So viel zur Meinungs- und Künstlerfreiheit in Deutschland: „SZ“ trennt sich von Karikaturisten nach Netanyahu Karikatur

in Medien

Wenn Mohammed Karikaturen mit Bomben auf den Köpfen gezeichnet werden, feiert es die westliche Welt als Kunst und Meinungsfreiheit.

Wenn Jan Böhmermann den türkischen Präsidenten und das türkische Volk als „Schaf- und Ziegenfi**er“ und als pädophil und zoophil beleidigt, jubelt die deutsche Presse. Doch wehe, man kritisiert die israelische Kriegspolitik und Kriegsverbrechen gegenüber den Palästinensern.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hat Konsequenzen aus der „Antisemitismus-Kritik“ um eine Karikatur gezogen: Sie beendete ihre jahrzehntelange Zusammenarbeit mit dem Zeichner Dieter Hanitzsch.

Nach Kritik an einer als antisemitisch kritisierten Karikatur wurde „die jahrzehntelange Zusammenarbeit zwischen der ‚Süddeutschen Zeitung‘ und mir gestern gelöst“. Das teilte der Künstler Dieter Hanitzsch selbst heute auf seiner Facebook-Seite mit. Den Vorwurf des Antisemitismus wies er zurück. „Ich bereue die Karikatur nicht“, sagte der 85-Jährige dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“.

Die SZ-Chefredaktion gab als Grund für die Beendigung der Arbeit mit Hanitzsch „unüberbrückbare Differenzen“ an „darüber, was antisemitische Klischees in einer Karikatur sind“. Diese hätten sich nicht nur in der veröffentlichten Karikatur selbst, sondern auch in Gesprächen mit Hanitzsch gezeigt.

„SZ“ entschuldigte sich öffentlich

Die Zeichnung des Karikaturisten zeigt den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu in Gestalt der Gewinnerin des Eurovision Song Contest, Netta. Er hält eine Rakete mit Davidstern in die Höhe – in den Mund gelegt ist ihm der traditionelle jüdische Ausspruch „Nächstes Jahr in Jerusalem“. Netanyahu ist mit großen abstehenden Ohren dargestellt, was als antisemitisches Stereotyp gilt.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte sich nach massiver Kritik an dieser Darstellung bereits öffentlich entschuldigt. Hanitzsch wollte sich nach einem Bericht der „Jüdischen Allgemeinen Zeitung“ dagegen nicht entschuldigen.

Hanitzsch wies den Vorwurf zurück, er habe Netanyahu „typisch antisemitisch“ und in einer Weise dargestellt, die auch im „Stürmer“ hätte erscheinen können. Das sei eine üble Verleumdung. „Einen Netanyahu zu karikieren heißt, ihn nicht schöner zu machen als er ist. Das ist der Sinn der Karikatur. Sie soll verzerren“, sagte Hanitzsch. Er sei kein Antisemit, betonte er zugleich. „Natürlich bedauere ich es und tut es mir leid, wenn sich jemand verletzt fühlt. Mir ist bewusst, wie sensibel das Thema ist.“ Die Zeichnung zähle sicher nicht zu seinen Glanzstücken: „Aber was da jetzt alles hineingedichtet und interpretiert wird, ist völlig maßlos und im Kontext zu betrachten.“

Presserat entscheidet über den Fall

Inzwischen ist der Deutsche Presserat mit dem Fall befasst und wird ein Prüfverfahren einleiten. Wie eine Sprecherin dem epd sagte, gingen bislang sechs Beschwerden beim Presserat ein. Der Beschwerdeausschuss des Presserats entscheidet am 12. Juni über den Fall.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sieht „Assoziationen an die unerträglichen Zeichnungen der nationalsozialistischen Propaganda geweckt“. Auch wenn Karikaturen ironisieren und provozieren sollten, sei hier eine rote Linie überschritten worden, sagte Klein der „Bild“-Zeitung.

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