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F*ck the US: Ex-Minister macht deutsche Stellung gegenüber der US-Außenpolitik klar.

in Welt von

Verfasst von CoNN

Übersetzt ins Deutsche von Murphy


Es geschieht nicht alltäglich, dass der Schein der Höflichkeit unter Politikern eingetrübt wird. Noch seltener ist es allerdings, wenn selbst nahe „Verbündete“ aneinandergeraten; meist wird aber erst dann offen und ehrlich über die Kollegen gesprochen, wenn man die Politik verlässt. Aus diesem Grund horchte man auch auf, als Deutschlands Ex-Finanzminister, Oskar Lafontaine, die Haltung Amerikas zu Russland und der Ukraine kritisierte. Man mag sich sogar fragen, ob Deutschland wirklich so kulant und vergebungsvoll (bzw. rückratslos) war, wie es sich zeigte, als öffentlich wurde, dass man von den Amerikanern ausspioniert wurde (u.A. der E-Mail Verkehr) – gipfelnd im Aushorchen der eigenen Kanzlerin.

Auch wenn der lange Post Lafontaines überwiegend in Deutsch verfasst ist, vier englische Wörter stechen heraus… und die lassen sich nur schwer falsch interpretieren. Ich persönlich kann der benutzten Formulierung durchaus zustimmen – habe ich sie doch selbst schon oft ähnlich verwendet.

Im Post wird die EU dazu aufgerufen, sich den USA zu widersetzen. Der US-Verteidigungsminister Ashton Carter wird als „Secretary of War“ (dt. Kriegsminister) bezeichnet (dabei sollte man feststellen, dass Amerika wohl das einzige Land ist, das die Linie zwischen Verteidigung und Krieg so oft überschreitet, dass diese Unterscheidung ohnehin fast sinnbefreit wirkt) und Washingtons Politik gar als „Imperialismus“.

„Der US Kriegsminister ruft die Europäer dazu auf, die russische „Aggression“ nicht zu dulden“, beginnt Lafontaine. „Die Europäer haben jeden Grund, sich der US Aggression zu widersetzen.“

Erst neulich besuchte Ashton Carter Tallinn, wo er versicherte, EU Mitgliedsländern, die an Russland angrenzen, mit 250 Panzern und gepanzerten Fahrzeugen auszustatten. Schon komisch – ich habe nicht mitbekommen, dass Russland Panzer an Mexiko entsendet… Wie kommt es dann, dass Russland als Aggressor hingestellt wird?

Daraufhin stattete Deutschlands Ex-Finanzminister George Kennan, der einst US Botschafter in der Sowjetunion war, einen Besuch ab. Kennan „bezeichnete die NATO Expansion ostwärts als größten Fehler seit Ende des zweiten Weltkriegs“, beginnt Lafontaine, „, weil daraus ein neuer Kalter Krieg resultierte.“

„Die US Diplomatin Victoria Nuland sagte, dass wir [Amerika] mehr als fünf Milliarden US-Dollar in die Destabilisierung der Ukraine investiert haben.“, stellt Lafontaine weiter fest, wobei er sich auf den Betrag bezieht, der von den USA für den Aufbau „demokratischer Institutionen“ in der demokratischen Ukraine verwendet wurde. Ehrlich gesagt bezweifle ich, dass Amerika überhaupt einen dieser Vorgänge in die Wege hätte leiten können, wenn die Ukraine WENIGER als aufrichtig demokratisch gewesen wäre.

Des Weiteren ruft Lafontaine den Lesern wieder einen bestimmten veröffentlichten Anruf ins Gedächtnis, in dem Nuland „F*ck the EU“ zum US Botschafter in Kiew sagte und schlussfolgert: „Amerika spielt fortwährend mit dem Feuer und Europa muss mit Stagnation im Handel mit Russland und dem Verlust von Arbeitsplätzen zahlen… Wir brauchen eine EU-Außenpolitik, die dem kriegstreiberischen US Imperialismus die Stirn bietet!“

Auch wenn ein Mangel an einleuchtenden Gründen herrscht, hat die EU auf Geheiß der USA die Sanktionen gegen Russland um weitere 6 Monate verlängert. Studien zeigen nun, dass diese Sanktionen der europäischen Wirtschaft weitaus mehr schaden als bisher angenommen – 2,5 Millionen Arbeitsplätze werden verloren gehen; ein Doppelsieg für Amerika, da nicht nur ein sondern gleich ZWEI Rivalen wirtschaftlich geschwächt werden (im Ernst, wenn die europäischen Politiker in einem solchen Maße ausspioniert werden, dass sogar der E-Mail Verkehr gelesen wird, darf man dann wirklich noch annehmen, dass die USA in Europa einen „Freund“ sehen?)… Nun fehlt nur noch, dass Europa und Russland sich gegenseitig zurück in die Steinzeit bomben… natürlich gemeinsam mit China.

 


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2 Comments

  1. 2.5 Millionen Arbeitsplätze? Macht doch nix… TTIP soll uns doch den Wohlstand bringen… mit 0.5 Millionen in 5 Jahren… wenn die optimistischen annahmen eintreffen….
    … grüße aus dem dumpfen braunen Sumpf 😉

  2. 5 vor 12 – Aufwachen!
    Wir haben einen schönen Sommer … und “blühende Landschaften”, und sind satt!
    Eigentlich geht es uns doch ganz gut…
    Wer aber aufmerksam und wachen Sinnes und mit Interesse das tägliche Geschehen
    verfolgt, dem dürfte kaum der Ernst der Lage entgehen, konkret: an welch dünnem Faden unser Frieden hängt. Mir persönlich tut es weh, zu einer Nation zu gehören, wo ein gewisser Teil auch heute noch nicht in der Lage ist, die richtigen Lehren aus der Geschichte zu ziehen, das seit 1945!
    Mal ehrlich, treffen wir denn nicht täglich auf solche folgenschweren Überheblichkeiten: Wir sind die Besten, nach uns der Rest der Welt ?
    Unter uns leben noch Menschen, die es erlebt haben, wohin Überheblichkeit, falscher Nationalstolz und Mißachtung anderer Ethnien geführt haben: zu Völkerhaß, Krieg und unermeßlichem Leid!
    Der Gipfelpunkt, der mich zum Schreiben veranlaßt, ist der Auftritt eines Herrn
    Stoltenberg, seines Zeichens Chef der NATO. Er will die Aktivitäten verstärken, eine
    militärische Präsens im Osten errichten um dem Russen zu zeigen, wer hier das
    Sagen habe!
    Ja, pfui Teufel, geht es denn noch frecher oder provokatorischer?
    Da wird mir doch klar, warum der Westen so lange gegen den “kalten Krieg” war –
    er braucht den H E I S S E N !
    Da muß man also deutlich und laut mit dem Säbel rasseln, Stärke zeigen und auf Messers Schneide provozieren – irgendwie muß doch der Friedlichste aus der Hütte gelockt werden um ihn dann als Angreifer hinzustellen!
    Ganz klar ist doch: Der Frieden für US wird weder im Baltikum noch im Scharzen-
    oder Mittelmeer genausowenig gerettet wie der Frieden für Deutschland am Hindukusch!
    Geht’s denn noch dümmer?
    Gibt es denn garnicht mehr die Chance, sich wie zivilisierte Menschen zu bewegen, miteinander umzugehen und koexistieren, ohne dem Anderen Vorschriften, Zwänge
    und Regeln aufzuerlegen. Letztendlich durch Druck (sprich: Krieg) wird der anders
    Denkende boykottiert.

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