ZDF Sendung Lanz: Türkischer Geheimdienst an Giftgasattacke in Syrien beteiligt

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Von turkishpress.de

 

Verstörende Bilder und Videos aus dem syrischen Chan Schaichun, einer 90.000 Einwohner-Stadt in der syrischen Provinz Idlib, erreichen uns seit Dienstag. Kinder schnappen dabei nach Luft, verkrümmte Körper sind zu sehen, teilweise mit Schaum aus dem Mund. Es wird stark vermutet, dass das Nervengift Sarin im Spiel ist.

Die ersten Reaktionen auf den Vorfall von Dienstag mit rund 80 Todesopfern, darunter mehr als 30 Kindern waren entsprechend lautstark und kritisch. Während der Westen dem Assad-Regime in Syrien vorwarf, erneut Nervengas eingesetzt zu haben, wiegelte Russland ab und machte die syrische Miliz Fateh-al-Scham Front verantwortlich, die ein Lager mit Nervengas betreibe, die durch die syrische Luftwaffe zertört worden sei. Das syrische Regime folgte daraufhin der russischen Version und bestätigte die Vermutung, ein Lager mit Nervengas getroffen zu haben. Entsprechend fiel auch der Versuch der Vereinten Nationen aus, den Vorfall zu Lasten des syrischen Assad-Regimes zu verurteilen. Russland machte jedoch von ihrem Vetorecht gebrauch.

Opfer der Giftgasattacke mit Sarin in Syrien

Die Türkei schickte nur wenige Stunden nach dem Bombardement ein Experten-Team sowie Rettungseinsatzkräfte in das nur 20 km. entfernte Chan Schaichun, die im Süden der türkischen Provinz Hatay liegt. Dabei wurden 38 Personen in türkische Krankenhäuser transportiert, Sieben erlagen ihren Verletzungen in türkischen Krankenhäusern, teilte das türkische Gesundheitsministerium mit. Die Todesopfer seien in Gegenwart von Vertretern der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) in Adana untersucht worden. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) erklärten wie das türkische Experten-Team, dass es sich dabei um das Nervengas des Typs Sarin handelt.

Sarin ist ein hochtoxischer Kampfstoff, der schon in geringsten Mengen das vegetative Nervensystem angreift und zu einem Kollaps der Organe führt. Das Nervengift ist zwar mit einfachen Grundsubstanzen wie Chloriden und Phosphaten herzustellen, aber die Herstellung sowie Lagerung selbst erfordert ein gewisses Maß an Know-how, da die Substanz hochtoxisch und flüchtig ist sowie die Befüllung von Granaten oder Raketen sich extrem schwierig gestaltet, auch wenn es z.B. als binärer Kampfstoff mit an und für sich harmlosen chemischen Bestandteilen getrennt befüllt werden. Darüber hinaus hängt die Haltbarkeit von Sarin an den Bedingungen der Herstellung ab, muss also immer wieder nachproduziert werden. Chemiewaffen-Experten wie Ralf Trapp oder John Hart vom Internationalen Friedensforschungsinstitut SIPRI in Stockholm halten es daher für recht wage, dass die Milizen in der Lage sind, dieses Nervengift selbst herzustellen. Der syrische UN-Gesandte erklärte Ende 2013, dass die Milizen die selben Grundstoffe dazu verwenden würden, weißen Rauch nachzuahmen und so die syrische Regierung damit zu belasten, Nervengas eingesetzt zu haben.

Erstmals wurde Sarin in Syrien Ende August 2013 eingesetzt. Nach einer Reihe von einschlägen von Boden-Boden Raketen in der Region Ghuta östlich von Damaskus, starben nach unterschiedlichen Einschätzungen bis zu 1.500 Menschen. Nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen wurden innerhalb von drei Stunden 3.600 Personen mit neurotoxischen Symptomen in drei Krankenhäuser eingeliefert, von denen 355 gestorben seien. Ein Team der UNO-Expertenkommission befand sich zu der Zeit nur wenige Kilometer entfernt vom Kampfschauplatz. Es gab eine Untersuchung, Proben wurden entnommen, Opfer untersucht. Dabei wurde Sarin festgestellt.

