Was wird verheimlicht? Deutschland sperrt NSU-Akten für 120 Jahre

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Von rt.com

Der hessische Verfassungsschutz hat einen für den NSU-Ausschuss des Landtags angefertigten Bericht mit einer ungewöhnlich langen Sperrfrist von 120 Jahren belegt. Offiziell sollen damit die Identitäten von Informanten geschützt werden.
Der hessische Verfassungsschutz hat einen für den NSU-Ausschuss des Landtags angefertigten Bericht mit einer ungewöhnlich langen Sperrfrist von 120 Jahren belegt. Offiziell sollen damit die Identitäten von Informanten geschützt werden.

Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet, sorgte ein interner Bericht des Landesamts für Verfassungsschutz für Wirbel im hessischen NSU-Untersuchungsausschuss. Der Geheimdienst hatte als Folge des Mordes an dem Kasseler Internetcafé-Betreiber Halit Yozgat im April 2006 geprüft, ob er zwischen 1992 und 2012 Hinweise auf den so genannten Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) übersehen oder sonstige Fehler im Kampf gegen Neonazis begangen habe. Der Deutschtürke wurde im April 2006 ermordet und war das letzte Opfer in der so genannten Ceska-Mordserie.
Spuren zum NSU will der Landesgeheimdienst nicht gefunden haben. “Dafür gestand der Dienst ein, manchen Informationen über Waffen- und Sprengstoffbesitz bei Rechtsextremen nicht zügig genug nachgegangen zu sein”, so die SZ. Der Bericht wurde mit einer ungewöhnlich langen Sperrfrist versehen. Ganze 120 Jahre lang soll der Inhalt der Analyse der Öffentlichkeit vorenthalten werden. Üblicherweise werden Geheimdienstakten für einen Zeitraum von 30 bis 60 Jahren gesperrt. Hinweise auf V-Leute, also Informanten, werden erst zehn Jahre nach dem Tod der Geheimdienstzuträger veröffentlicht. Bei unbekanntem Todeszeitpunkt eines Informanten gilt die Frist für 100 Jahre nach dessen Geburt.

Warum aber nun die lange Frist von 120 Jahren? Gegenüber der SZ begründete ein Sprecher des Verfassungsschutzes, es gehe um den Schutz der Zuträger, die bei einer Publikation in Gefahr gerieten.

Das klingt nicht auf Anhieb unplausibel”, merkt die SZ dazu an. “Fliegen Informanten auf, muss man ihnen ein Leben mit falscher Identität ermöglichen. Doch ist es so gut wie ausgeschlossen, dass selbst die Jüngsten aller Zuträger des hessischen Landesamtes in 120 Jahren noch am Leben sind. Stimmt, sagt der Behördensprecher. Aber auch ihren Nachkommen gebühre Schutz. Dass sich im 22. Jahrhundert irgendjemand am Enkel eines Dienst-Informanten rächen möchte, ist allerdings kaum zu erwarten.”

Fazit der Zeitung: “Die ungewöhnliche Frist nährt Verschwörungstheorien.”

Verfassungsschutzmitarbeiter unter Verdacht

Im Zentrum solcher Theorien steht vor allem die Personalie Andreas Temme, ehemaliger Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes. Für den Geheimdienst betreute er den V-Mann Benjamin Gärtner. Der Neonazi, zu dem der Verfassungsschützer ein Duz-Verhältnis unterhielt, zählt zum NSU-Netzwerk. Sein Name befand sich als Nummer Elf auf einer Liste von Verdächtigen, welche die Bundesanwaltschaft im Anschluss an den mutmaßlichen Selbstmord von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zusammengestellt hatte. Eine Befragung der von Temme geführten V-Leute durch die ermittelnde Polizei lehnte der damalige hessische Innenminister und derzeitige Ministerpräsident des Landes, Volker Bouffier, jedoch ab. Mit Gärtner hatte Temme am Tag des Mordes an Yozgat über zehn Minuten lang telefoniert.

Temme selbst saß während des Mordes in den hinteren Räumlichkeiten des Internet-Cafés. Als Einziger der Anwesenden hatte sich der Geheimdienstmann nach der Tat nicht als Zeuge gemeldet, weshalb kurzzeitig gegen ihn wegen Mordes ermittelt wurde. Die Ermittlungen wurden eingestellt, obwohl Temme hochverdächtig ist, in die Mordtat verwickelt zu sein, mindestens aber Falschaussagen über diese gemacht zu haben.

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Von der Bluttat will der Verfassungsschützer nichts mitbekommen haben. Temme will weder den Schuss gehört noch als erfahrener Waffenexperte die Schmauchspuren gerochen haben. Auch will er den sterbenden Yozgat nicht hinter der blutbefleckten Theke bemerkt haben, auf die er vor Verlassen des Cafés noch Münzgeld gelegt hatte.

