Selektive Trauer und Entrüstung? Nur Stunden vor den Anschlägen in Paris wurden über 40 Personen in Beirut vom IS getötet

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Es ist nicht nur Paris für das wir beten sollten, sondern für die ganze Welt.“

Kämpfer des Islamischen Staates haben nur Stunden vor den Anschlägen in Paris, bei denen hunderte von Menschen getötet und verletzt wurden, durch zwei Selbstmordattentate in Beirut mindestens 41 Menschen getötet und 239 schwer verletzt. Die Bombenanschläge waren die tödlichsten seit dem Ende des libanesischen Bürgerkriegs im Jahr 1990. Das Massaker in Paris, war das tödlichste in Frankreich seit dem 2. Weltkrieg.

Sie hatten es auf Zivilisten, Kirchgänger, Frauen und Senioren abgesehen. Es hat nur diese unschuldigen Menschen getroffen. Dies ist ein von Abtrünnigen ausgeführter satanischer und terroristischer Akt.“, sagte Bilal Farhat Parlamentsmitglied der Hisbollah der Nachrichtenagentur AP.

Es ist viel zerbrochenes Glas und viel Blut auf den Straßen, es ist wirklich eine Szene aus Chaos und Gemetzel.“, erzählte die Journalistin Tamara Qiblawi dem Sender CNN kurz nach den Explosionen.

Menschen trauen in Beirut nach dem Terroranschlag des IS, welches mehr als 40 Menschen das Leben kostete und dutzende schwer verwundete.
Menschen trauen in Beirut nach dem Terroranschlag des IS, welches mehr als 40 Menschen das Leben kostete und dutzende schwer verwundete.

Während die führenden Politiker der Welt die Anschläge in Paris einen „Angriff auf die Menschlichkeit und humanitären Werte“ nannten; war die Welt „vereint um den Terrorismus zu verurteilen“; es gab so viel Entrüstung in den sozialen Medien, dass den Nutzern von Facebook die Möglichkeit gegeben wurde, ihr Profilbild zu ändern, um Frankreich und die Pariser zu unterstützen; es gab von den Mainstream-Medien eine 24-Stunden-Berichterstattung über das Ereignis – sie machten Überstunden um über jedes noch so kleine Detail und die Flut an Emotionen vor Ort berichten zu können – der terroristische Großangriff auf Beirut wurde ignoriert – durch genau die „Menschlichkeit“ die Solidarität mit den Menschen Frankreichs zeigte. Die Bombenanschläge im Libanon zogen keine Tweets oder Stellungnahmen der Weltpolitiker, keine Empörung in sozialen Medien, keine 24-Stunden-Berichterstattung und keine globalen Nachrichten über Solidarität und Mitgefühl für die Menschen im Libanon nach sich.

Die Welt und die Medien haben den Angriff auf die Menschlichkeit im Libanon nicht nur ignoriert, sondern es auch nicht geschafft einen Helden zu bemerken – Adel Termos – der im Bruchteil einer Sekunde eine Entscheidung gefällt hat, die unzählige Leben gerettet hat. Er war auf dem Markt mit seiner kleinen Tochter. Keiner von beiden überlebte.

Er hat einen überwältigt und den 2. Selbstmordattentäter dazu gebracht sich in die Luft zu sprengen. Es gibt so viele Familien, wahrscheinlich hunderte von Familien, die ihre Rettung seinem Opfer verdanken.“

RIP Adel Termos der sich geopfert hat, in dem er einen Selbstmordattentäter, der bereit dazu war 100 im Libanon zu töten, überwältigt hat pic.twitter.com/Mjz28LtzOT — sofie (@faketual) November 14, 2015

Wie erklären wir unsere Identifizierung mit dem Leid der Franzosen und unsere offensichtliche Gleichgültigkeit mit dem Leid der Libanesen? Wie erklären wir unsere Gleichgültigkeit mit dem Leid von Menschen – farbigen und religiösen?

Ein politisch inkorrekter Blog von Joey Ayoub, trifft bei unserer selektiven Trauer und Entrüstung und doppelten Standards genau ins Schwarze:

Das waren zwei schreckliche Nächte. In der ersten verloren mehr als 40 ihr Leben in Beirut und in der zweiten verloren mehr als 100 ihr Leben in Paris.

Es scheint klar für mich, dass für die Welt der Tod meiner Leute in Beirut nicht so wichtig ist wie der Tod meiner Leute in Paris.

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Wir“ bekommen keinen „safe button“ auf Facebook. „Wir“ bekommen keine spätabendlichen Stellungnahmen von den mächtigsten Männern und Frauen auf der Welt und Millionen von Online-Nutzern.

Wir“ ändern keine Politik, die das Leben zahlloser unschuldiger Flüchtlinge betrifft.

Das könnte nicht klarer sein.

Ich sage das nicht aus Verbitterung, sondern aus Trauer.

Warum hat Facebook einen „Safety Check“ für #ParisAttacks aber nicht für  #BeirutBombing bereitgestellt?  Die indische Bloggerin Karuna Ezara Parikh hat auf die Anschläge in Beirut mit einem Gedicht reagiert das sich rasend schnell verbreitete: “Es ist nicht nur Paris für das wir beten sollten, sondern für die ganze Welt. Es ist eine Welt in der Beirut, erschüttert durch Bombenanschläge … nicht in der Presse auftaucht. Eine Welt in der eine Bombe auf einer Beerdigung in Bagdad explodiert und nicht eine einzige Person ihren Status in „Bagdad“ ändert, weil keine weiße Person dabei umkam…”


Werden eure Flaggen heute Abend in rot, weiß und grün leuchten, um Solidarität mit den Menschen im #Lebanon @SydOperaHouse? pic.twitter.com/4VskGQ2VlS zu zeigen — Anthony Yacoub (@TrickyFC) November 15, 2015

Dieser Google Trendgraph verdeutlicht die Einseitigkeit – und was mit uns falsch läuft – :
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Update: In einem Post auf Facebook, hat Alex Schultz, Vizepräsident für Wachstum, versucht die Kritik daran „Safety Checks“ für Paris einzurichten aber nicht für Beirut, etwas zu unterdrücken. Alex konnte jedoch nicht erklären warum die Farboption für Profilbilder für Paris aber nicht für Beirut verfügbar war.

Gestern aktivierten wir den „Safety Check“ für Paris, damit die Leute ihre Freunde und Familien wissen lassen konnten das sie …

Posted by Facebook Safety am Samstag, 14. November 2015

Währenddessen haben Israelische Streitkräfte über 100 Palästinenser angeschossen, die bei den Demonstrationen im Westjordanland und Gaza teilgenommen haben, die am gleichen Tag wie die IS Attacken in Paris stattfanden. Laut Ma’an(Nachrichtenagentur), haben die israelischen Streitkräfte „mit Gummi beschichteten Stahlkugeln und Kaliber .22 Munition auf die Hauptanstifter geschossen“ nachdem sich Demonstranten im palästinensischem Territorium und im angrenzendem Gazastreifen geweigert haben zu stehen zu bleiben. Diese Nachrichten findet man nirgends in den Mainstream- oder sozialen Medien. Werden Palästinenser nicht als Menschen gezählt?

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