein Typ namens Arkhipow rettete die Welt“,

kommentierte der renommierte US-Historiker Thomas Blanton von der George Washington University den Vorfall.

3. Federführung bei völkerrechtswidrigen Invasionen

Im Oktober 1983 befahl US-Präsident Ronald Reagan die Zweite Flotte in die Karibik, um die völkerrechtswidrige Invasion von Grenada während der Operation „Urgent Fury“ anzuführen. Die amphibischen Einheiten für die Operation bestanden aus dem amphibischen Angriffsschiff USS Guam (LPH-9), dem amphibischen Transportschiff USS Trenton (LPD-14), dem Docklandungsschiff USS Fort Snelling (LSD-30), den Panzerlandebooten USS Manitowoc (LST-1180) und USS Barnstable County (LST-1197) sowie der 22. amphibischen Invasions-Einheit der US-Marine.

Der damalige Befehlshaber für die Invasion, Vizeadmiral Joseph Metcalf, wies der amphibischen Landungstruppe, der Task Force 124, die Aufgabe zu, den Flughafen Pearls sowie den Flughafenneubau in der Nähe von Point Salines und den Hafen von Grenville zu besetzen und alle gegnerischen Kräfte in diesem Gebiet „zu neutralisieren“.

Hintergrund des Angriffs

Auf der Karibikinsel war eine den USA nicht genehme Regierung an die Macht gekommen, die gute Beziehungen zu Kuba pflegte. Der neue Premierminister Maurice Bishop enteignete einige Betriebe und setzte mehrere soziale Reformen wie die Einführung eines staatlich finanzierten Gesundheitssystems und den Bau zahlreicher Schulen sowie weiterer Infrastrukturprojekte um. Kuba half der unterenwickelten Karibikinsel unter anderem durch den Bau eines 50 Millionen US-Dollar teuren Flughafens. Kuba stellte dazu 636 Bauarbeitern bereit und sicherte die Übernahme der Hälfte der Baukosten zu. Aus angeblicher Furcht vor „Missbrauch des Flughafens für militärische Zwecke“ gab US-Präsident Reagon den Angriffsbefehl an die Zweite Flotte. Bei der Invasion wurden auch 25 kubanische Bauarbeiter getötet.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen stimmte am 28. Oktober 1983 mit großer Mehrheit für eine Resolution, in der die US-Invasion als „eine schwere Verletzung internationalen Rechts“ bezeichnet und das „tiefe Bedauern der UN“ zum Ausdruck gebracht wurde. Die Vereinigten Staaten legten umgehend ein Veto gegen diese Resolution ein. Ronald Reagans vielsagende Antwort auf die Resolution lautete:

Einhundert Nationen in der UN waren mit so ziemlich allem nicht einverstanden, was ihnen da, wo wir beteiligt waren, widerfuhr, und es hat mein Frühstück in keiner Weise gestört.

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