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Tod

Trefft die Frau, die als Teenager Nazis bis zum Tod verführt hat

in Welt
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Freddie Oversteegen war erst 14 Jahre alt, als sie dem Niederländischen Widerstand gegen die Nazis als Kämpferin während des Zweiten Weltkriegs beitrat, an der Seite ihrer Schwester Truus [die zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre alt war]. Aber der ‚Widerstand‘ der Oversteegen-Töchter war wirklich tödlich – die beiden Schwestern flirteten mit Nazi-Kollaborateuren, lockten sie mit ihrer Verführungstaktik in den Wald und halfen ihren männlichen Mitkämpfern dabei, die Feinde zu exekutieren.

Diese unglaubliche Mission begann, als ein Mann zu Besuch bei Freddies Familie war und ihre Mutter frage, ob die beiden Schwestern dem Widerstand beitreten könnten. Sein Argument war, dass aufgrund ihres Geschlechts und ihres Alters niemand mutmaßen würde, dass sie Nazi-Killerinnen sein könnten. Sie erzählte dem Online-Magazin VICE:

„Ich dachte, dass wir eine Art geheime Armee aufstellen würden. Der Mann, der an unsere Haustür klopfte, sagte, dass wir militärisches Training absolvieren würden; und sie haben uns ein oder zwei Dinge beigebracht. Jemand hat uns gezeigt, wie man schießt und wir lernten, wie man in den Wäldern marschiert. Es gab damals ungefähr sieben von uns – Hannie [eine der bekanntesten Widerstandskämpferinnen des Zweiten Weltkriegs] war noch nicht ein Teil der Truppe und wir waren die einzigen Mädchen.“

Ein bestimmtes Ereignis aus dem Krieg, das in Freddies Erinnerung haften geblieben ist, war das eine Mal, als ihre Schwester ein „hohes Tier“ bei den Nazis verführt hat. Ihre Rolle war es dabei, Schmiere zu stehen an einem Aussichtspunkt in den Wäldern, um sicherzugehen, dass niemand kommt. Sie erinnert sich:

„Truus hatte ihn in einer teuren Bar kennengelernt, ihn verführt und ihn dann mit zu einem Spaziergang in die Wälder genommen. Sie fragte ganz unschuldig: ‚Wollen wir einen Spaziergang machen?‘ Und natürlich wollte er das. Dann haben sie jemanden getroffen – es war so inszeniert, dass es wie ein Zufall aussah, aber er war einer der Unseren – und dieser Freund sagte zu Truus: ‚Mädchen, du weißt doch, dass du nicht hier sein sollst.‘ Wir haben uns entschuldigt, uns umgedreht und sind weggegangen. Und dann wurden Schüsse abgefeuert; der Mann hat nie erfahren, wer oder was ihn getroffen hat.“

Einer niederländischen Zeitung zufolge haben sich die Oversteegen-Töchter auch um Menschen gekümmert, die sich verstecken mussten. Außerdem haben sie als Kurierinnen Nachrichten an eine Untergrundarmee ausgeliefert, Waffen transportiert und jüdische Kinder an sichere Orte begleitet. Später waren die Schwestern dann aktiv an Sabotageakten und Angriffen beteiligt.

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Nach dem Krieg wurde Hannie Schaft zu einer unangefochtenen Heldin des Niederländischen Widerstands. Ein Film wurde über sie gedreht; er trägt den Titel Das Mädchen mit dem roten Haar. Außerdem wurde sie mit großen Ehren bedacht und in der Anwesenheit von Königin Wilhelmina und Prinz Bernhard von den Niederlanden (wieder)begraben. In mehr als 15 Städten in den Niederlanden gibt es Straßen, die nach ihr benannt worden sind.

Aus Truus wurde eine Bildhauerin und Sprecherin bei Gottesdiensten im Gedenken an den Krieg. Aber Freddie, die heute 90 Jahre alt ist, hat niemals die Anerkennung erhalten, die sie für ihre Teilnahme am Widerstand verdient gehabt hätte – zumindest bis der holländische Filmemacher Thijs Zeeman sich dazu entschloss, sie und ihre Schwester zu den Protagonistinnen seiner letzten TV-Dokumentation zu machen: Two Sisters in the Resistance (etwa: Zwei Schwestern im Widerstand).