Die im Februar 2015 erfolgte Veröffentlichung des Originalmitschnitts eines im Mai 2006 abgehörten Telefonats zwischen Temme und dem damaligen Geheimschutzbeauftragten des hessischen Verfassungsschutzes, Gerald-Hasso Hess, belastet Temme zusätzlich. Der Gesprächsinhalt legt nahe, dass er vorab über den Mord an Yozgat informiert war und daher zum Mordzeitpunkt am Tatort anwesend war. Vor allem folgende Aussage von Hess ließ aufhorchen:

Ich sage ja jedem: Wenn er weiß, dass irgendwo so etwas passiert, dann bitte nicht vorbeifahren.

Untersuchungen legen nahe, dass Temme lügt

Ob vor den verschiedenen NSU-Untersuchungssauschüssen oder vor dem Oberlandesgericht in München, wo Beate Zschäpe der Prozess gemacht wird: Temme blieb stets bei seiner Aussage, er habe von all dem nichts mitbekommen.

Wir wissen alle, dass dieser Mann lügt”, empörte sich der Vater des Getöteten, Ismail Yozgat, im Juni 2015 vor dem Oberlandesgericht München, wo Temme zuvor als Zeuge vernommen worden war. “Entweder hat Herr Temme meinen Sohn Halit Yozgat getötet oder gesehen, wie er getötet wurde.”

Mehr zum Thema:  NSU-Terror: Angehörige von Mordopfern verklagen deutschen Staat

Der Vater des Ermordeten steht mit seiner Ansicht nicht allein. “Der Zeuge lügt”, bewertete auch “Die Welt” die Aussage des Ex-Verfassungsschützers:

Allen im Saal ist das klar: der Verteidigung, den Bundesanwälten, den Richtern und den Nebenklägern. Andreas T. muss etwas gesehen haben, als er das Internetcafé verlassen hat. Das geht aus dem Polizeivideo, in dem er seinen Aufenthalt nachspielt und das im Gerichtssaal A101 vorgeführt wird, klar hervor. Der Ex-Verfassungsschützer kann die Leiche, die hinter einem hüfthohen Schreibtisch lag, gar nicht übersehen haben, als er das Café in Kassel verlassen hat. Und vielleicht hat er sogar den Mord selbst beobachtet.

Zu diesem Schluss kam auch eine aufwendige kriminaltechnische Untersuchung des in London ansässigen Forensic Architecture Institute. Für die Untersuchung wurde der Tatort originalgetreu rekonstruiert. Mithilfe des besagten Polizeivideos konnten die Fachleute das Sichtfeld von Temme am Computer nachstellen. Außerdem machten sie von Geräusch- und Geruchtests mit einer Pistole vom Typ Ceska 83 Gebrauch. Dasselbe Modell wurde als Tatwaffe benutzt. Ergebnis der Untersuchung: Temme muss die tödlichen Schüsse gehört und den sterbenden Halit Yozgat beim Verlassen des Cafés bemerkt haben. Etwaige strafrechtliche Konsequenzen haben sich daraus für Temme aber bisher nicht ergeben.

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6 Comments

  1. Warum wohl???

    Weil in 12o Jahren ALLE VERANTWORTLICHEN tot sind.

    btw
    Die Hess-Akten sollten ja auch 2017 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
    Und ich behaupte mal ganz frech, dass wird auch noch verlängert, bis die Zeitzeugen, die noch zu seinen ominösen Tod was sagen könnten auch alle tot sind.

    2099 könnten wir dann Deutsche evtl, aber auch nur evtl. mit der Wahrheit rechnen,
    wenn nicht durch Umvolkung dieses Land und UNSER Volk völlig verwüstet und vernichtet ist.

    Mit anderen Worten:
    WIR, als Deutsches Volk und Bürger werden von den aktuell Mächtigen dieser Welt NIEMALS die Wahrheit erfahren und sie werden alles erdenkliche dafür tun, dass es auch so bleibt.

  2. Richtig,”denn erst wenn wir ihnen “unsere Wahrheit” in ihre Geschichtsbücher
    und Ihre Gehirne geschrieben haben und diese “unsere Wahrheit” auch von den nachfolgenden Generationen geglaubt und als Wahrheit akzeptiert wird,erst dann, gilt ein Volk als besiegt und man man kann die Umerziehung als gelungen ansehen”
    Wie sagte der humpelnde Rheinländer:”..und nun Volk steh auf …………..”

  3. Man hat gezielt harmlose Ausländer umbringen lassen, um eine latente Angst zu erzeugen und Ausländer zur Rückkehr in die Ursprungsländer zu bewegen. Das ist Teil der Politik von Helmut Kohl gewesen, weil er davon überzeugt war, dass Deutschland die Hälfte der Ausländer wieder loswerden muss.

    Die Mordserie war eines der Maßnahmen.

    Wenn die NSU eine simple Terrororganisation gewesen wäre, dann hätte man dies einfach aufgeklärt, alles offengelegt und gut wär es gewesen.

