Kabarettmacher von “Die Anstalt” zum Faktencheck gezwungen – Anscheinend ist die Wahrheit schwer zu verdauen

in Medien von

Von propagandaschau

 

Es ist so absurd wie aufschlussreich: Während die sogenannten „Nachrichten“-Sendungen der öffentlich-rechtlichen tagtäglich Desinformation, Lügen und Propaganda aus dubiosesten Quellen und gewohnheitsmäßig ohne jeden Beleg verbreiten, werden die Macher des Kabarettformats „Anstalt“ vom ZDF genötigt, die Inhalte ihres Programms mit Fakten zu belegen und sich auf diese Weise öffentlich zu rechtfertigen.

Hier ein sehr aktuelles Beispiel von (bewusst?) falscher Berichterstattung allein von dieser Woche:

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ARD UND DIE FALSCHE BERICHTERSTATTUNG ÜBER DIE WAHLMÄNNERSTIMMEN BEI DER US-PRÄSIDENTSCHAFTSWAHL AM 08./09. NOVEMBER 2016

Nach einer vielleicht etwas zu harschen aber allemal berechtigten Kritik an der vorletzten Ausgabe der „Anstalt“ fanden Uthoff, von Wagner und Kollegen am vergangenen Dienstag zu alter Stärke, als sie in einer satirisch zugespitzten Gerichtsverhandlung den Hintergründen des Syrien-Kriegs auf den Grund gingen.

Aufgabe eines gesellschaftskritischen, politischen Kabaretts ist es, vermeintliche Gewissheiten infragezustellen, politische Denkverbote und Tabus aufzubrechen, Bürger zur Selbstreflexion anzuregen und ihnen den Mut zu geben, sich des eigenen Verstandes zu bedienen. Dass sie diese hohe Kunst auf famose und gleichzeitig unterhaltsame Weise beherrschen, haben Uthoff und von Wagner regelmäßig unter Beweis gestellt. Kabarett, das nicht aneckt und auf Widerstand der Mächtigen stößt, ist kein Kabarett sondern Unterhaltung; es dient nicht der Aufklärung sondern der Sedierung.

Dass sie dafür Gegenwind bekommen, wie Lisa Fitz im Interview mit RT-Deutsch bestätigte, ist nicht nur folgerichtig, sondern die beste Bestätigung, die ein Kabarettist nach dem Applaus bekommen kann. Wer von Kriegshetzern vor Gericht gezerrt wird, kann morgens in den Spiegel schauen und weiß, dass er auf der richtigen Seite der Geschichte steht.

Der Druck auf die unbequemen Wahrsager ist mittlerweile so groß geworden, dass ihnen das ZDF zur letzten Sendung eine schriftliche Rechtfertigung abnötigte, in der sie die Fakten und Quellen ihres satirischen Programms nachweisen mussten. Während in den vermeintlich seriösen Nachrichten­sendungen heute und heute-journal täglich schamlos Propaganda verbreitet und Wahrheiten unterdrückt werden, ohne dass sich jemals einer der Verantwortlichen zu erklären hätte, unterstellt man den Kabarettisten, sie hätten sich alles nur ausgedacht.

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Für die letzte, 55 Minuten lange Sendung mit zahlreichen unbequemen Fakten über den Syrienkrieg, die die westliche Berichterstattung nachhaltig als Propaganda entlarven, hat Dietrich Krauß, einer der unsichtbaren Köpfe hinter der „Anstalt“, einen über 30 Seiten langen Faktencheck zusammengestellt – oder wahrscheinlich doch eher zusammenstellen müssen.

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Seite 1 von 31; Bild anklicken, PDF-Backup!

Was wir hier sehen, ist – um bei der Metapher eines Gerichtssaals zu bleiben – die öffentlich-rechtlich-groteske Variante der Umkehr des Rechtsstaatsprinzips. Dieses besagt unter anderem, dass es der Staat ist, der einem Angeklagten Schuld nachweisen muss und nicht, dass ein Angeklagter seine Unschuld zu beweisen hätte.

Die Macher der Anstalt werden hier prophylaktisch genötigt, ihre Satire zu rechtfertigen, während nur Minuten zuvor im heute-journal schamlos Lügen (Assads Giftgas, russische Invasion in der Ostukraine, etc.) und Desinformation („sollen“, „möglicherweise“, „kann nicht unabhängig bestätigt werden“) aus dubiosesten Quellen („Syrische Beobachtungsstelle…“,„Bellingcat“,…) bis hin zu islamistischen Terroristen („WhiteHelmets“, „AMC“,…) verbreitet wird.

Manchmal erscheint die Realität selbst als Satire ohne dass man sie noch überspitzen müsste oder könnte. Genau das ist hier der Fall und es sagt vielleicht mehr über den Zustand dieses Landes als man in eine Kabarettsendung hineinpacken könnte.

Update

Wie Dietrich Krauß mitteilt, wird der Faktencheck nicht auf Druck des ZDF erstellt, sondern „freiwillig und gern zur Versachlichung der Diskussion“.Man darf vielleicht doch ein bisschen bezweifeln, dass es die gleiche ArtFreiwilligkeit ist, mit der die Truppe nach der Vorstellung zusammen ein Glas Eierlikör trinken geht, denn der Hinweis auf die „Versachlichung der Diskussion“ bestätigt natürlich, dass Druck im Kessel ist, der mit dem veröffentlichten Faktencheck abgebaut werden soll.


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3 Comments

  1. Unabhängig von den (schlechten) Gründen, weshalb diese Rechtfertigung notwendig wurde …. offensichtlich wird, wie die Anstalt im Hintergrund und zur Vorbereitung einer Sendung arbeitet. Was ich sehen konnte und beurteilen kann (habe nicht alles gelesen) … eine beeindruckende Recherche-Leistung. Da werden die “Ankläger” wohl schon sehr intensiv suchen müssen, um eine Lücke zu finden. Well done Anstalt!

  2. Um zu wissen,dass Vieles in unserer Welt schief läuft,muss man noch nichtmal recherchieren.Das ist einem doch sofort klar,wenn man sich mal genau umschaut.
    Das ist so typisch,dass Menschen,die kritisch sind,als Verrückte abgestempelt werden,die sich alles nur ausdenken.Aber anderen wird natürlich jeder Scheiß geglaubt…

  3. Seit wann muss man Satire mit Fakten rechtfertigen?! – Es liegt im Wesen von Satire, das nicht zu müssen! Oder ist ein gewisser Präsident etwa ein “Ziegenficker”? Ich will bitte erst die Faktien dazu! Das erbärmliche ist, dass die Satire in “Die Anstalt” tatsächlich auf Fakten beruht. Das Ganze kommt ja nur als Satire rüber, weil das deutsche Publikum seit Jahrendesinformiert und für dumm verkauft wird.

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