Im Jahr 2014 erhielten die Schwestern das Mobilisierungs-Kriegskreuz (Mobilisatie-Oorlogskruis) für ihre Widerstandshandlungen während des Zweiten Weltkriegs. Zu dieser Gelegenheit nannte Mark Rutte, der Premierminister der Niederlande, die Auszeichnung ein Symbol der Dankbarkeit der gesamten Nation:

„Ihr seid beide Heldinnen. Es steht ohne Zweifel fest, dass ihr beide außergewöhnlichen Mut gezeigt habt. Dank euch – und auch dank Menschen wie euch – leben wir seit 1945 in Freiheit, das ist die größte Errungenschaft unseres Verfassungsstaates.“

Freddie wird jedes Jahr am nationalen Gedenktag in den Niederlanden geehrt. Als der VICE-Reporter Noor Spanjer sie fragte, was ihr durch den Kopf geht, während bei der Zeremonie zwei Minuten Stille herrschen im Andenken an die Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs gekämpft haben und gestorben sind – und auch in anderen Kriegen im Allgemeinen – da antwortete sie geradeheraus:

„Nichts, ich schalte meinen Kopf einfach vollständig ab. Und dann denke ich an die Tatsache, dass viele Menschen gefallen sind. Ich erinnere mich daran, wie die Menschen aus ihren Häusern geholt wurden. Die Deutschen haben mit den Kolben ihrer Gewehre an die Türen gehämmert – das hat so einen Lärm gemacht; man konnte es in der ganzen Nachbarschaft hören. Und sie haben dabei immer geschrien – das war sehr beängstigend.“

Übersetzt aus dem Englischen von AnonHQ.com.

Quellen:

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Ihr wusstet garantiert nicht, dass die Menschheit diese 10 Spezies ausgerottet hat

in Tierrechte
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Eine Kombination aus menschengemachten Klimaveränderungen, Jagd und der Zerstörung von Lebensräumen hat die Zukunft von vielen Arten gefährdet, die zu den weltweit einzigartigsten und am meisten beeindruckenden gehören. Dadurch erhöht sich der Druck auf nie dagewesene Weise auf die schwindenden Populationen.

Titelbild: Menschen töten aus Spaß und weil es ‚männlich‘ ist.

Der zerstörerische Einfluss unserer Spezies auf den Planeten kann nicht geleugnet werden. Die Rate der Ausrottung der Arten, die unsere Erde bevölkern, ist wohl das deutlichste Beispiel, das diese Aussage unterstützt. In den vergangenen 40 Jahren sind ungefähr 50 Prozent der Spezies von der Erde verschwunden. Laut einer Analyse des WWF sind die Gründe dafür der Verlust von Lebensraum und nicht nachhaltiges Jagen.

Eine Kombination aus menschengemachten Klimaveränderungen, Jagd und der Zerstörung von Lebensräumen hat die Zukunft von vielen Arten gefährdet, die zu den weltweit einzigartigsten und am meisten beeindruckenden gehören. Dadurch erhöht sich der Druck auf nie dagewesene Weise auf die schwindenden Populationen. Experten schätzen, dass der rapide Verlust von Arten zwischen 1.000-mal und 10.000-mal höher ist als die Rate des natürlichen Artensterbens. Das führt dazu, dass viele das Schicksal unseres Planeten im Angesicht dieser aktuellen Massenausrottungen infrage stellen.

„Anders als das massive Artensterben aus vergangenen Zeiten, das von Ereignissen wie Einschlägen von Asteroiden, Ausbrüchen von Vulkanen und natürlichen Klimaänderungen verursacht wurde, ist die aktuelle Krise fast ausschließlich von uns verursacht worden – von den Menschen“, erklärt das Zentrum für biologische Vielfalt (Center for Biologial Diversity). „Tatsächlich sind 99 Prozent der aktuell vom Aussterben bedrohten Arten aufgrund von menschlichen Aktivitäten gefährdet. Dabei handelt es sich in erster Linie um jene Aktivitäten, die den Verlust von Lebensraum vorantreiben, sowie das Einführen von exotischen Arten und die globale Klimaerwärmung.“

Während viele dieser bedrohten Arten den meisten bekannt sind – der Elefant, das Nashorn, der Silberrückengorilla – ist die Mehrzahl der Arten, die von der Erdoberfläche verschwunden sind, ausgestorben, ohne dass wir davon Notiz genommen hätten. Wir zeigen euch hier 10 erst kürzlich ausgestorbene Arten, die ihr mit großer Wahrscheinlichkeit nicht kennt – oder gekannt habt.

