Racheakt für Syrien? Türkischer Polizist erschiesst russischen Konsulat in der Türkei – Putin ruft Geheimdienste zur Sondersitzung

in Kriminalität

Der russische Botschafter in der Türkei ist bei einem Anschlag in der Hauptstadt Ankara getötet worden. Andrei Karlow sei seinen Verletzungen erlegen, teilte das Aussenministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge mit.

Ein Angreifer hatte am Montagabend bei der Eröffnung einer Ausstellung in einer Galerie auf den Diplomaten geschossen. Der Attentäter erwähnt auf türkisch ausserdem „Allahu ekber. Vergisst Aleppo nicht. Vergisst Syrien nicht. Geht zurück! Jeder der für die Grausamkeit verantwortlich ist, wird ein nach dem anderen zur Rechenschaft gezogen.“

Hier das Video vom Attentat:

https://twitter.com/M3t4_tr0n/status/810896828375961600?ref_src=twsrc%5Etfw

Die russische Nachrichtenagentur Tass meldete unter Berufung auf Augenzeugen, der bewaffnete Mann sei in die Galerie eingedrungen, wo eine Ausstellung zum Thema «Russland, wie es von den Türken gesehen wird» eröffnet worden sei. Der Attentäter habe auf den 62 Jahre alten Diplomaten geschossen, als dieser seine Ansprache beendet habe. Karlow wurde in ein Spital gebracht, wo er starb.

Angreifer war Polizist

Laut einem Tweet des Bürgermeisters von Ankara war der Angreifer Polizist. Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete, er sei «neutralisiert» worden. «Neutralisiert» bedeutet im Sprachgebrauch der türkischen Behörden, dass er getötet, verletzt oder gefangen genommen wurde.

Der türkische Staatssender TRT berichtete, Spezialkräfte der Polizei seien nach dem Anschlag in die Galerie gestürmt. Auf Videos ist zu sehen, dass der Angreifer – der eine Pistole in der rechten Hand hält – Anzug und Krawatte trug.

Botschafter Andrei Karlow am Montag bei der Eröffnung einer Ausstellung in Ankara. (Bild: Burhan Ozbilici / AP)

 

Der Zwischenfall könnte ein Rückschlag für die bilateralen Beziehungen sein. Ankara und Moskau hatten sich zuletzt wieder deutlich angenähert, nach einer schweren Krise 2015. Damals hatte die Türkei einen russischen Kampfjet im Grenzgebiet zu Syrien abgeschossen, der Kreml verhängte Sanktionen.

An diesem Dienstag wollen die Aussenminister der Türkei, Russlands und des Irans in Moskau über den Syrien-Konflikt beraten. Treffen soll trotz des Attentats stattfinden, wie der ranghohe russische Parlamentsabgeordnete Leonid Slutski in Moskau nach einem Bericht der Agentur Interfax erklärte.

Erdogan informierte Putin

Präsident Recep Tayyip Erdogan seinen russischen Kollegen Wladimir Putin über die ersten Ermittlungsergebnisse informiert. Nach Angaben aus türkischen Regierungskreisen telefonierten beide Staatschefs am Montagabend miteinander. Einzelheiten des Gesprächs wurden nicht bekannt. Das türkische Aussenministerium betonte in einer Stellungnahme, man werde es nicht zulassen, dass der Anschlag «einen Schatten auf die türkisch-russische Freundschaft» werfe.

Die Syrien-Verhandlungen in Moskau sollen trotz des Anschlags wie geplant am Dienstag stattfinden. Das Treffen von Ministern der Türkei, Russlands und des Irans stehe weiter auf der Tagesordnung, sagte der russische Aussenpolitiker Leonid Sluzki am Montag nach Angaben der Agentur Interfax. «Trotz dieser Tragödie sollten wir konstruktiv arbeiten», sagte der Chef des aussenpolitischen Ausschusses der Staatsduma.

Moskau und Teheran unterstützen den syrischen Präsidenten Bashar Asad. Die Türkei will eine Zukunft für Syrien ohne Asad. Sluzki sprach sich auch für eine Fortsetzung der Beziehungen mit Ankara aus. Nach der Bluttat sei es wichtig, den «gesunden Menschenverstand» zu benutzen. Sein Kollege Viktor Oserow vom Sicherheitsausschuss sprach von einem Anschlag auf das russisch-türkische Verhältnis. Die Drahtzieher wünschten sich offenbar eine Eintrübung der bilateralen Beziehungen.

Der russische Staatspräsident Wladimir Putin hat daraufhin alle Geheimdienste in den Kreml, zu einer Sondersitzung zusammengerufen, berichten russische Medien.

Quelle: (dpa/afp), Facebook


Ihr wollt uns unterstützen? Dann klickt einfach HIER

loading...

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*