China treibt Bitcoin-Dealer in den Untergrund

in Wirtschaft

Bild: Mike Tyson mit seinem ersten Bitcoin-Geldautomaten in Las Vegas, USA

 

Um Kapitalflucht und Wirtschaftsflaute zu bremsen, hat Peking Kryptowährungen wie Bitcoin verboten. Doch die Investoren juckt das nicht: Sie lassen sich mit 4000 Prozent Rendite locken – in den Untergrund, wo sich Kriminelle tummeln.
 
Als die chinesische Finanzaufsicht Anfang September versuchte, Kryptowährungen wie Bitcoin den Todesstoß zu versetzen, hat es dem Cyber-Geld erst recht Leben eingehaucht. Schon damals war China die Hochburg des weltweiten Kryptohandels. Dutzende Firmen haben sich im Reich der Mitte bereits per Börsengang mittels digitaler Kunstwährungen, sogenannter Initial Coin Offerings (ICOs), Geld besorgt.

 

4000 Prozent Rendite

Dort geht der Handel munter weiter – und die Möglichkeiten für Kriminelle wachsen in den Himmel. Nur drei Tage nach dem Verbot fand beispielsweise auf einem Golfplatz in Peking ein Geheimtreffen mit einem halben Dutzend Krypto-Investoren statt. Eine Frau, die angeblich eine Logistikfirma vertrat, die sich Geld beschaffen wollte, versprach den potentiellen Anlegern das Blaue vom Himmel: In zwei bis drei Jahren könnten sie ihr Geld mehr als vervierzigfachen, lockte die Dame laut einem Mitschnitt der Präsentation, der der Zeitung vorliegt.

Chinas Finanzaufsicht hat bereits mehrere Börsen für Cyber-Geld geschlossen und geht mit aller Härte gegen dubiose Anbieter vor. Im Mai hob die Polizei in Haiku in Südchina einen Ring von Krypto-Betrügern aus, die laut der Provinzregierung 620 Millionen Dollar von 40.000 Anlegern für eine neue angebliche Währung namens „Asia-Europe Coin“ eingesammelt haben sollen. Die Gruppe soll versprochen haben, das Geld in weniger als einem Jahr zu verzweihunderfachen.

Trotz abstruser Renditeversprechen lassen sich viele Chinesen von solch dubiosen Angeboten locken. Heimliche Verkaufsgespräche, bei denen bis zu 100.000 Dollar pro Investor verlangt würden, fänden außer Sichtweite der Finanzaufsicht statt, berichtet das „WSJ“ unter Berufung auf Investoren und Händler, die zu solchen Treffen eingeladen waren. Die Anbieter hätten ihre Seminare, zu denen früher ganze Busladungen von Teilnehmern gekarrt wurden, unter dem Druck der Aufseher lediglich diskret zurückgestutzt, um weniger Aufsehen zu erregen.

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