Investigativ & Unabhängig – Mit der Kraft des Internets

Wasser als Waffe: Israel unterbricht Zugang der Palästiner zu ihren eigenen Wasservorräten

in Geopolitik/Welt

Laut eines erfahrenen Palästina-Reporters wurde der Zugang zu 50 Prozent des Wassers in einer Stadt mit 40.000 Einwohnern während des Ramadan unterbrochen. Ramadan ist eine Zeit, „in der die Menschen noch mehr als sonst Zugang zu Nahrung und Wasser benötigen.“

Seit je her verweigert Israel den Palästinensern den Zugang zum Wasser. Amnesty International z.B. schreibt im Oktober 2009:

„Während Israel in den Siedlungen Felder mit Sprinkleranlagen bewässert, Gartenlagen und Swimmingpools unterhält, verweigert es der palästinensischen Bevölkerung in den besetzten Gebieten das Recht auf Zugang zum Wasser.“

Da ist es schon regelrecht sarkastisch, dass die Welt Israel zum „Land des Wasserwunders“ erklärt und beschreibt, wie intensiv, innovativ und vorbildlich Israel Wassersparmaßnahmen einsetzt. Kein Wort aber über die Kappung des Wassers der Palästinenser.

Jerusalem Israel beschränkt den Zugang zu Wasser in Palästina. Das ist eine bereits jahrelang so angewandte Praktik, die während des heiligen Monats Ramadan nur noch intensiviert wird, wenn der Zugang zu Trinkwasser sogar noch wichtiger ist als sonst.

Die Unterbrechungen der Wasserversorgung treffen das besetzte Westjordanland besonders hart, wie Al-Jazeera am 23. Juni berichtete.

„Es gibt Berichte über Wassermangel und Unterbrechungen in der Wasserversorgung … die sich durch die nördlichen Gebiete Jenin und Nablus im Westjordanland ziehen. Das obwohl Israels Coordination of Government Acitivities in the Territories (COGAT, etwa: Koordination von Regierungsaktivitäten in den Gebieten), also die Behörde in Israel, die für das besetzte Westjordanland verantwortlich ist, abstreitet, dass die Wasserversorgung überhaupt unterbrochen oder reduziert worden ist“, schreibt Sheren Khalel.

Saleh Afaneh ist der Zuständige für Wasser und Abwasser in Salfit, eine Stadt im nördlichen Teil des Westjordanlandes. Er berichtete Khalel, dass seine Gemeinschaft nur 30 bis 40 Prozent des ihr zugesicherten Wassers aus Israel erhält.

„Am ersten Tag des Ramadan gab es 24 Stunden lang ohne Vorwarnung kein Wasser“, sagte Afaneh. „Seitdem kommt nur die Hälfte der verfügbaren Menge zu uns. Wir haben alles in unserer Macht stehende getan, damit sich die Bewohner wohl fühlen, aber das ist eine wahre Krisensituation.“

Die meisten Palästinenser sind Moslems. Das heißt, dass sie während des heiligen Monats Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Nahrung oder Wasser verzichten.

Der Zugang zu Trinkwasser und zu Wasser, um das Essen während der Stunden vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang vorzubereiten, ist insbesondere während des heiligen Monats wichtig. Dadurch hat die Sperre ganz besonders verheerende Auswirkungen, berichtete Ramzy Baroud, Herausgeber des The Palestine Chronicle in einem Interview mit RT vom 17. Juni.

„Wegen Iftar, wegen des Fastenbrechens, brauchen die Menschen den Zugang zu Nahrung und Wasser jetzt mehr als zu jeder anderen Zeit des Jahres. Und jetzt verwehrt man ihnen diesen Zugang“, sagte Baroud.

Laut Baroud ist die Wasserversorgung in Jenin, eine Stadt mit ungefähr 40.000 Einwohnern, die ebenfalls im Westjordanland liegt, auf 50 Prozent der normalen Versorgungsmenge zurückgegangen.

Die Problematik des Zugangs zu Wasser ist immer noch ungelöst, merkte Baroud an.

„Im Verlauf der gesamten Geschichte des Konfliktes mit den Palästinensern hat Israel so viel dafür getan um zu verhindern, dass die Palästinenser Zugang zu Wasser haben – nicht nur als eine Form der kollektiven Bestrafung, sondern auch um sicherzustellen, dass die Palästinenser ihre eigene Wirtschaft nicht weiterentwickeln können. Denn diese hängt zu 14 bis 20 Prozent von der Landwirtschaft ab“, legte er dar.

Die Kontrolle der palästinensischen Landwirtschaft ermöglicht es Israel, sowohl von der Wasserversorgung an sich als auch von den wenigen Exporten zu profitieren, die für den Export in ausländische Märkte zugelassen sind. Nicht nur die menschliche Gesundheit und die Landwirtschaft leiden unter der Blockade. Sie hat auch die traditionelle Blumenzucht und viele andere Industriezweige in dem Land verkümmern lassen.

Laut Khalel empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO, dass jeder Mensch Zugang zu ungefähr 100 Litern Wasser pro Tag zur Befriedigung aller Bedürfnisse haben sollte. Dazu gehört das Wasser zum Kochen ebenso wie das Wasser zum Waschen und das Trinkwasser. Israelis erhalten üblicherweise zwischen 240 und 300 Liter pro Tag, wohingegen Palästinenser im Durchschnitt nur rund 73 Liter pro Tag erhalten.

Israels Wasser-Krieg: Jedes Jahr wird die Wasserversorgung in palästinensische Städte und Dörfer im Westjordanland tagelang unterbrochen – wenn nicht wochenlang. Die nachfolgende Grafik zeigt, zu wie viel Wasser jeder Mensch im Westjordanland pro Tag Zugang hat.

water-palestine[1]

Zusätzlich sind 180 besonders verarmte Gemeinden innerhalb der Region „Area C“ des Gazastreifens nicht an die Versorgung mit fließendem Wasser angeschlossen und einige Palästinenser geben bis zu einem Fünftel ihres Einkommens für Wasser aus.

Aber Baroud zufolge ist Israel gar nicht berechtigt dazu, das Wasser zu verkaufen.

„Die schlimmste aller Tragödien besteht darin, dass das Wasser, welches die Israelis vor den Palästinensern zurückhalten, tatsächlich den Palästinensern gehört“, erklärte er gegenüber RT. „Es ist sehr wichtig, das im Kopf zu behalten. Israel klaut das Wasser der Palästinenser von den Grundwassersystemen des Westjordanlandes, verpackt es neu und verkauft das Wasser an sie zurück. Und jetzt unterbrechen sie die Versorgung von genau dem Wasser, das sie den Palästinensern überhaupt erst gestohlen haben.“

Wie hart ist der Ramadan in Palästina?

Von mintpress.com. Übersetzt aus dem Englischen von AnonHQ.com.

Du willst uns unterstützen? Klick HIER

loading...

Loading...

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

Die Neuesten von Geopolitik

Gehe zu Top