Las Vegas: Neue Version des Tathergangs bringt Polizei in Erklärungsnot

in Welt

Von rt.com

Viele Fragen im Zusammenhang mit dem Massaker von Las Vegas sind nach wir vor ungeklärt – auch die Frage, warum die Sicherheitskräfte erst so spät reagierten. Denn wie nun bekannt wurde, konnte der Attentäter länger als bisher angenommen ungestört morden.

 

In der Nacht zum Montag vergangener Woche hatte ein Attentäter aus den Räumen des Hotels Mandalay Bay in Las Vegas das Feuer auf tausende Besucher eines gegenüber stattfindenden Musikfestivals eröffnet. Bei dem minutenlangen Dauerfeuer wurden 58 Menschen getötet und hunderte verletzt. Der als Stephen Paddock identifizierte Attentäter soll sich nach der Bluttat selbst gerichtet haben.

Neue Erkenntnisse der Ermittler vor Ort bringen die US-Sicherheitskräfte nun in Erklärungsnöte – vor allem hinsichtlich der Frage, warum Paddock so lange ungestört morden konnte.

Die zeitliche Abfolge des Tathergangs lautete nach offizieller Darstellung bislang wie folgt: Um 22.05 Uhr Ortszeit beginnt Paddock damit, die Besucher des gegenüberliegenden Country-Festivals aus der 32. Etage des Hotels unter Beschuss zu nehmen. Neun Minuten später hat sich dann der Wachmann Jesus Campos dem Hotelzimmer genährt. Durch eine eigens im Hotelflur installierte Kamera, durch die Paddock die Bewegungen vor seinem Zimmer verfolgen konnte, wird der Attentäter auf den Wachmann aufmerksam. Daraufhin schießt er durch die geschlossene Zimmertür auf Campos und verletzt den Wachmann am Bein. Paddock soll dabei laut den Ermittlern rund 200 Kugeln abgefeuert haben. Eine Minute später, also um 22.15 Uhr, feuert Paddock die letzten Schüsse auf die Konzertbesucher ab.

Zwei Minuten später treffen die ersten beiden Sicherheitsbeamten auf der 32. Etage ein, in der Paddock zwei nebeneinander liegende Zimmer angemietet hatte. Um 22.18 Uhr teilt Campos der Polizei den genauen Aufenthaltsort des Tatverdächtigen mit. Laut dieser Darstellung intervenierte der Wachmann erst, nachdem Paddock bereits hunderte Schüsse auf die Konzertbesucher abgegeben hatte. Durch das Einschreiten von Campos und der von ihm herbeigerufenen Polizei sei der Bluttat ein Ende bereitet worden. Als die Polizei schließlich um 23.20 Uhr das Hotelzimmer stürmte, fand sie Paddock dort bereits tot vor. Der 64-jährige soll sich selbst erschossen haben.

Ermittler revidieren Version des Tathergangs

Den Ermittlungen zufolge hat sich der Tathergang allerdings in einer anderen zeitlichen Abfolge ereignet, wie auch der zuständige Sheriff Joseph Lombardo bei einer Pressekonferenz am Montagabend bekannt gab. Demnach habe sich der Sicherheitsmitarbeiter des Hotels bereits um 21.59 dem Zimmer von Paddock genähert, woraufhin dieser das Feuer auf Campos eröffnete. Der Wachmann war wegen eines Alarms in die 33. Etage gekommen, wahrscheinlich ausgelöst durch eine offene Tür eines im Gang gelegenen Treppenhauses. Dort habe er Bohrgeräusche aus Paddocks Zimmer gehört.

Unmittelbar, nachdem er durch die Schüsse verletzt worden war, informierte Campos den Sicherheitsdienst des Hotels. Paddock begann unterdessen erst sechs Minuten später, auf die Konzertbesucher zu schießen. Laut der revidierten Darstellung betrug das Zeitfenster, in dem Paddock unbehelligt Schüsse auf Menschen abgeben konnte, 16 Minuten (21.59 bis 22.15 Uhr). Ganze 18 Minuten verstrichen zwischen der Verwundung des Wachmanns und dem Eintreffen der ersten Polizisten auf der 32. Etage um 22.17 Uhr.

Die Sicherheitsbehörden geraten nun in Erklärungsnot bezüglich der Frage, warum es bis zum Eingreifen der Polizeikräfte so lange gedauert hat. Unklar bleibt auch, was Paddock dazu veranlasst hat, die Schüsse einzustellen. Zuvor war spekuliert worden, das Auftauchen des Wachmanns könne dazu geführt haben. Doch diese Erklärung ist nun hinfällig.

Laut Sheriff Lombardo wissen die Ermittler nicht, warum Paddock aufgehört hat. Auch sei dessen Motiv noch immer unklar. „Unser wichtigstes Ziel ist es, die Frage nach dem Warum zu klären“, sagte der Sheriff. Hilfe versprechen sich die Ermittler von Paddocks Bruder, der in der Stadt sei.

Darüber hinaus gebe es Hinweise auf die Einnahme von Medikamenten, sagte Lombardo. Genauere Angaben dazu könne er aber nicht machen. Der US-Sender CNN hatte zuvor berichtet, Paddock habe früher nächtelang in Spielcasinos gezockt und das Beruhigungsmittel Valium gegen Angstzustände genommen. CNN berief sich dabei auf ein Gerichtsdokument von 2013.

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