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Der Robin Hood der Wissenschaft. Wie eine mutige Nachwuchsforscherin die Welt der Wissenschaft aufmischt

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Jeder von uns kennt ihn: Robin Hood, den berühmt-berüchtigten Helden von Sherwood Forest, der die Reichen bestiehlt und ihre Besitztümer unter den Armen und Bedürftigen verteilt. Würde man weiter überlegen, welche heldenhaften Wohltäter einem sonst noch so einfallen, müsste man lange überlegen – alleine der heilige Sankt Martin, der, so will es die Erzählung, seinen Mantel mit einem Bettler geteilt hatte, würde einem vielleicht noch in den Sinn kommen. Doch moderne Wohltäter á la Robin Hood scheint es nicht zu geben.

 

Doch halt! Nicht so voreilig! Auch wenn in unserer schnelllebigen Gegenwart Wohltäter und Menschenfreunde rar geworden sind, kursiert dennoch gerade die Geschichte einer Heldin, die den Wissenschaftsbetrieb momentan wohl wie kein Zweiter aufmischt. Die Rede ist von Alexandra Elbakyan, einer jungen kasachischen Neurowissenschaftlerin, die 2011 die Webseite Sci-Hub ins Leben gerufen hat – ein Archiv, das den kostenlosen Zugang zu wissenschaftlichen Fachaufsätzen ermöglicht, die anderswo im Netzt nicht ohne die Zahlung von Geld zu bekommen wären, da sie unter Urheberrecht stehen. Es gibt nur ein Problem mit Sci-Hub: Aufgrund der Urheberrechtsverletzung ist die Seite – man ahnt es schon – illegal.

 

Man kann den Mut und das enorme Engangement der jungen Kasachin nur bewundern. Doch ihre heroische Aktion rief natürlich schnell Gegenspieler auf den Plan, die sich die unbestreitbar illegale Handlung nicht gefallen lassen wollten. So klagte der Fachverlag Elsevier gegen und konnte im vergangenen November vor einem Gericht in New York die Sperrung der .org-Domain von Sci-Hub durchsetzen. Doch dieses Gerichtsurteil konnte die findige Kasachin nicht aufhalten: Mittlerweile ist Sci-Hub unter der Adresse www.sci-hub.io wieder für jedermann zugänglich. Elbakyan zumindest hat vorerst Glück gehabt: Da sie nicht in den Vereinigten Staaten lebt, kann ihr die US-Justiz auch so schnell nichts anhaben.

 

Das Verlagssystem ist etwas komplex, daher hier eine kleine Erklärung: Wissenschaftler senden ihre Fachaufsätze an solche Verlage wie Elsevier, die dann dafür sorgen, dass diese Aufsätze einen anonymen, wissenschaftlichen Begutachtungsprozess – das sogenannte Peer-Review – durchlaufen. Außerdem übernehmen die Verlage den Satz und den Druck. Besteht der Fachaufsatz das Peer-Review, kann er publiziert werden. Den Zugang zu den Fachzeitschriften, also die Lizenz, erwerben die einzelnen Bibliotheken und Universitäten wiederum für viel Geld von den wissenschaftlichen Fachverlagen. Die Autoren der Aufsätze sind am Ende die Dummen, denn für die Veröffentlichung ihrer Aufsätze sehen sie letztlich keinen müden Cent – ihnen bleibt nur das stolze Gefühl, in einer Fachzeitschrift mit exzellentem Ruf publiziert zu haben. Dass dieses ganze System schon Kritiker auf den Plan gerufen hat, versteht sich von selbst: 2012 hatte die berühmte Harvard University die Nase voll und kündigte an, keine Zeitschriften mehr erwerben zu wollen, die sich hinter einer von den Verlagen auferlegten kostenpflichtigen Nutzerschranke – der Pay-Wall also – verbergen.

 

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Im Schatten des maroden Verlags- und Publikationssystems kann Elbakyans Webseite prächtig gedeihen. Rund 47 Millionen wissenschaftliche Arbeiten sind auf Sci-Hub schon öffentlich zugängig. Tendenz wohl eher steigend als fallend! Anerkennend spricht der Journalist Simon Oxenham in Bezug auf die junge Kasachin Elbaykan schon von dem „Robin Hood of Science“, dem „Robin Hood der Wissenschaft“ also.

 

Wie soll man das Handeln der zielstrebigen und wahrheitsliebenden Forscherin nun beurteilen? Aus juristischer Sicht handelt es sich bei ihrer Aktion um eine strafbare Handlung, soviel steht zweifellos fest. Aber gerade hier zeigt sich, wie sehr Recht und Moral doch manchmal auseinanderklaffen können, denn mit ihrer Wissenschaftspiraterie hat sie unzähligen Studenten, Professoren, Dozenten und sonstigen Wissenschaftlern einen wahrhaft großen Dienst erwiesen. Mit der Gründung von Sci-Hub hat sie unter Beweis gestellt, was ihr die Wissenschaft letztlich bedeutet. Einen schöneren Beweis für ihre Liebe zur Wissenschaft hätte sie also gar nicht antreten können. Dem jungen „Robin Hood der Wissenschaft“ ist also für ihren weiteren Lebensweg alles Gute zu wünschen – und natürlich bleibt zu hoffen, dass sie vor den gierigen Klauen der US-Justiz auch in Zukunft verschont bleiben möge. Ihr – und nicht zuletzt auch der Wissenschaft und der Forschung – wäre es zu wünschen.

 

 

Quellen:

http://www.zeit.de/digital/internet/2016-02/sci-hub-open-access-wissenschaft-paper-gratis

http://bigthink.com/neurobonkers/a-pirate-bay-for-science

http://www.sci-hub.io

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