Bild: Wikimedia Commons, Staycoolandbegood (Lizenz: CC0, Public Domain)

Westafrikanisches Spitzmaulnashorn

Dabei handelt es sich um eine Untergattung des Spitzmaulnashorns. Das westafrikanische Spitzmaulnashorn ist aufgrund von Wilderei und der steigenden Nachfrage nach dem Horn des Nashorns ausgestorben. Das letzte Exemplar der Spezies wurde im Jahr 2006 in Kamerun gesichtet. Die Untergattung wurde nur fünf Jahre danach von der Weltnaturschutzunion (IUCN, International Union for Conservation of Nature) von der Roten Liste der bedrohten Arten gestrichen und somit für ausgestorben erklärt.

Bild: Wikimedia Commons, United States Fish and Wildlife Service

Schwarze Strandammer

Die schwarze Strandammer ist dem Verlust ihres Lebensraumes zum Opfer gefallen. Einst war sie ein gewöhnlich vorkommender Singvogel in Südflorida. Die letzten fünf noch übriggebliebenen schwarzen Strandammern waren allesamt männlich. Sie wurden gefangen und im Jahr 1979 in das Discover Island-Naturreservat im Walt Disney World-Resort gebracht. Diese fünf letzten Vögel verbrachten ihren Lebensabend in dem Reservat. Die letzte schwarze Strandammer, die auf den Namen „Orange Band“ getauft worden war, verstarb schließlich im Jahr 1987.

Die Anzahl der schwarzen Strandammern begann signifikant zu sinken, kurz nachdem die Nistgründe der schwarzen Strandammern geflutet wurden. Dies geschah, weil man damit versuchen wollte, die Moskitopopulationen in der Nähe des Kennedy Space Center zu reduzieren. Man geht davon aus, dass der Verlust des Lebensraums, Verschmutzung und Pestizide dazu beigetragen haben, dass die Anzahl der Vögel kontinuierlich abgenommen hat.

Bild: Wikimedia Commons, ja:Nikensei (Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Japanischer Seelöwe

Er wurde gejagt, um an seine Haut heranzukommen, an seine Schnurrhaare, die inneren Organe und sein Fett. Zum letzten Mal ist der japanische Seelöwe lebend im Jahr 1951 gesehen worden, als eine Population von 50 bis 60 Seelöwen auf der Insel Takeshima gesichtet wurde.

Die Anzahl der Exemplare dieser Population ist in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts aufgrund von übermäßiger Befischung drastisch zurückgegangen. Der Japanische Seelöwe wurde nicht nur gejagt, sondern auch oft von den ihn verfolgenden Fischern abgeschossen worden – und er ist auch für den Zirkushandel eingefangen worden.

Bild: Wikimedia Commons, U.S. Fish and Wildlife Service

Mariana-Wildente

Die Mariana-Wildente war auf den westpazifischen Inseln Guam, Tinian und Saipan beheimatet. Diese Entenspezies wurde im Jahr 2004 für ausgestorben erklärt. Die letzte aufgezeichnete Sichtung der Mariana-Wildente liegt noch weiter zurück und stammt aus dem Jahr 1981.

Obwohl wenig über die Spezies bekannt ist, geht man davon aus, dass die unverhältnismäßige Jägerei und der Verlust des Lebensraumes auf die Veränderungen der Landmasse zurückzuführen sind – etwa auf die Bombardements und das Artilleriefeuer aus dem Jahr 1944 – und auf die lokale Stadtplanung.

Bild: Flickr, Vince Smith (Lizenz: CC BY 2.0)

Riesenschildkröte von der Insel Pinta

Die Riesenschildkröte von der Insel Pinta ist eine Untergattung der Riesenschildkröte. Sie war auf der entsprechend benannten Galapagos-Insel beheimatet. Das bevorstehende Aussterben der Riesenschildkröte von der Insel Pinta erlangte weltweite Aufmerksamkeit aufgrund der Geschichte von Lonesome George („der einsame George“); die letzte überlebende Riesenschildkröte von der Insel Pinta, die im Jahr 1972 gefunden worden war und in das Charles Darwin-Forschungszentrum gebracht worden war.

