Die Neuausgabe von Adolf Hitlers „Mein Kampf“: Auch heute noch gefährlich?

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70 Jahre nach dem Tod des deutschen Diktators im Jahre 1945 war es endlich so weit: Am 31. Dezember 2015 sind die Urheberrechte des Freistaates Bayern an Adolf Hitlers berühmt-berüchtigten Machwerk „Mein Kampf“ erloschen. Damit hat nun praktisch jeder Verlag die Möglichkeit, die Hetzschrift des österreichischen Tyrannen wieder neu aufzulegen. Um unkommentierten Fassungen vorherzukommen, die möglicherweise auch in die falschen Hände geraten könnten, hat sich das Münchner Institut für Zeitgeschichte dazu entschlossen, eine wissenschaftlich kommentierte und kritische Edition von „Mein Kampf“ auf den Markt zu bringen. Auf ca. 2.000 Seiten kann sich nun jeder seit dem 08. Januar 2016, dem Erscheinungsdatum der wissenschaftlichen Neuausgabe also, zum Preis von 59,00 € mit den kranken Ideen und Vorstellungen Hitlers selbst vertraut machen. Ein gewaltiger Fußnotenapparat sorgt dabei dafür, dass der Leser des Buches den zeitgeschichtlichen Kontext, die Quellen, auf die sich Hitler beruft und dessen tatsächliche Lebenslage näher und besser einordnen kann. Denn nach dem Ende des Dritten Reiches sind viele Mythen um den größenwahnsinnigen Diktator entstanden – als Beispiel sei nur die Lüge angeführt, Hitler habe es immer an Geld gemangelt und er habe sich in größter Armut befunden (tatsächlich erhielt er sogar eine recht üppige Waisenrente, aber es lässt sich halt wesentlich besser vermarkten, wenn man sich selbst als armen Schlucker darstellt, denn mit einer solchen Mitleidsmasche, so wird sich Hitler gedacht haben, kann man schließlich immer punkten –, mit denen die Neuausgabe des Instituts für Zeitgeschichte nun so richtig aufräumt.

Die Edition selbst kommt recht ansehnlich daher: Die Neuausgabe ist in zwei großen, hellgrauen Bänden erschienen. Die Bände glänzen insgesamt mit 1966 Seiten und umfassen sage und schreibe 3.500 Fußnoten, die den Haupttext von „Mein Kampf“ kritisch kommentieren. Wer es sich also wirklich antun will, der kann sich auf diesen 1966 die ganze kranke und perverse Wahnwelt Hitlers reinziehen – seinen erbarmungsloser Rassenhass, seinen mörderischen Antisemitismus, seine unendliche Wut auf die Welt und seinen Ekel vor all jenen, denen es im Leben besser ging als ihm.

Deutschland, seit jeher Land der ewigen Debatten und Kontroversen, streitet in diesen Tagen natürlich intensiv darüber, wie man die Neuausgabe einschätzen muss. Droht nach 70 Jahren immer noch eine starke, aber natürlich unheilvolle Faszination von diesem Buch auszugehen? Birgt die Neuausgabe die Gefahr, dass auch heutige Leser bei der Lektüre des Werkes fanatisiert werden? Oder ist die Panik nicht vielleicht doch völlig überzogen? Viele politische Kommentatoren meinen ja – und ich teile ihre Ansicht in diesem Fall –, dass nur noch hohle Neonazis sich auf dieses Schundwerk einen runterholen werden.

Hitlers „Mein Kampf“ – auch nach 70 Jahren ein gefährliches Werk, durch dessen Neuerscheinung als wissenschaftlich-kritische Edition nun die Deutschen wieder alle zu intelligenzbefreiten Antisemiten und Nazis werden? Wohl kaum. Im 21. Jahrhundert sehen die Gefahren, die von Propaganda ausgehen, ganz anders aus: Da wird so mancher unpolitischer Jugendliche eher durch „Rechtsrock“, also gitarrenlastige Musik von szenebekannten Neonazi-Bands wie „Landser“, zum begeisterten NPD-Anhänger. Und selbst die Terrormiliz „Islamischer Staat“ ködert neue Anhänger nicht mit uralten Büchern, sondern manipuliert sie durch den Einsatz von in Hollywood-Stil gedrehten Real-Life-Splatterfilmen. Man sieht also: Die moderne Propaganda der Gegenwart sieht anders aus und ist weit gefährlicher als irgendeine verstaubte Kampfschrift, die für sehr lange Zeit völlig zu Recht vergessen worden ist.

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Quellen:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/neuauflage-von-hitlerbuch-mein-kampf-als-kommentierte-fassung-14005875.html

http://www.ifz-muenchen.de/aktuelles/themen/edition-mein-kampf/

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