NSA war gestern: Smartphone-App bespitzelt Fußballfans in der Kneipe

in Medien

Von Timo Kirez von rt.com

Die spanische Liga hat über ihre App Zugriff auf die Smartphone-Mikros der Fans. Während diese nichtsahnend in der Kneipe ein Spiel gucken, schaltet sich das Mikro ein. So will man Kneipenbesitzer aufspüren, die keine Pay-TV-Gebühren zahlen.

Sie sitzen in ihrer Lieblingskneipe, vor Ihnen steht ein frisch gezapftes Pils, auf den Bildschirmen läuft gerade eine spannende Bundesligapartie – und plötzlich schaltet sich das Mikrofon Ihres Smartphones ein. Dabei heißen Sie weder Angela Merkel noch ist es der US-amerikanische Geheimdienst NSA, der da sein Unwesen treibt, sondern die Bundesliga.

Was nach einem neuen Agenten-Thriller von John Le Carré klingt, ist nun Realität geworden – zumindest in Spanien. Um Kneipenwirten, die keine Pay-TV-Gebühren zahlen, den Garaus zu machen, hat sich „La Liga“, das spanische Pendant zur deutschen Bundesliga, etwas ganz raffiniertes ausgedacht, nach dem Motto: Achtung, die Liga hört mit!

Jährlich dreistellige Millionenschäden durch Schwarzseher

Die App der spanischen Liga aktiviert das Mikrofon des Smartphones automatisch, wenn Liga-Spiele laufen. Sie kann anhand des Audio-Signals erkennen, ob der Nutzer gerade ein Fußballspiel schaut. Zudem kann die App auch den Standort des Nutzers lokalisieren – weiß also auch, in welcher Kneipe der Nutzer gerade das Spiel verfolgt.

So kann die Liga nun kontrollieren, ob der Kneipenwirt auch die fälligen Gebühren fürs Pay-TV zahlt. In Spanien tun das offenbar nicht alle – laut Angaben der spanischen Liga entsteht dieser durch „Schwarzsehen“ jährlich eine Schaden von 150 Millionen Euro.

Doch die Neugier der spanischen Liga ruft umgehend die Datenschützer auf den Plan. Ihr Vorwurf: Die Liga nutze Fans – noch dazu unbewusst – als verdeckte Informanten, als Spione, um Kneipenbesitzer zu überführen. Die Liga scheint bezüglich ihres Vorgehens indes keine Bedenken zu haben: Sie habe eine Verantwortung gegenüber den Vereinen – und habe die App deswegen mit dieser Funktion ausgestattet.

Funktion lässt sich über Einstellungen abschalten

Seit wann die spanische Liga mithört, ist nicht bekannt. Die Verantwortlichen wiesen jedoch darauf hin, dass die App nicht das reine Audio-Signal der Smartphones abgreife, sondern nur den sogenannten Binärcode. Somit sei die Privatsphäre der Nutzer nicht in Gefahr. Eine zweifelhafte Rechtfertigung.

In Spanien nutzen rund zehn Millionen Fans die Liga-App auf ihrem Smartphone. Durch das Bestätigen der Nutzungsbedingungen akzeptieren sie auch automatisch die „Abhöraktion“. Doch es gibt Hoffnung: Über die Einstellungen des Telefons lässt sich der Zugriff abschalten.

Achtung Ironie: Man munkelt, dass sich so mancher DFB-Funktionär eine ähnliche App wünscht – damit man vor Beginn der Weltmeisterschaft bezüglich der Causa Gündogan und Özil dem deutschen Fan ganz genau auf den Zahn fühlen könne.

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