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Lonesome George starb im Jahr 2012 in der Blüte seines Lebens. Diese Untergattung kann bis zu 200 Jahre alt werden. Es ist nicht vollständig geklärt, was den verfrühten Tod von Lonesome George letztendlich verursacht hat. Es wird jedoch vermutet, dass er einen Herzinfarkt erlitten haben könnte.

Bild: Flickr, Biodiversity Heritage Library (Lizenz: CC BY 2.0)

Riesenalk

Der Bestand dieser Spezies galt als robust – bis der Riesenalk aufgrund von Überjagung in die Ausrottung getrieben wurde. Er war aufgrund seines Fleisches und seiner Federn sehr beliebt. Dieser ungewöhnliche, flugunfähige Vogel konnte entlang des Nordatlantiks aufgespürt werden. Obwohl der Vogel große Ähnlichkeit mit dem Pinguin hat – er wurde tatsächlich als der „ursprüngliche Pinguin“ bezeichnet – handelt es sich bei dieser Spezies um einen Seevogel.

Da der Vogel flugunfähig war und noch dazu behäbig an Land, konnte der Riesenalk nicht vor den Menschen fliehen, die ihn jagten. Der letzte lebende Riesenalk wurde im Juni des Jahres 1844 auf der Insel Eldey vor Island getötet.

Bild: Wikimedia Commons, U.S. Fish and Wildlife Service

Die Goldkröte

Die Goldkröte war einst eine häufig anzutreffende Spezies in der Reserva Biológica Monteverde in Costa Rica. Sie lebte in großer Zahl im elfenhaften Nebelwald, doch ihre Population erfuhr einen dramatischen Rückgang aufgrund der globalen Erwärmung, der Luftverschmutzung und ihrer beschränkten Reichweite.

Berichten zufolge hat sich diese Art zum letzten Mal in normaler Anzahl im Jahr 1987 vermehrt. Die letzte Goldkröte war ein Männchen und wurde im Jahr 1989 gesichtet. Seitdem waren selbst gründliche Suchexpeditionen an den wohlbekannten Brutstellen nicht von Erfolg gekrönt. Die Spezies wurde dann später im Jahr 2004 für ausgestorben erklärt.

Bild: Wikimedia Commons, Andries Hoogerwerf

Der Java-Tiger

Der Java-Tiger war für seine langen Schnurrhaare berühmt und ist eine Untergattung, die von der indonesischen Insel Java stammte. Der Java-Tiger war kleiner als seine Artgenossen auf dem Festland und ist ausgestorben, weil die Wälder abgeholzt wurden. Im Jahr 1938 waren rund 23 Prozent der Insel von natürlichen Wäldern bedeckt; im Jahr 1975 jedoch waren nur mehr 2 Prozent des Waldes übrig.

Die Überlebenssituation der Art spitzte sich weiter zu, als seine wichtigste Beute – der Hirscheber – in den 1960er Jahren aufgrund von einer Seuche in einer Vielzahl von Reservaten und Wäldern dahingerafft worden ist. Der Java-Tiger ist dann bis zum Jahr 1970 ausgestorben.

Der Abschied vom Baiji, der Flussdelfin im Yangtze-Fluss | Museum für Naturgeschichte

Chinesischer Flussdelfin Baiji

Der Baiji-Delfin, ebenfalls bekannt unter dem Namen chinesischer Flussdelfin, ist ein Süßwasserdelfin, der im Yangtze-Fluss in China lebte. Als einziger lebender Vertreter der Familie der Lipoditae ermöglichte der Baiji-Delfin einen einzigartigen Einblick in die Evolution der Wale, der Delfine und der Tümmler. Das vorzeitige Ableben der Spezies steht für das Ende einer ganzen Säugetierfamilie.

Der Baiji-Delfin wurde im Jahr 2006 für ausgestorben erklärt. Der Bestand an lebenden Exemplaren hatte sich im Verlauf der davor vergangenen 50 Jahre rapide verringert. Gründe dafür waren die Verschmutzung, sowie der alles andere als nachhaltige Beifang aufgrund von zerstörerischen Fischereimethoden.

Der Magenbrüterfrosch: Wie man eine Spezies von den Toten wieder auferweckt

Der Magenbrüterfrosch

Der Magenbrüterfrosch war für seine ungewöhnliche Art der Fortpflanzung bekannt. Man geht davon aus, dass er im Jahr 1983 ausgestorben ist. Dieser mittelgroße wasserbewohnende Frosch ist in der Wildnis seit 1981 nicht mehr gesichtet worden. Der Magenbrüterfrosch stammt aus Australien und konnte in den Gebieten mit Regenwäldern und feuchten Hartlaubwäldern in Blackall Range, Conondale Range und D’Aguilar Range aufgestöbert werden.