    Vor allem, offiziell wird von nur 9 Morden gesprochen, es waren aber mindestens 180 und das ist nur, das was durchgesickert ist.

    Kohl war halt nicht nur ein korrupter Lügner und Arschloch sonder auch ein Massenmörder, der aber feige genug war, sein Verbrechen als Meuchelmord zu organisieren. Leider gibt es keine Hölle, die ihn aufnehmen kann, denn auch Höllen haben Anstandsregeln.

    Diese Handlanger, die dumm genug waren, die Meuchelmorde and völlig unschuldigen armen Menschen zu begehen, wurden am Ende des schändlichen Prozesses einfach durch eine dillettantisch fingierte Hinrichtung entsorgt.

    Diese Schande lastet auf Deutschland und wird mit der Zeit noch mehr zu einer Belastung werden, weil Deutschland für die nächsten 120 Jahre für ein Staatsterrorismus erpressbar bleibt.

    Die Blödel der Politik auch die meisten Deutschen, die ebenso verblödet und eingebildet sind, mögen es noch versuchen zu ignorieren, aber alle Spatzen pfeifen es von den Dächern. Es ist kein Geheimnis mehr.

    Was meint ihr, warum die Ausländer nicht so blöd sind auf “organisierte” Demonstrationen gegen Terrorismus sich massenhaft zu versammeln?

    Sie wissen ganz genau, dass sie auch hier in die Luft gejagt werden, und anschließend können dann wieder tolle Trauerreden geschwungen werden.

    Es gibt Fake-Anschläge wie in Orlando, Sandy-Hook etc. aber bei Ausländern macht man es mit echten Bomben. Die Menschen sind wacher, als sich der dumme #BND je wahrnehmen kann.

    Die deutschen “Nachrichtendienste” haben sich zu genauso schlimmen Verbrecherorganisationen gemausert wie MI6 und CIA.

    Das, was sich über die Mordserie von Kohl, genannt NSU-Morde, im allgemeinen rumspricht ist ja das eine, aber was die Nachrichtendienste der anderen Staaten darüber wissen und sie wissen sicher viel mehr als es sich der deutsche Dödel vorstellen mag, macht jede Regierung der BRD teilweise quasi handlungsunfähig. Vor allem die sog. “Partnerdienste” sind völlig involviert und werden dieses Kapital jederzeit einsetzen.

    Die BRD wird aus diesem Schlammassel nicht rauskommen und es sogar noch verschlimmern, weil sie in noch mehr Verbrechen der “Partnerdienste” reingezwungen werden kann.

    Was soll da faul sein? Es ist staatlich organisierter Massenmord und Terror. Es ist ein klarer Fall, aber auch eine unerträgliche Bürde für den Staat und die Bevölkerung.

    Mittlerweile ist eh alles scheissegal, weil die Uhr für die BRD ohnehin tickt. Wenn es so weiter geht, dann ist aus die Maus.

    #Karthago Syndrom! #Wasser & #Kohlenstoff-#Imperium!
    http://geoarchitektur.blogspot.com/2016/12/the-carthage-syndrome-water-carbon.html

  4. Von 11 Ermordeten waren 10 Türken und 1 Grieche. Alle waren seit vielen Jahren in Deutschland geboren oder ansässig. Es ist doch egal, ob nun Türken oder Deutschtürken. Waren nicht alle selbständig und betrieben irgendein Geschäft, wo sie natürlich mit vielen in Deutschland wohnhaften Landsleuten ob Türken oder Kurden ständigen Kontakt und selbst viel frei verfügbare Zeit hatten?
    Warum wurde nicht der Spur nachgegangen, daß diese Leute für den türkischen Geheimdienst gearbeitet haben könnten und bei den Ausspionierten aufgeflogen sind? Ob nun die grauen Wölfe oder die PKK Kontakt zu den beiden Uwes bekommen haben, müßten die Ermittlungen ergeben, die ja nicht zielgerichtet geführt worden sind. Warum nicht? Sind in dem Bericht die Namen der NPD-Verbindungsleute genannt, die den Kontakt zum angeblichen “NSU” hergestellt hat? Hat der Verfassungsschutz selbst eine Aktie daran? Denn den Schlapphüten konnte es doch nicht recht sein, wenn die türkischen “Kollegen” in Deutschland rumspionieren.
    Und vordergründige Ermittlungen unter bekannten PKK-Leuten oder grauen Wölfen wären wohl im Sande verlaufen, da für die Tatzeit auf jeden Fall wasserdichte Alibi vorhanden wären.
    Ich kann mir vorstellen, daß solche Erkenntnisse dem Verfassungsschutz eine soooo lange Sperrfrist wert sind.

  5. Temme hat auch die 4 Türken eingeschüchtert, die während des Mordes im Internet-Café saßen.
    Keiner von denen traut sich zuzugeben, dass Mundlos und Böhnhardt die Mörder sind.

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