Sozialverband alarmiert: Bis zu einer halben Million Rentner leben in verdeckter Armut

in Wirtschaft

In Deutschland leben einer Schätzung zufolge bis zu einer halben Million Rentner in sogenannter verdeckter Armut. Dabei handle es sich vor allem um Erwerbsminderungsrentner, die womöglich aus Scham oder Unwissenheit keine Grundsicherung beantragten.

Das berichtet die „Welt am Sonntag.“ „Verdeckte Armut“ bedeutet, dass sie trotz eines Lebens unter der Armutsgrenze keine Sozialhilfe beziehen.

Zwischen 184.000 und 494.000 Menschen betroffen

Die Sonntagszeitung berichtete unter Berufung auf eine wissenschaftliche Berechnung, dass zwischen 184.000 und 494.000 Menschen betroffen seien.

Die Zeitung stützte sich auf Berechnungen der Verteilungsforscherin Irene Becker, die Forschungsarbeiten im Auftrag politischer Stiftungen anfertigt. Neben der verdeckten Armut gibt es demnach offiziell mehr als eine Viertelmillion Menschen, deren Erwerbsminderungsrente so gering ist, dass sie zusätzlich Leistungen aus der steuerfinanzierten Grundsicherung beziehen.

Rund 1,8 Millionen Menschen beziehen Erwerbsminderungsrente

Erwerbsminderungsrenten sind Leistungen für Menschen, die nicht bis zum regulären Rentenalter berufstätig sein können. Aktuell beziehen sie rund 1,8 Millionen Menschen. Im Jahr 2014 waren die sogenannten Zurechnungszeiten ausgeweitet worden.

Seither wurden die Bezieher von Erwerbsminderungsrenten so behandelt, als hätten sie bis zum 62. Lebensjahr weitergearbeitet. Diese Grenze soll künftig weiter steigen. Nach dem Willen der Koalition soll sie sukzessive an die Regelaltersgrenze angepasst werden, die auf 67 Jahre steigen soll.

Sozialverband kritisiert den Zustand als „Skandal“

Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Verena Bentele, kritisierte, dass die Erwerbsminderungsrenten deutlich zu niedrig seien. „Es ist ein Skandal, dass Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht mehr arbeiten können, in vielen Fällen direkt in die Armut rutschen“, sagte sie der Zeitung.

Das Bundesarbeitsministerium erklärte hingegen, es sei ein Erfolg, dass der Durchschnitt der Erwerbsminderungsrenten im vergangenen Jahr wieder das Niveau der Jahrtausendwende erreicht habe, nachdem er in der Zwischenzeit deutlich darunter gesunken war. Es gebe „spürbare Verbesserungen“ für die mehr als 170.000 Arbeitnehmer, die jährlich eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit in Anspruch nehmen müssten.

„Armutszeugnis“ für Bundesregierung

Die Grünen sprachen hingegen von einem „Armutszeugnis“ für die Bundesregierung. Die große Koalition setze in ihrer Rentenpolitik falsche Prioritäten und verfolge das Motto „Gießkanne statt zielgenauer Armutsbekämpfung“, kritisierte der Grünen-Rentenexperte Markus Kurth. Betroffene hätten sich ihre Erwerbsminderung nicht ausgesucht, daher seien Rentenabschläge für sie inakzeptabel. „Wir fordern eine Garantierente für langjährige Beitragszahler, diese würde verdeckte Altersarmut stark verringern“, erklärte Kurth.

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