Obwohl es noch immer nicht vollständig geklärt ist, was genau ihren Rückgang verursacht hat, geht man davon aus, dass Seuchen, Störungen im stromaufwärts gelegenen Wasser und die Abholzung zum Tod der Frösche beigetragen haben. Im Jahr 2013 wendeten Forscher erfolgreich Genomtechnologie an, um die ausgestorbene Art wieder zum Leben zu erwecken. Obwohl die Embryos, die aus dem Projekt hervorgingen, kaum länger als nur ein paar Tage überlebten, hat dieser erste Erfolg den Wissenschaftlern einen Weg bereitet, um bedrohte Spezies zu retten – und sogar einige der weltweit bereits ausgestorbenen Tierarten wieder zum Leben zu erwecken.

Übersetzt aus dem Englischen von AnonHQ.com.

Quellen:

 

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Am besten liest du das hier, bevor die Medien einen ertrunkenen Flüchtlingsjungen dazu benutzen, einen weiteren Krieg anzuzetteln

in Medien
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Von Dan Sanchez @ theantimedia.org

Übersetzt ins Deutsche von Murphy


Ein kleinkindlicher Junge wird zu Strandgut. Angespült an die Küste, das Gesicht vergraben im Matsch. Seine Familie, vor dem syrischen Zivilkrieg Flüchtende, versuchten Griechenland zu erreichen, allerdings kenterte ihr überfülltes Boot im Mittelmeer und er ertrank mitsamt seinem Bruder und seiner Mutter. Das lebhafte Bild des leblosen kleinen Körpers des 3-jährigen Aylan Kurdi an einem türkischen Strand hat das Gewissen des Westens erschüttert und Amerikas Aufmerksamkeit auf die Flüchtlingskrise gezogen, die im Moment Europa ins Schwanken bringt.

Eine Kurzmeldung an die unbewusste Bevölkerung der Machtprojektion der „Freien Welt“: So sieht Krieg aus. Nur etwa zehn Millionen Mal krasser. Das was für uns und unsere Regierung „Außenpolitik“ ist, ist für die, die diese erfahren müssen Verzweiflung und Tod.

Kinder, die genauso unschuldig und wertvoll wie Aylan sind, werden förmlich ins Meer bei Libyen getrieben, durch Drohnen verbrannt in Pakistan, oder verhungert in Jemen – und das permanent. Und jeder einzelne Vorfall lässt ein Bild entstehen, dass gleichsam unsagbar verlassen und schrecklich tragisch aussieht wie das oben abgebildete, selbst wenn es nicht fotografiert und dadurch von Millionen gesehen wird.

Aylan ertrank in den Armen seines Vaters, der verzweifelt versuchte, seinen Kopf über Wasser zu halten. Kurz vor dem Desaster dürfte es noch ähnlich wie auf dem Foto einer anderen syrischen Flüchtlingsfamilie ausgesehen haben.

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Allerdings zeigt dieses in Wirklichkeit die Ankunft und nicht die Abreise. Es bleibt, vor allem für jeden, der selbst Kinder hat, ein Schlag in die Magengrube. Es braucht nur einen Hauch von Mitgefühl, um sich vorstellen zu können, wie der Vater sich fühlen muss. Völlig überfordert und am Ende seiner Kräfte. Die Arme seiner Tochter um den Hals. Das Gesicht seines Sohnes in seiner Brust vergraben. Beide suchen Schutz und Fürsorge in ihm, welche er letztlich vielleicht nicht bereitstellen kann. Kein Wunder, dass sich auch dieses emotionale Foto virusartig verbreitet hat.

Eine weitere Kurmeldung: So sieht Kriegsvertreibung aus, sowohl im Meer und auf dem Festland. Das, was man in seinem Gesicht lesen kann ist die Qual, die in genau diesem Moment viele der Millionen Mütter und Väter plagt, die aus ihrer Heimat und Quelle des Lebensunterhalts hinaus und quer durch die Länder getrieben wurden, die durch die Waffen des Westens in Schutt und Asche gelegt worden sind: Irak, Syrien, Libyen, Afghanistan, Jemen, Somalia, Palästina, die Ukraine und viele mehr.