 

Zwei Abgeordnete des türkischen Parlaments der Oppositionspartei CHP, Eren Erdem und Ali Şeker, erklärten während einer Parlamentsrunde Ende 2015, dass die Staatsanwaltschaft der Provinz Adana mehrere Personen, darunter einen syrischen Milizionär festgenommen hätten, die unter dem Verdacht stehen, Substanzen zu beschaffen, die zur Herstellung von Nervengas geeignet sind. Sie teilten auch die These mit, wonach in Gerichtsakten der Staatsanwaltschaft von Adana ersichtlich sei, dass der türkische Geheimdienst MIT sowie das staatliche Rüstungsunternehmen MKE bei der Beschaffung der Substanzen und Ausbildung dschihadistischer Milizen involviert seien. Sie gaben bei einer Pressekonferenz am 21. Oktober 2015 an, Beweise zu haben, dass bei der Beschaffung und Lieferung das MKE, der türkische Geheimdienst und der Al-Qaida-Terrorist Hayyam Kasap involviert gewesen seien. Das Ziel der türkischen Regierung sei das Gleiche gewesen wie beim illegalen Transfer von Waffen an dieselbe Oppositionsgruppen: Bashar al-Assad stürzen, so Erdem gegenüber der Today’s Zaman, einer der großen Tageszeitungen der Türkei.

Der Fall sorgte zunächst für Furore, da die CHP-Abgeordneten den Fall auch vor russischen Medien ansprachen. Kurze Zeit später wurden die Behauptungen vom Generalstaatsanwalt Mehmet Arıkan selbst, den Eren Erdem zuvor als unabhängigen Staatsanwalt bezeichnete und dessen Arbeit würdigte, dementiert. Die Generalstaatsanwaltschaft von Adana habe aufgrund von geheimdienstlichen Informationen am 15. Mai 2013 Ermittlungen gegen zahlreiche Dschihadisten, darunter auch Hayyam Kasap, aufgenommen. Dem Nachrichtendienst MIT zufolge habe Hayyam Kasap in der Türkei versucht, an chemische Substanzen zu gelangen, weshalb die Generalstaatsanwaltschaft auch diesem Verdacht nachgegangen sei.

Während der Ermittlungen sollen die anfangs gehegten Verdachtsmomente auf beitreiben von Substanzen für die Kampfmittelherstellung sich nicht bewahrheitet haben, dennoch soll laut Generalstaatsanwalt Mehmet Arıkan die Untersuchung fortgesetzt, am 28. Mai 2013 sollen 13 Festnahmen erfolgt sein, darunter der syrische Staatsbürger Hayyam Kasap (Haytham Qassab). Man habe bei den Festnahmen und Untersuchungen der Wohnungen weder Proben, noch Anleitungen hierzu gefunden, lediglich die Absicht festgestellt, dass die Person an 6 chemische Substanzen zu gelangen versuchte.

Sieben der Verhafteten seien nach ausgiebigem Verhör wieder freigelassen worden, fünf, darunter auch der syrische Staatsbürger in Untersuchungshaft genommen worden. Später sollen auch vier der fünf Untersuchungshäftlinge auf Beschwerdeanträge hin vom Haftrichter gegen Auflagen freigelassen worden, nur der syrische Staatsbürger sei weiterhin in Untersuchungshaft geblieben. Trotz der geringen Verdachtsmomente und Beweise habe die Staatsanwaltschaft am 22. Juli 2013 Anklage erhoben, was laut Generalstaatsanwalt Mehmet Arıkan die Verdächtigungen von Eren Erdem entkräften  würden. Am 30. Dezember 2013 soll das Gericht in Adana am ersten Verhandlungstag, aufgrund der geringen Beweislage und auf Beschwerde von Hayyam Kasap, den Angeklagten gegen Auflagen freigelassen haben. Kasap setzte sich daraufhin vermutlich ab. In Abwesenheit wurde Kasap nur aufgrund terroristischer Aktivitäten im Land Ende 2015 zu 12 Jahren Haft verurteilt.

