„Hartz und herzlich: Einmal im Monat gibt es Pizza“: Schonungslose Sozialreportage über Hartz IV-Empfänger

in Medien

Die fünfköpfige Familie in Bitterfeld-Wolfen hat Sorgen. Mutter Yvonne hat eine Vorstufe von Gebärmutterkrebs, Vater Pascal ist arbeitslos und das Jobcenter will die polizeiärztlichen Zeugnisse für seine Bewerbung bei einer Wachschutzfirma nicht übernehmen. Die befürchteten rund 100 Euro dafür ließen sich von Hartz IV nicht so leicht abzweigen, finden sie.

Und Sohn Paul, auf seine schlechten schulischen Leistungen angesprochen, grinst nur typisch pubertär-uneinsichtig in die Kamera. Er steht kurz vor dem Hauptschulabschluss und es läuft nicht so rund. Ein besorgter Anruf der Mutter ergibt dann erfreulicherweise, dass er es doch geschafft hat: mit einer Fünf und sieben Vieren auf dem Abschlusszeugnis. Er ist trotzdem stolz. Denn er kommt von einer Förderschule und für ihn ist es etwas Besonderes und ein Erfolg, dass er sein Ziel überhaupt erreicht hat.

Die Hälfte der Bewohner bezieht Sozialleistungen

Das ist das Überraschende und Erfreuliche an diesem Format, dass es die Portraitierten nicht einfach „vorführt“, sondern zeigt, dass zweimal Hinschauen und –hören lohnt. Für die Reportagereihe „Hartz und herzlich“ hat RTL II sich erstmalig in die neuen Bundesländer begeben, nach Duisburg und Mannheim, und vier Monate lang Menschen in den Plattenbauten von Wolfen –Nord mit der Kamera begleitet. Von den rund 8.500 Bewohnern bezieht etwa die Hälfte Sozialleistungen.

Es wird gezeigt, wie es sich damit so leben lässt. Zum Beispiel, was tun bei horrenden Strom- oder Wassernachzahlungen, durch die der Wohnungsverlust droht? Hier scheint zumindest in einem der Fälle ein defekter Zähler der Grund gewesen zu sein. Nicht so nachvollziehbar und auch nicht mehr aufgeklärt in der Sendung dagegen der Fall, warum ein Kind der vierfachen Mutter Jenny nicht mehr in die Kita darf. Das Geld vom Amt, das diese Kosten eigentlich übernimmt, wurde nicht mehr bezahlt. Auch sie hatte außerdem auch eine hohe Nachforderung von Betriebskosten und gelobt fast schon rührend, dass sie das bei „Friseur und Nägeln“ einsparen will. Der Kühlschrank am Monatsende ist jedenfalls bestürzend leer.

Gezeigt wird, wie sie ihren Frust sehr offen an den Kindern auslässt, zum Beispiel mit einer an das Aschenputtel-Märchen erinnernden Sortieraktion von Spielzeug. Im Abspann erfährt der Zuschauer dann aber beruhigenderweise, dass sie sich mittlerweile vom Jugendamt unterstützen lässt. Sie habe erkannt, dass sie Hilfe braucht.

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4 Comments

  1. OK, habe ich mich doch tatsächlich verlesen ,-)

    Aber ich frage mich nun, wozu man für die Bewerbung bei einer Wachschutzfirma ein polizeiärztliches Zeugnis benötigt (auch, wenn eine gewisse körperliche Fitness sicher gewünscht ist).

    Wie mir google auf die schnelle verrät, ist das polizeiärztliche Zeugnis im Beamtenrecht zu finden und dient dem Nachweis einer Tauglichkeit zum Polizeidienst oder eben zur Feststellung eine Dienstunfähigkeit.
    Zuständig sind zudem Polizeiärztinnen/Polizeiärzte. Ich glaube kaum, dass die Untersuchungen für die Privatwirtschaft durchführen.

    Ich lasse mich aber auch gerne eines besseren belehren.

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