Es ist eine Schande, dass die Neugierde, das Mitgefühl und die Vorstellungskraft der meisten so verkümmert sind, dass ausdrucksstarke Bilder, wie diese in den Nachrichten auftauchen müssen, um über die Verwüstung, die durch die Politik ihrer Regierungen angerichtet wurde, nachzudenken.

Dann sind alle gerührt, zwar nicht genug, um endlich eine Lehre aus der Sache zu ziehen, sondern nur so viel, um dazu gebracht zu werden zu fordern – oder zumindest dazu zu ermuntern – dass mehr von genau der Art des Eingreifens geschieht, die die Tragödie in erster Linie verursacht hat.

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Kriegstreiber der Regierung und der Medien versuchen auf perverse aber voraussehbare Weise die Leiche von Aylan in ihren Marsch der Eskalation einzuberufen. Sie beharren darauf, dass Aylan gestorben ist, weil der Westen nicht gegen den Diktator Syriens, Bashar al-Assad, eingeschritten ist und es nun folglich tun muss, damit nicht noch weitere Kinder dieses Schicksal teilen müssen.

Ähm, nein. Aylans Familie waren kurdisch Flüchtlinge, die aus Kobani geflohen waren, das belagert wurde. Nicht von Assad, sondern seinem Feind: Dem islamischen Staat.

Doch ISIS agiert in diesem Teil Syriens nur ungezügelt, weil der durch Amerika dominierte Westen und ihre ortsansässigen Verbündeten ihnen Schutz gewährten – dadurch, dass sie sie im Aufbegehren gegen Assad unterstützten und die Gotteskrieger mit Waffen versorgten.

Der Westen greift seit spätestens 2012 stark in das Geschehen in Syrien ein. Tatsächlich führte das Eingreifen des Westens nur dazu, dass der Konflikt geschürt wurde, der mittlerweile eine viertel Million Menschenleben einforderte.

Weil das Eingreifen allerdings verdeckt war, und von anderen ausgeführt wurde, erfuhr es wenig mediale Berichterstattung und öffentliche Aufmerksamkeit. So kann der „Rückschlag“, der daraus entstand, den Tod von Aylan mitinbegriffen, überzeugend mit dem „Nicht-Eingreifen“ begründet und dazu verwendet werden, offener und direkter einzugreifen.

Auf diese Weise nutzen Regierung bereits seit langem die Unaufmerksamkeit und Leichtgläubigkeit der Öffentlichkeit aus, um ihre Kriege zu bekommen.

Wenn die Falken ihren Wunsch erfüllt sähen – Assad endlich gestürzt und seine Verbände aufgelöst – so gäbe es wohl keinen Widerstand gegen ISIS, die syrische Al-Qaida und die anderen dschihadistischen Gruppierungen, die Syrien momentan in Gänze überrennen.

So schlimm die Flüchtlingskrise im Moment auch sein mag, man stelle sich nur vor wie es aussähe, wenn alle religiösen Minderheiten Syriens vor diesen hyperbrutalen und -sektiererischen Sunniten fliehen würden, die bis an die Zähne mit den Waffen des Westens bewaffnet sind.

Das weitere Eingreifen würde nur noch mehr Tragödien fordern – weit gefehlt vom Verhindern solcher wie der Aylans.

Du bist wegen dieses Bildes auf Facebook besorgt? Gut. Das bedeutet, dass dein Herz noch nicht völlig durch nationalistische und fremdenfeindliche Indoktrination zu Stein geworden ist. Aber lass dich nicht vom Kriegstreiben einlullen. Und sorgen nicht einfach nur für „erhöhte Aufmerksamkeit“, dadurch, dass du die Tragödie likest und sharest, sie dann aber nach einem Monat wieder vergisst. Um wirklich zur Rechtschaffung von Aylan beizutragen, sorge dafür, dass die Dinge wieder richtiggestellt werden.

Der erste Schritt dazu ist, Dinge richtig zu verstehen. Mach es zu deinem Projekt, die Rolle fremden Eingreifens in den syrischen Zivilkrieg zu verstehen, das für so viele dieser Flüchtlinge verantwortlich ist. Genauso wie im Allgemeinen auch für die Kriege, die im Nahen Osten, Nordafrika und Südasien wüten. Und wenn du selbst zu einem Verständnis gelangt bist, sorge dafür, dass dieses sich auch auf andere ausbreitet.

 

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