Neuen Aufwind erhält die Frage, ob die Türkei als Transitland für Waffen bzw. sogar Grundstoffe für die Herstellung von Kampfmittel oder Waffen an dschihadische Gruppierungen liefert, durch die TV-Talkshow “Markus Lanz“, in der Nahost-Experte Michael Lüders am 5. April 2017 der türkischen Regierung unterstellte, dschihadistischen Milizen bei der Beschaffung oder Herstellung von chemischen Kampfstoffen geholfen zu haben. Zwar schneidet Lüders dabei auch die Aussagen von Eren Erdem an, verwendet auch die Thesen anderer, spannt aber auch einen weiten Bogen zum ehemaligen Chefredakteur der Tageszeitung Cumhuriyet, Can Dündar, der in Europa in Exil lebt.

Lüders geht in seinen Thesen nicht auf die Aussagen von Eren Erdem ein, der in seinen Vorwürfen vor allem den Westen bezichtigte, als Lieferant der Grundsubstanzen zu fungieren. Darüber hinaus unterstellte Erdem dem Westen, ja sogar den Vereinten Nationen, über die Zustände in Syrien überaus gut informiert zu sein, ja sogar an der Lieferung und Produktion von Kampfstoffen beteiligt zu sein. Auch die Erklärung der Generalstaatsanwaltschaft wird nicht erwähnt.

Dündar hatte der türkischen Regierung vorgeworfen, der Terrormiliz IS Waffen beschafft und durch den Nachrichtendienst MIT nach Syrien geschafft zu haben. Der Bericht “İşte Erdoğan’ın yok dediği silahlar” über den aufgedeckten Waffentransport mit Hilfe von Lastkraftwagen in der Tageszeitung Cumhuriyet am 29. Mai 2015, der schon mehrere Monate zuvor von der Tageszeitung Aydinlik ausgiebig erörtert, aber als Waffenlieferung an die Oppositionsmilizen bezeichnet wurde, handelte Can Dündar einen Prozess wegen Geheimdienstverrat sowie Spionage ein.

Am vierten Verhandlungstag (6. Mai 2016) wurden die Vorwürfe wie umstürzlerischer Versuch und Spionage fallen gelassen, lediglich der Anklagepunkt Geheimdienstverrat aufrechterhalten und eine Haftstrafe von 5 Jahren gefordert. Bis heute konnte Dündar den gegen die Regierung geäusserten Verdacht nicht erhärten. Die Justiz wirft Dündar jetzt vor, für eine Terrororganisation als Journalist Propaganda betrieben und somit begünstigt zu haben, die amtierende Regierung zu stürzen. Dündar befindet sich seit der Freilassung aus der Untersuchungshaft, die er über das Verfassungsgericht anstrengte, seit Ende Mai 2016 im Exil und ist flüchtig. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft vor, als Chefredakteur der Cumhuriyet für die skandalträchtigen Berichte verantwortlich zu sein, um als Propagandist der Terrororganisation FETÖ und PKK die amtierende Regierung zu stürzen.


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2 Comments

  1. Herr Lüders, so Sympathisch er auch ist, gehört auch zur alternativen Lügenpresse. Ein bisschen mehr Wahrheit, mehr aber auch nicht. Wichtig nur nicht die wahren Urheber nennen. Ich Frage mich wer nur über den Illuminaten bzw. Vatikan steht. Ich ahnen teuflisches.

  2. Assad ist schuldig – Assad ist doch unschuldig – Assad ist ein Unschuldiger – Assad ist Friedens-Nobel-Preis verdächtig !!!
    Warum nicht ??? Ex-Präs. Obama hat ihn im voraus bekommen u. sich mit 26.000 Bomben dafür bedankt.

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